Baumrettung

Matschen für die Friedenseiche: Teicheier sind die letzte Chance, den uralten Baum in Ipse zu erhalten

Ganz so stattlich sieht die Ipser Friedenseiche derzeit nicht aus, nachdem im ersten Schritt zu ihrer Rettung zahlreiches Totholz entfernt wurde. Am Sonnabend erfolgte nun Schritt zwei. Die Kinder aus dem Ort stellten vor Ort Teicheier her, die nun den Baum vitalisieren sollen.

Von Elke Weisbach 26.07.2021, 03:00
Aufgabe: Ordentlich matschen! Richard Wiesel (9, von rechts), Mathilde Schulze (7) und Adele Wiesel (8) legten sich ordentlich ins Zeug, um den ?Teig" für die Teicheier zu kneten.
Aufgabe: Ordentlich matschen! Richard Wiesel (9, von rechts), Mathilde Schulze (7) und Adele Wiesel (8) legten sich ordentlich ins Zeug, um den ?Teig" für die Teicheier zu kneten. Foto: Elke Weisbach

Ipse - Einmal so richtig rummatschen und sich dabei auch schmutzig machen dürfen – welches Kind findet das nicht toll. Und wenn es dann auch noch einem guten Zweck dient, dann haben auch die Erwachsenen nichts dagegen und greifen ebenfalls gern mit zu. So geschehen am Sonnabendvormittag in Ipse auf Einladung des Vereins Ipse excitare. Denn dort startete das Teicheier-Experiment unter Anleitung von Dorothea Süß von der Gartenakademie Sachsen-Anhalt zur Rettung der Friedenseiche.

Diese konnten die Ipser im Februar sozusagen in letzter Minute vor dem Tod durch die Kettensäge retten, obwohl der Baum wirklich krank war und starke Schädigungen aufwies. Das ergab das von der Stadt im Nachgang in Auftrag gegebene Gutachten vom Baumsachverständigen Matthias Glase, der die Eiche im April mittels Schalltomographie untersucht hatte. Doch auch er gab die Friedenseiche noch nicht verloren, empfahl die Entfernung des Totholzes und das Einkürzen der Krone, um den Baum zu stabilisieren. Das war als Schritt eins der Rettungsmission erfolgt.

Es ist die letzte Aktion, um die Eiche zu retten. Entweder sie schlägt an, wenn nicht, müssen wir uns von ihr trennen.

Tilo Mottschall, Vorsitzender Heimatverein Ipse excitare

Schritt zwei folgte nun. Und viele kleine und große Ipser sowie auch Gäste, wie zum Beispiel Frank Voigt von der Eichenallianz Zienau, waren der Einladung des Ipser Vereins gefolgt und packten mit an. Das war auch notwendig, denn für die Herstellung der Teicheier mussten erst einmal aus sieben Teilen Lehm, jeweils einen Teil Naturzeolith und Pflanzenkohle sowie Wasser mit effektiven Mikroorganismen aus förderlichen Bakterien zu einem geschmeidigen Teig verknetet werden. Dorothea Süß, die sich intensiv mit vitalen Böden beschäftigt, hatte die Zutaten mitgebracht, erklärte und zeigte die einzelnen Schritte.

Das war ein Spaß für die Kinder. „Das fühlt sich cool an“, erklärte beispielsweise Richard Wiesel, als er mit Schwester Adele und Mathilde Schulze in der gelben Tonne alle Zutaten miteinander verrührte. Als der Teig dann die richtige Konsistenz hatte, wurden aus ihm die Teicheier geformt. Da machten auch Martha Jakobs und Mathilda Rauhut begeistert mit. Die Eiform entspricht der Natur, erklärte Süß dazu, denn in der Natur gibt es keine geraden Linien und es ist auch nichts perfekt rund.

In der Zeit des Knetens und Formens war der gesamte Bereich unter der Eiche ordentlich gewässert worden. Im Anschluss – dafür waren hauptsächlich die Männer zuständig – wurden etwa in Kronenbreite rund um den Stamm zahlreiche Löcher gegraben. Da hinein wurden die Teicheier dann gelegt und noch einmal ordentlich gewässert, denn sie sind auch gute Wasserspeicher. Sie geben das Nass nach und nach mit den zahlreichen Nährstoffen wieder ab und sorgen dafür, so die Hoffnung, dass die Haarwurzelbildung wieder in Gang kommt und der Baum vitaler wird.

Das ist das Ziel des Experiments, von dem Gardelegens Bauamtsleiter Ottmar Wiesel von Seiten der Gartenakademie gehört und im Juni an den Verein heran getragen hatte. Vorsitzender Tilo Mottschall hatte damals sofort zugesagt und die Aktion mit den Mitgliedern vorbereitet. Dabei sei es ihnen wichtig, auch die Kinder mit einzubeziehen. Auch sie sollen sich mit dem Baum verbunden fühlen und erkennen, was schützenswert ist. Zudem sei es für die Kinder wichtig, dass sie sich mal wieder treffen können. Auch sie sehen sich selten, da sie verschiedene Einrichtungen besuchen. So werde auch für den Gemeinschaftssinn etwas getan. Dazu trug ebenso die gemeinsame Stärkung am Ende bei.

Nun heißt es abzuwarten, denn ein Ergebnis ist frühestens im kommenden Frühjahr beim Blattaustrieb zu sehen. Mottschall machte aber schon am Sonnabend deutlich: „Es ist die letzte Aktion, um die Eiche zu retten. Entweder sie schlägt an, wenn nicht, müssen wir uns von ihr trennen.“ Alles hat seine Zeit, aber die Hoffnung stirbt zuletzt.

Auch Martha Jakobs (4) machte sich gern die Hände schmutzig und  war eifrig bei der Sache.
Auch Martha Jakobs (4) machte sich gern die Hände schmutzig und war eifrig bei der Sache.
Foto: Elke Weisbach