Restaurierung der Ipser Kirche

Malereien an Ipser Kirchendecke werden restauriert

Von Stefanie Brandt
Restauratorin Juliane Brand ergänzt mit einer angefertigten Schablone, die zuvor mit Hilfe der erhaltenen Fragmente erstellt wurde, die Ornamente auf einem der Bretter an der Kirchendecke. Fotos: Stefanie Brandt

Ipse

Sie ist in Würde gealtert – und das soll man ihr auch weiterhin ansehen. Für Nina Piolka aus Dresden und Juliane Brand aus Berlin ist die Holzdecke der Ipser Kirche ein besonderes Kleinod.

Im Sommer 2017 hatten sie sich gemeinsam mit einer weiteren Studentin und unter der Leitung von Restauratorin Helma Konstanze Groll schon einmal um die historischen Deckenmalereien in Ipse gekümmert. Nun, inzwischen selbst diplomierte Restauratorinnen, sind sie zurückgekehrt. Der Grund dafür sind fünf weitere Quadratmeter der verzierten Bretter, die bei Sanierungsarbeiten im vergangenen Jahr gefunden worden waren.

Von der Pflicht zum Vergnügen

Es war ein Pflichtpraktikum, das zu einem – wenn auch anstrengenden – Vergnügen wurde. Als Piolka und Brand vor vier Jahren von der Möglichkeit erfuhren, Praxis für ihren Beruf in Ipse zu sammeln, waren sie begeistert und bewarben sich – wie beinahe der gesamte damalige Kurs angehender Restauratoren aus Dresden. „Aber ich wollte genau diese Studentinnen haben“, erklärt Helma Konstanze Groll mit einem Lächeln. Ihr habe imponiert, dass sie noch eine Dritte mitbringen und sich das Geld teilen wollten.

Die jungen Frauen fühlten sich im kleinen, altmärkischen Ipse sofort wohl. Sie kamen, um die Kosten gering zu halten, bei Gemeindemitgliedern unter, wurden auch mit Essen versorgt. Es habe sogar extra vegetarische Kost, Gemüse aus dem Garten gegeben, berichten beide von ihren positiven Erfahrungen mit den Dorfbewohnern, die sie gut aufgenommen haben.

Eine besondere Aufgabe

Und die Arbeit an der Ipser Kirchendecke, für die sich die Studentinnen beworben hatten, war und ist etwas ganz Besonderes, wie Groll erklärt: „Die Originalbretter wurden zwischen 1509 und 1521 gesägt. Sie wurden zwischendurch nie verändert. Das ist sehr, sehr selten, deshalb ist der Stellenwert so hoch anzusetzen und in der Denkmalpflege so hoch angesiedelt.“

Dabei dürfte der Fakt, dass sie 1850 abgenommen, verkehrt herum als Lauffläche genutzt und dann zwischengelagert worden waren, geholfen haben. So waren sie vergessen, und es gab nie Restaurationsversuche und Veränderungen in der Zwischenzeit. Erst als 2008 der Turm der Kirche repariert werden musste, wurden sie wiederentdeckt. Die damaligen Denkmalpfleger hätten gleich gewusst, welchen Schatz sie entdeckt haben, glaubt Groll. Gefördert wird die Restaurierung, die auch über das Leader-Programm läuft, deshalb auch von der Ostdeutsche Sparkassenstiftung und der Sparkasse Altmark West.

Die 26 Zentimeter breiten Bretter – die originalen aus Tanne, die nachgearbeiteten aus sibirischer Fichte – sind mit unterschiedlichen Motiven verziert. Früher seien es leuchtende Farben gewesen, denn damals waren die Kirchen im Gegensatz zu den meisten Behausungen, in denen die Menschen lebten, sehr prachtvoll ausgestattet. Sie sollten Eindruck machen.

Alterung nicht negieren

Nach nunmehr rund 500 Jahren sind die Farben verblasst. „Diese Alterung wollen wir nicht negieren. Das soll erhalten bleiben, sowas macht Geschichte aus“, erklärt Groll, warum die Restauratorinnen jetzt eben nicht einfach mit leuchtendem Grün, Gelb oder Rot die noch erkennbaren Ornamente nachmalen. Stattdessen wird versucht, mit zarten Leinfarben das zu ergänzen und aufzufrischen, was erhalten ist – so wie es erhalten ist.

Rund zehn Stunden am Tag stehen die beiden jungen Frauen auf dem Gerüst unter dem Ipser Kirchendach und zeichnen kopfüber unter anderem die Ornamente – Blumen, Greife und andere Muster – nach. Um die Bretter am Boden zu bearbeiten, fehlte in diesem Fall die Zeit. Sie mussten schnell an die Decke, um Fristen einzuhalten, deshalb die ungünstige Haltung. Abends seien Übungen fällig, um die Muskulatur wieder zu lockern, geben die Restauratorinnen zu, dass die Arbeit anstrengend ist. „Aber das ist unser Berufsbild, und es ist schön“, wissen sie, worauf sie sich eingelassen haben. Groll bestätigt, dass viele Restauratoren, wenn sie älter werden, entsprechende Verschleißerscheinungen haben. Sie selbst habe 2020 die Bretter am Boden bearbeitet. Die Studentinnen steckten damals im Diplom-Prüfungsstress und hatten keine Zeit. Dass sie sich die jetzt nehmen, war für sie klar. Bald sind die Arbeiten aber abgeschlossen.

Diener des Kunstwerkes

Am 26. April wird das Gerüst abgebaut, dann muss die Decke fertig sein. Bis dahin sind auch die „Diener des Kunstwerkes“, wie Groll sich und ihre Kolleginnen bezeichnet, weil sie ihre künstlerischen Fähigkeiten nicht nutzen, um sich selbst zu verwirklichen, sondern um Kunst zu erhalten, wieder abgereist. Und dann können die Besucher in Ipse die neuen, alten Malereien bewundern.