Gardelegen l Das Geläut der Glocke der Kirche St. Marien zu Gardelegen verhallte, kurz danach wurde es still im Kirchenschiff, als plötzlich sanfter und dennoch kräftiger Gesang einsetzte. Die jugendlichen Mitglieder der Thüringer Sängerknaben eröffneten mit „Christe qui lux es et dies“, einer Hymne aus dem frühen Mittelalter, die bereits vor 534 Jahren datiert wird, das Konzert. Dazu erhoben sie ihren Gesang nicht im Altarraum von Angesicht zu Angesicht mit dem Publikum, sondern standen im hinteren Teil der Kirche parat, um feierlich singend durch die Zuschauerreihen hindurch zur Bühne zu schreiten. Ein erhabener Konzertauftakt.

Sieben- bis 20-jährige Sänger begeistern

Zum Repertoire der Thüringer Sängerknaben gehören geistliche Werke, aber auch Volkslieder und die regionale Musik Thüringens. Die sieben- bis 20-jährigen Knaben und jungen Männer des Chores musizierten auf brillantem Niveau. So sangen sie am Sonntag in Gardelegen unter anderem „Frohlockt mit Freud, ihr Völker all“ von Heinrich Schütz, „Jauchzet dem Herrn alle Welt“ von Wilhelm Köhler oder „Straßburger Großes Gloria 1525“. Es erklangen aber auch „Thüringer Land“ oder „Komm, Trost der Welt“, komponiert von Christian Lahusen zu einem Text von Joseph Freiherr von Eichendorff. Zum Abschluss erklang das „Nachtlied“ von Max Reger. „50 Knaben in der drittgrößten Stadt Deutschlands unterzubringen, ist schon eine Herausforderung“, berichtete Gardelegens Kantorin Monika Wrobel. Gelungen ist es ihr aber dennoch. 50 Kinder und Jugendliche brachte sie in 17 privaten Unterkünften unter.

Unter anderem logierten fünf Jugendliche bei Helga Lück. „Ich bin selbst Chorsängerin und weiß, wie das ist, unterwegs zu sein. Da möchte man sich gut untergebracht wissen“, schilderte sie ihre Motivation. Lück gehört dem Gardelegener Kirchenchor an. Angereist waren die Thüringer Sängerknaben am Sonntagvormittag. Zunächst erfolgte eine Stellprobe in der Marienkirche. Am frühen Nachmittag bezogen sie ihre Quartiere und erhielten einen Mittagsimbiss von ihren Gastgebern. Bereits am Montagvormittag reiste der Chor nach einer Morgenandacht wieder ab. Schließlich stand gestern Abend das nächste Konzert auf dem Programm. Diesmal in Stapel. Bis einschließlich 17. Juli haben die Jungen täglich einen Auftritt während ihres Sommerreiseprogrammes.

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Die Thüringer Sängerknaben sind einer von drei Chören an der Johanniskirche in Saalfeld, die in Bach’scher Tradition konzertieren und auch regelmäßig Gottesdienste mitgestalten. Als 1949 Walter Schönheit als Kantor nach Saalfeld gerufen wurde, hatte er den Wunsch, Kirchenmusik nach dem Vorbild Johann Sebastian Bachs zu integrieren. Am 22. März 1950 gründete er die Thüringer Sängerknaben. Nur drei Tage später erfolgte die Gründung des Mädelchores Saalfeld. Seit Februar 1950 gab es da bereits den Oratorienchor Saalfeld. So wurde es möglich, alle kirchenmusikalischen Werke aufzuführen. Alle drei Chöre stellte Schönheit unter die Bach‘sche Losung „Soli Deo Gloria – Allein zur Ehre Gottes“. Seit dem Jahr 2012 leitet der Saalfelder Kantor Andreas Marquardt die Thüringer Sängerknaben. Seine ersten musikalischen Schritte tat er übrigens selbst auch als Sänger dieses Chores.