Kalbe l Anfragen von Künstlern, die dauerhaft in Kalbe leben wollen, habe es in der Vergangenheit schon viele gegeben, erinnert sich Corinna Köbele, Vorsitzende des Künstlerstadt-Vereines. Da habe es einen Musikprofessor gegeben oder ein Bildhauerpaar und noch weitere. Mit allen hatte die Vereinschefin über Monate Kontakt, hatte sich nach geeigneten Objekten umgesehen, sich mit den Künstlern diese angesehen. Geblieben ist letztendlich aber keiner. Vorstellung und Realität haben oft nicht zusammengepasst. „So wollen die meisten ein Fachwerkhaus mit ganz viel grün drumherum aber weitab vom nächsten Nachbarn – und das mitten in der Stadt“, schildert Köbele.

Ein Haus im Grünen, dass man „für kleines Geld sanieren kann“, hatte sich auch Peter Clauss vorgestellt. Nach Kalbe kam er aber vor allem, um in eine Gemeinschaft zu kommen, um der Einsamkeit zu entfliehen. Im Fernsehen habe er im Herbst vorigen Jahres einen Bericht über die Künstlerstadt in Kalbe gesehen. Ihm gefiel, dass Leute da gemeinsam etwas aufbauen, Gebäude wieder herrichten. Er recherchierte den Kontakt und im November 2019 rief er Corinna Köbele an. Im Dezember kam er das erste Mal nach Kalbe. Und Clauss, der in Portugal geboren wurde, in Hannover aufwuchs und über Brügge nach Südamerika ging, wo er 20 Jahre lebte bis es ihn nach Berlin trieb, ist nun angekommen. Angekommen in einer kleinen Stadt in der Altmark.

Gemeinsam statt einsam

Einen Hof im Grünen hat er nicht gefunden. Zufrieden ist er aber mit seiner Neubauwohnung in der Mildestadt. Dort hat er einen hinduistischen Altar aufgebaut. Seine Bilder hängen an den Wänden. In einem Zimmer seiner Zweiraumwohnung hat der 66-Jährige seine Werkstatt, sein Atelier untergebracht. Dort entstehen Skulpturen, dort malt er. Seine Arbeiten sind gegenständlich andere wiederum surrealistisch. Er greift Motive der Romantik auf.

Clauss ist aus München gekommen. Ein Jahr lang hatte er dort gelebt. „Ich bin analog unterwegs. Aber in der Stadt gucken alle nur auf ihr Handy“, sagt der Künstler. Kontakte laufen da über Whatsapp. Mit Menschen wirklich zusammengekommen, ist er dort nicht. In Kalbe ist das anders. „Ich habe hier schon mehr Menschen kennengelernt als in einem Jahr in München.“ Bei der Sanierung des Kulturhofes des Vereins hilft er mit. Und im Frühjahr möchte er im Garten der Nationen mit anderen Gemüse anbauen. Er hat Pläne. Er wird bleiben.

Engagement auf dem Kulturhof

Gern in Kalbe aktiv ist auch Elvira Chevalier. Sie beteiligte sich bereits an einem Sommercampus der Künstlerstadt, zeigte damals Raum- und Lichtinstalltionen.

Eigentlich hatte die gelernte Grafikdesignerin vor, per Work and Travel durch die Welt zu ziehen. Dabei führte der Weg wieder nach Kalbe. „Und hier gibt es viel zu worken.“ Die 37-Jährige engagiert sich bei der Sanierung des Kulturhofes. Bis zum März wird sie auf jeden Fall noch in Kalbe bleiben. Grundsätzlich könne sie sich vorstellen, generell zu bleiben. Aber: „Ich fürchte, bleibt man erstmal hier, dann kommt man nicht mehr weg“. Und damit meint die Künstlerin nicht, dass sie aus der Altmark unbedingt wieder weg muss, sondern vielmehr, dass ihre Sehnsucht nach der Welt noch zu groß ist, als dass sie sich auf einen Ort festlegen könne.