Kalbe l Sie sind schön und alt – die Wandmalereien aus dem Mittelalter in einigen Kirchen in der Kalbenser Region. Im Rahmen des landesweit einmaligen Leader-Kooperationsprojektes „Mittelalterliche Wandmalereien in altmärkischen Kirchen“ des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt mit den Kirchenkreisen Salzwedel und Stendal in der Evangelischen Kirche Mitteldeutschland und den beiden Lokalen Leader Aktionsgruppen (LAG) Mittlere Altmark, der auch die Einheitsgemeinde Kalbe angehört, und Uchte-Tanger-Elbe wurden die Wandmalereien in den altmärkischen Gotteshäuser wissenschaftlich untersucht und katalogisiert. Im Bereich Kalbe erfolgte dies in Altmersleben, Beese, Güssefeld, Siepe und Vienau.

In Altmersleben ist in der Apsis die Darstellung Christi auf dem Thron, begleitet von Evangelisten und Heiligen, dargestellt. Das Wandbild entstand 1946 bei einer Neubemalung. Der Maler orientierte sich dabei an Resten einer romanischen Malerei. Die Beesener Dorfkirche weist Rankenfriese auf. Diese sind von der Bemalung in der Apsis erhalten. In Güssefeld ist in der Apsis die Darstellung des Herrn ersichtlich, umgeben von Evangelistensymbolen. Einige Figuren dieser Malerei sind nur noch schemenhaft erkennbar. In Siepe zieren Ranken mit Blüten die Kirchenwand. Wahrscheinlich entstand dies während einer spätgotischen Reparatur- und Umbauphase der Kirche. Die Vienauer Kirche weist eine gotische Darstellung einer Butterhexe im Bogen zum Turm auf.

Untersuchung als Vorstufe der Rekonstruierung

All diese mittelalterlichen Wandmalereien wurden während des zweijährigen Kooperationsprojektes von Naturwissenschaftlern, Historikern und Restauratoren untersucht. Dies war die Vorstufe für eine spätere Rekonstruierung, wie Verena Schlüsselburg, Vorsitzende der LAG „Mittlere Altmark, berichtet. Entstanden ist eine Wanderausstellung, die bereits in Salzwedel, Stendal und Havelberg gezeigt wurde. Derzeit ist sie im Foyer des Dienstgebäudes des Landesverwaltungsamtes Magdeburg als Leihgabe des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie zu sehen. Vorgesehen ist, dass sie in der Dorfkirche Späningen (Einheitsgemeinde Bismark) und in Arendsee präsentiert wird.

Neben der Wanderausstellung ist eine Broschüre entstanden. Darin abgebildet sind Fotografien der Wandmalereien und eine Beschreibung über Zustand und Symbolik dieser. Die LAG-Vorsitzende weist darauf hin, dass diese Broschüre einen ersten Eindruck vom künstlerischen Schaffen im Mittelalter in der Altmark und von Form und Farbenreichtum der Wandmalereien jener Zeit vermitteln will.

Lichtblütenfestival im September

Kostenpunkt für dieses Kooperationsprojekt ist 209.000 Euro. Es wird aus Leader-Mitteln sowie von der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland und von der Kirchlichen Stiftung Kunst und Kulturgut in der Kirchenprovinz Sachsen gefördert, so Schlüsselburg im Volksstimme-Gespräch. Auf der Internationalen Grünen Wochen im Januar 2020 stellten die Leader-Akteure unter anderem auch dieses Kooperationsprojekt vor. In diesem Jahr war eine Präsentation pandemiebedingt nicht möglich. Es wäre die fünfte in Folge gewesen, so Schlüsselburg.

Weitere Kooperationsprojekte sind geplant beziehungsweise in Vorbereitung. So das Lichtblütenfestival, bei dem der Leader-Akteur „Historische Region Lindstedt“ den Hut aufhat. Insgesamt sind acht Akteure aus der Altmark beteiligt. In Kalbe engagiert sich der Künstlerstadt-Verein. Im September soll dort mit Lichtkunstwerken die Altstadt erstrahlen.