"Man braucht nur viel Herz, um zu helfen"

Letzlingen l Als vor vier Wochen um 7 Uhr morgens die Kartons und Kleidersäcke aufgeladen waren und der Lkw mit allen Spenden in Richtung Zvoristea losfuhr, blieben Edith und Herbert Bartel an ihrem Hoftor stehen. Und es fiel ihnen sehr schwer. "Aber es geht einfach nicht mehr, wir können es beide nicht mehr, auch aus gesundheitlichen Gründen." Unzählige Male waren sie in den vergangenen 22 Jahren die mehr als 2000 Kilometer nach Zvoristea gefahren, um dort den Ärmsten zu helfen, erst im Mai waren sie in der rumänischen Kommune, um die Spenden zu verteilen.

Für die beiden Letzlinger ist die Rumänienhilfe zu einer Lebensaufgabe geworden. Zwar wollen sie künftig nur noch organisatorisch mitarbeiten, "denn wir wissen ja wie es am besten läuft", so Edith Bartel. Aber wer Spenden hat, kann sich auch künftig an Bartels wenden: "Das wird dann weitergeleitet."

Zu seiner Aufgabe kam das Paar damals sehr unverhofft. Als die Gastwirte kurz nach der Wende von einem Tag auf den anderen arbeitslos wurden, entdeckte Herbert Bartel einen Artikel in der Volksstimme, in dem Pfarrer Gottfried Vogel damals ehrenamtliche Fahrer für Rumänientransporte suchte. "Bevor ich hier zu Hause sitze, kann ich auch fahren", erinnert sich Herbert Bartel an seinen ersten Kontakt. Und so begann es. "Von jetzt auf gleich", ergänzt Edith Bartel, denn die engagierte Frau ließ ihren Mann natürlich nicht alleine dorthin fahren.

Auch in Zvoristea gab es damals ein Kinderheim, mit 250 Kindern ein relativ kleines. Zu einigen Heimkindern haben Bartels bis heute Kontakt. Bis vor einigen Jahren waren die Letzlinger jedes Jahr vier- bis fünfmal in Zvoristea und verteilten die Spenden persönlich. "Die Leute sehen, dass man wiederkommt und sind so dankbar", erzählt die 75-Jährige. Vor Jahren hatte sie eine Nähmaschine für eine Dorfbewohnerin mitgebracht, "die hat sie mir bei jedem Besuch danach immer wieder gezeigt".

In den mehr als 20 Jahren Rumänienhilfe haben Bartels dafür gesorgt, dass etwa 50 Lkw mit je 40 Tonnen Ladung in die ländliche Kommune mit den acht Dörfern gebracht wurden. Auch fünf gespendete Mähdrescher kamen nach Rumänien. In Buda und den anderen Dörfern gibt es keine Industrie, die Leute leben von der Viehzucht und den Erträgen aus dem eigenen Garten. "Das ist so ein Lehmboden da, da kann man nur mit Gummistiefeln laufen", berichtet Herbert Bartel.

Hart sind für die 3700 Familien und die vielen armen Senioren besonders die kalten Winter. "Aber weil wir angefangen haben, Holzgeld zu sammeln, ist dort in den letzten 20 Jahren niemand mehr erfroren", sagt Edith Bartel nicht ohne Stolz. Die nächste größere Stadt ist Suceawa, 36 Kilometer entfernt. Inzwischen gibt es in Zvoristea dank holländischer Helfer eine Poliklinik und es ist immer ein Arzt da. "Eine große Errungenschaft", so Edith Bartel. In Buda kommen die Spenden im Haus der Hilfe, das 1995 mit Geld der Diakonie errichtet wurde, an und die Bedürftigen holen sie sich dort ab. Noch heute leben viele Familien ohne Strom, in einfachsten Verhältnissen, "die wir uns kaum vorstellen können", so Herbert Bartel.

So sehr sich Bartels über den Blumenstrauß des Monats freuten, so sehr hätten sie ihn am liebsten weitergegeben - an die Spender aus der ganzen Altmark "Ohne die, die uns über Jahre die Hände füllten, hätten wir gar nichts machen können. Wir haben es doch nur verteilt", sagt Edith Bartel bescheiden. Die Verständigung dort sei übrigens nie ein Problem gewesen, "denn wen man helfen möchte, muss man die Sprache nicht können, man braucht nur viel Herz", so die Letzlingerin. Und sie ergänzt: "Ich habe dort so viele Omis in den Arm genommen."

Die Entscheidung nun ihr Engagement deutlich zurückfahren haben Bartels bewusst, aber schweren Herzens getroffen. Zu eng ist ihr Leben in der Vergangenheit mit der Rumänienhilfe verbunden gewesen. Doch vielleicht ist nun wieder ein bisschen mehr Zeit für die Familie. Bartels würden sich sehr freuen, wenn sich Engagierte finden, die das Projekt übernehmen möchten.