Vokalensemble

Liedreiz verabschiedet sich von der Bühne

Nach 20 Jahren verabschiedet sich das Gardelegener Vokalensemble Liedreiz von der Bühne.

Von Cornelia Ahlfeld

Gardelegen l „Alles hat seine Zeit“, sagt Christine Leubeling vom Ensemble Liedreiz. Und es sei eine sehr schöne Zeit gewesen. Dennoch gehe Liedreiz nun quasi in den musikalischen Ruhestand. Es fehle einfach der Nachwuchs. Das Durchschnittsalter der aktiven Sänger liege bei über 60 Jahren. Aus Alters- und Gesundheitsgründen könne der Bass nicht mehr besetzt werden. „Und bevor wir qualitätsmäßig unseren Standard nicht mehr halten können, wollen wir uns lieber von der Bühne verabschieden. Wie gesagt, alles hat seine Zeit“, betont Leubeling.

Gegründet wurde das Vokal- ensemble im Jahr 1999 mit 6 Sängerinnen unter der künstlerischen Leitung von Sabine Eggert. Liedreiz hatte sich mit seinem unverwechselbaren A-capella-Gesang schnell ein Stammpublikum erobert. Zum Repertoire gehörten Stücke aus verschiedenen Jahrhunderten und verschiedener Genre. Die wachsende Zuhörerschar habe im Laufe der Jahre bestätigt, dass die Mischung von alt und neu und die darauf zugeschnittene Moderation ankam. „Wir sind gemeinsam durch Höhen und Tiefen gegangen. Leider haben wir im Jahr 2002 Sabine Eggert an eine heimtückische Krankheit verloren“, erinnert Leubeling. Eggert übergab Marcel Philipp symbolisch ihren Dirigentenstab und auch ihre Noten. Er leitete das Ensemble bis zum Jahr 2005. Aus beruflichen Gründen verließ er dann das Ensemble.

Danach übernahm Heidemarie Aderhold, ihres Zeichens Musiklehrerin ehemals in Gardelegen, das Zepter, damit Liedreiz weiterhin auftrittsfähig bleiben konnte. Im Jahr 2007 übernahm Pia Leonhardt die Leitung. „Mit ihr haben wir eines unserer besten Konzerte feiern können“, erzählt Leubeling. 2009 kam der nächste Schicksalsschlag. Pia Leonhard wurde schwer krank. Sie starb 2009. Von 2009 bis 2017 übernahm Ulrike Vellmer die Leitung. Eine neue berufliche Herausforderung und der Wunsch, mehr Zeit für ihren Sohn haben zu wollen, hatte Ulrike Vellmer zum Abschied von Liedreiz bewogen. Auch Liedreiz habe sich dann neu orientiert und fand in Christoph Schulze seinen nun letzten Leiter, der gleichzeitig den Tenor von René Meyer, der aus beruflichen und familiären Gründen das Ensemble verlassen hatte, übernahm.

„Alles hat seine Zeit, Otto Reutter würde sagen, in fünfzig Jahren ist alles vorbei. Bei uns waren es nur 20 Jahre, die aber mit ganz viel Freude am Singen erfüllt waren“, so Leubeling, denn die Sänger waren mittlerweile zu einer musikalischen Familie zusammengewachsen. Geprobt wurde einmal pro Woche. Zweimal im Jahr fanden, Wochenendschulungen statt. Konzerte wurden nicht nur in Gardelegen und der Altmark gegeben, sondern auch in vielen Orten in Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Slowenien. Gesungen wurde auch zu runden Geburtstagen, Hochzeiten, Taufen, Weihnachtsfeiern, Jubiläen. Liedreiz umrahmte Neujahrsempfänge und trat auch bei Sachsen-Anhalt-Tagen auf.

„Aufgeregt waren wir jedes Mal, egal ob ein großer oder kleiner Auftritt anstand. Das gehörte dazu wie das Üben der einzelnen Stücke, wie die Freude am Singen“, betont Leubeling. Das Ensemble möchte sich bei allen, „die gerne zu unseren Konzerten kamen und die mit Applaus nicht geizten“, bedanken. Es verneigen sich als Vokal- ensemble Liedreiz zum letzten Mal: Uta à Tellinghusen (Sopran), Regina Mertens (Alt), Christine Leubeling (Alt), René Meyer, Christoph Schulze (Tenor) und Günther Mertens (Bass). Zum Abschied werden sich die Sänger gemeinsam mit ihren ehrenamtlichen Ensemblemitgliedern und Helfern zu einem Abendessen treffen und dabei „das eine oder andere Histörchen und Erinnerungen aufleben lassen“.