Gardelegen l Wer kennt es nicht, das Lied „Im Wagen vor mir fährt ein junges Mädchen“ von Henry Valentino, der eigentlich Hans-Bernd Blum heißt und mittlerweile 91 Jahre alt ist. Was bisher nicht so bekannt war: Es gibt auch eine andere Version, die Valentino und Katrin Huß mit umgedrehten Rollen gemeinsam eingesungen haben. Sie: „Im Wagen vor mir fährt ein junger Bursche und er scheint cool zu sein.“ Er: „Was will die kesse Biene hinter mir nur.“ Dazu gab es auch noch ein kleines Video.

Das ist nur eine Episode von vielen, die Katrin Huß dem Publikum in der vollbesetzten Gardelegener Bibliothek erzählt. Dorthin war sie vom Bibliotheksförderverein eingeladen, um ihr Buch „Die traut sich was!“ vorzustellen. Aber aus dem Buch vorlesen, das wollte sie nicht: „Ich erzähle Ihnen die Geschichten, da haben Sie mehr davon.“ Denn schließlich ist Reden das Metier der sympathischen, ehemaligen MDR-Moderatorin, die in Wolfen geboren und in Delitzsch aufgewachsen ist. Ihre Herkunft hört man ihr auch heute noch an, obwohl mittlerweile auch noch Berlinerisch und Hallensisch, wie sie sagt, mit dabei sei.

Bewerbungen kann ich nicht

Schon früh hat sich Katrin Huß auf Hobby-Bühnen und in der Moderation ausprobiert. Das machte ihr Spaß. Dennoch wollte sie eigentlich Tierärztin werden, was der Vater ihr ausredete. Der Versuch, die Schauspielschule zu besuchen, scheiterte. Also wollte sie Philosophie studieren. Allerdings kam die Wende dazwischen. Und die Lehrenden hatten keinen Studieninhalt mehr, den sie vermitteln konnten, nachdem der Marxismus und Leninismus untergegangen war. Sie sattelte auf Journalismus um und wollte eigentlich Sportreporter werden. „Heinz Florian Oertel war mein Vorbild.“ Doch es kam anders.

Sie ergatterte ein Praktikum beim neuen Radio PSR in Leipzig, indem sie sich vor die Tür des Chefs setzte, ihn einfach ansprach und prompt auf Außentermine geschickt wurde. Denn Bewerbungen könne sie nicht, erklärte Huß. Man müsse sie sehen. Das war auch beim späteren Wechsel zum MDR der Fall. Sie wollte Fernsehluft schnuppern. Sie ergatterte erst einen Job als Programmansagerin und später die Moderatorenstelle bei „Hier ab 4“, „obwohl ich nicht blond war“. Der Programmdirektor war damals der Meinung, dass Blondinen negative Nachrichten positiver verkaufen. Sie überzeugte mit ihrem Interview mit Ingeborg Krabbe, das sie auf Fitnessbällen führte. Vieles durfte sie im Rahmen dieser Sendung ausprobieren, worüber sie auch in ihrem Buch berichtet. Unter anderem machte sie Reportagen über den New-York-Marathon, bei dem sie mit einer Leipziger Laufgruppe mitlief, über ihre Besteigung des Kilimandscharo und den Himalaya-Trek zum Mount Everest in Nepal. Und auch nach ihrem Ausstieg beim MDR traut sie sich was. So pilgerte sie voriges Jahr über den Jacobsweg und nimmt derzeit eine CD auf.