Gardelegen l 44 Zentimeter groß, gut fünf Kilogramm schwer und ganz weich und knuffig mit einem champagnerfarbenen Fell – das ist Stormy, ein Pferdchen der Rasse Amerikanische Miniaturpferde. Geboren wurde das kleine Hengstfohlen am 13. März nachmittags gegen 15 Uhr auf der Wiese. „Bei Sturm, Hagel und Regen. Das war richtig kalt“, erzählt Christina Dietmann, stolze Besitzerin und Züchterin der hier eher seltenen Rasse. Für sie eine ungewöhnliche Geburtszeit, denn normalerweise werden Pferde zumeist nachts geboren. Dann übernachtet Christina Dietmann auch im Stall. Die Geburtsbox ist mit einem Fohlenmelder ausgestattet, der laut pfeift, wenn es los geht. Eine Kamera ist auch im Stall, verbunden über eine App mit ihrem Handy.

„Zum Glück war ich gerade vor Ort“, zeigt sich die Pferdenärrin erleichtert. Alles sei gut gegangen, und Flora, vier Jahre alt und zum ersten Mal Mutter, mache ihre Sache sehr gut. „Eine total gelassene tolle Mama“, lobt die 38-Jährige. Ihre Minis hätten alle einen sehr feinen Charakter. 13 Miniaturpferde stehen auf der Wiese und drei große, also insgesamt 16. „Im letzten Jahr waren es noch 24 Pferde. Das war einfach zuviel“, so Dietmann. Aber der Pferdemarkt könnte eben besser sein. Ihre Minis verkauft Christina Dietmann mittlerweile in ganz Europa. „Immer in der Hoffnung, dass die Leute gut mit den Tieren umgehen, denn ich stecke jeden Pfennig in meine Pferde. Da hängt viel Herzblut dran“, betont Dietmann. Jedes Jahr schickt sie ein Pferd auf die Reise nach Tschechien zu einer professionellen Trainerin, die die Tiere ausbildet. Denn auch die Minis sind im Sport unterwegs, im Fahren und im Springen an der Hand. Eine Stute aus ihrer Zucht mit dem schönen Namen Mercedes habe im vorigen Jahr beispielsweise Europameistertitel im Sulkyfahren geholt. „Da weiß man, wo man europaweit in der Zucht steht“, sagt Dietmann.

Minis sind auch im Sport unterwegs

Auch Reiten sei möglich, allerdings nur für Kinder mit einem Gewicht unter 25 Kilogramm. Antonin etwa, 9 Jahre alt, wird geritten und war auch oft schon bei verschiedenen Veranstaltungen als Kutschpferd auf dem Gardelegener Rathausplatz im Einsatz. Vor genau zehn Jahren, damals noch in England, hat Dietmann ihre ersten Miniaturpferde gekauft. 2012 kam dann das erste Gardelegener Fohlen zur Welt. „Das war auch an einem Sonntagnachmittag, allerdings bei schönstem Sonnenschein. Die ganze Familie hat um die Wiese gesessen und mit Champagner angestoßen“, erinnert sich die 38-Jährige. Denn ihre Spezialität sei die Zucht champagnerfarbener Minis. „Meine Familie macht sich immer lustig über mich, weil ich champagnerfarbene Tiere züchte, aber keinen Champagner trinke. Ich trinke gar keinen Alkohol.“ So habe sie damals eben mit Apfelschorle angestoßen.

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Die Leidenschaft für Pferde begann allerdings schon viel, viel früher. Ihre Liebe zu den Tieren wollte Christina Dietmann auch zum Beruf machen. Sie studierte Tiermedizin. „Allerdings bin ich damals durchs Physikum gefallen“, räumt Dietmann ein. Gewissermaßen aus Frust darüber habe sie dann eine völlig andere Studienrichtung gewählt: Philosophie. „Das hat mir ganz viel Spaß gemacht. Das war eine tolle Zeit in Rostock“, erinnert sich Dietmann. Und ihren Abschluss habe sie auch geschafft. Doch was macht man mit Philosophie in der Provinz? „Ich habe Denken gelernt fürs Leben“, so Dietmann. Nach dem Studium war sie eine zeitlang in Salzwedel, arbeitete unter anderem als freie Mitarbeiterin für diverse Pferdezeitschriften und für die Volksstimme. Das macht sie übrigens auch heute noch.

Eltern helfen im Stall mit

2007 ging sie nach England und arbeitete dort auf einem Gestüt unter anderem mit argentinischen Miniaturpferden. „Mit einem Pferd und einem Hund bin ich damals losgezogen. Mit sieben Pferden und zwei Hunden kam ich Ende 2011 zurück nach Gardelegen“, erzählt Christina Dietmann – mit einem herzlichen Lachen. Damals begann die 38-Jährige, ihre Pferdeherde aufzubauen. Zwei Deckhengste importierte sie aus den USA. Jetzt hat sie einen selbstgezogenen Hengst auf der Wiese stehen. „Wenn er sich gut entwickelt, wird er der neue Deckhengst“, so Dietmann. Beruflich ist Christina Dietmann als Ehrenamtskoordinatorin für die Flüchtlingsarbeit über die Diakonie tätig. „Die Arbeit macht mir viel Spaß, die Menschen zusammenzubringen, Treffen von Menschen zu organisieren. Die Pferde allerdings sind mein Leben“, betont Dietmann.

„Denn wo schlägt mein Herz, was frisst mein Geld?“, fragt sie lachend und antwortet gleich selbst mit einer Handbewegung in Richtung ihrer Pferde. Große Unterstützung erfährt sie von ihren Eltern, Sabine und Horst Dietmann, der jahrzehntelang als Pfarrer die Gardelegener Kirchengemeinde betreut hat. Beide hätten vorher nie etwas mit Pferden zu tun gehabt. Jetzt würden sie alles mitmachen, auch das Ausmisten der Ställe. Derzeit kann Christina Dietmann Stormy noch auf den Arm nehmen. Er genießt das auch, während Cimbelina und Diamante, zwei italienische Windspiele, um sie herumwuseln. Die beiden Hündinnen seien schon ein bisschen verrückt, gesteht Christina Dietmann, aber sie würden sich als Therapiehunde – zusammen mit einem kleinen Kaninchen – unter anderem in Wilhelmshof – sehr gut eignen. Wenngleich Christina Dietmann ihre Pferdeleidenschaft nach Herzenslust ausleben kann, hat die 38-Jährige dennoch einen Traum, der natürlich mit ihrer Leidenschaft in Verbindung steht. „Ich würde wahnsinnig gern bei meinen Pferden wohnen.“