Wustrewe l Schon von Weitem sind in Wustrewe feine Wassertropfen zu erkennen, die vom Wind in Richtung Ortsausgang getragen werden. Gezielt und langsam führt Cathrin Bothmann den Kärcherstrahl über den Halbmeilenstein, der in der Mitte eines Rondells steht. „Irgendjemand kam vor einigen Jahren auf die Idee, den geschichtsträchtigen Sandstein mit grauer Ölfarbe zu streichen – keine gute Idee“, sagt die 44-Jährige, bevor sie wieder eine grün-gelbliche Paste auf den Stein aufstreicht. Dabei handele es sich um einen biologisch abbaubaren Farblöser, der den Raum zwischen Sandstein und Farbe lockert. „So kann ich mit dem Wasserstrahl des Kärchers leichter die Farbe abspülen“, geht Cathrin Bothmann ins Detail.

Zwischen 1800 und 1805

Stück für Stück lösen sich die unansehnlichen grauen Farbreste, an denen im Laufe der Jahre der Zahn der Zeit genagt hat. „Das Problem ist, dass der Stein über viele Jahre nicht atmen konnte. Man kann von Glück reden, wenn man sagt, dass er zumindest einen guten Platz im Dorf hat, so dass zumindest der Regen und der Wind einen Teil der Farbe entfernt haben“, wie Cathrin Bothmann einschätzt, die für die Restauration des zwischen 1800 und 1805 aufgestellten Halbmeilensteins verantwortlich ist.

Neben der Aufgabe, die alte Farbe zu entfernen, besteht Bothmanns Arbeit außerdem darin, die vielen Fugen zu schließen. So möchte sie entgegenwirken, dass Wasser in den Stein eindringen kann, das im Winter gefrieren würde, was den Sandstein zusätzlich schädigen könnte.

Bilder

Für Cathrin Bothmann ist die Restauration sowie die von anderen geschichtsträchtigen Gebäuden und Gegenständen etwas Besonderes. „Ich muss ehrlich sagen, dass ich mich immer wieder aufs Neue freue, wenn es zu einem neuen Restaurationsstück geht“, so Bothmann. „Hier stehe ich jetzt zum Beispiel vor einem Halbmeilenstein, der vor über 200 Jahre von einem Steinmetz aus der Region gefertigt wurde. Seine Arbeit für die Nachwelt erhalten zu können, ist einfach das schönste Gefühl, das ich mir vorstellen kann“, sagt Cathrin Bothmann.

Arbeiten im Magdeburger Dom

Und der Stein in Wustrewe zählt noch zu den ganz kleinen Arbeiten, die die 44-Jährige sonst ausführt. So hat sie bereits im Magdeburger Dom einige mehrmonatige Arbeiten fertiggstellt. Oder in der Halberstädter Martinikirche, wie sie stolz erzählt.

Dass ihr die Arbeit große Freude bereitet, merkt jeder Besucher am Dienstagmorgen. Ausgestattet mit Gummistiefeln, Handschuhen, einer dicken Jacke, Ohrenschützern, einer Mütze und sogar einer Spezialbrille geht sie dem Sandstein auf den Grund.

Genau erkennen, wie der Stein einst aussah, könne man nicht mehr. „Es fehlt uns an Bildmaterial, das zeigt, was dort damals hinein graviert wurde“, erklärt Cathrin Bothmann.

Auch ein Grund dafür, dass der Stein lediglich sauber gemacht wird und die Fugen verdichtet werden. Trotzdem können sich die Wustrewer und Gäste bald wieder über den Anblick des Steins freuen, der schon in einigen Tagen fertig bearbeitet sein wird.