Gardelegen l Ein durchaus interessantes Vorhaben will der Gardeleger Kultur- und Denkmalpflegeverein in der Nikolaikirche realisieren. Ein modernes Glas-Stahl-Fassadenelement soll mehr Licht ins bisher recht dunkle Hauptschiff bringen. Im offenen Ruinenteil der Kirche ist eine Empore mit einer mobilen Teilüberdachung geplant. Damit soll das Gemäuer noch attraktiver werden, um die Nutzungsmöglichkeiten zu erweitern – für Kultur, gastronomische Angebote, Privatfeiern und vieles mehr. Interessenten können die Räumlichkeiten vom Verein mieten, der damit dann die laufende Unterhaltung des Gebäudes finanzieren will. Der Stendaler Architekt Lutz Schwarzbrunn hat als Grundlage für den Kultur- und Denkmalpflegeverein ein Entwicklungskonzept dazu erarbeitet, der mit der Kirche einen langfristigen Nutzungsvertrag für die Nikolaikirche abgeschlossen hat, um bei der Stadt Gardelegen Fördermittel zu beantragen. 250.000 Euro werden benötigt. Nach den Fachausschüssen hat sich nun auch der Stadtrat mit dieser Thematik befasst – mit einer durchaus kontrovers geführten Debatte, an deren Ende sich eine deutliche Mehrheit für das Entwicklungskonzept und für die Finanzierung des Projektes fand: 29 Ja-Stimmen bei 4 Nein-Stimmen.

Vom Grundsatz her sei das Vorhaben „okay“, fand Stadtrat Thorsten Bombach (fraktionslos). Allerdings führe das Ganze zu einer erheblichen Wertsteigerung. „Die Stadt finanziert die Wertsteigerung für Dritte. Wir investieren in fremdes Eigentum“, gab Bombach zu bedenken. Es gebe viele Fragen, die er nicht geklärt sehe. „Was bekommen wir von der Kirche, welche Gegenleistung gibt es?“ wollte Bombach wissen.

Stadt bezahlt nur den Ausbau

Die Stadt investiere seit vielen Jahren im Rahmen der Städtebausanierung in privates Eigentum. „Das ist also nicht nur bei der Nikolaikirche der Fall. Wir bekommen auch kein Geld von der Kirche. Es ist so, wir investieren in fremdes Eigentum“, bestätigte Bürgermeisterin Mandy Zepig (SPD). Aber man habe die Chance gesehen, das „Gebäude zu einem tollen Veranstaltungsort entwickeln zu können“, betonte Zepig. Und wenn das Akustikproblem noch gelöst werden könne, wäre das eine ganz tolle Sache.

„Was passiert, wenn das Nutzungskonzept nicht funktioniert? Wer kommt dann für die Unterhaltung auf?“, hakte Bombach nach. Mit den Betriebs- und Nebenkosten habe die Stadt nichts zu tun. „Wir geben 250.000 Euro für den Ausbau, und damit ist Schluss“, stellte Zepig klar.

Eigenanteil liege bei 83.000 Euro

„Der alles entscheidende Fakt ist natürlich die Finanzierbarkeit der Maßnahmen“, zitierte Stadtrat Nico Macht aus einer anderen Beschlussvorlage der Verwaltung zur Umgestaltung des Bürgerparkes und wies darauf hin, dass der Eigenanteil der Stadt für die Nikolaikirche bei immerhin gut 83.000 Euro liege. „Wir investieren hier ins Vermögen Dritter, in bereits richtig vorhandenes Vermögen. Mir fehlt einfach der Beitrag der Kirche als Eigentümerin der Nikolaikirche als eines der größten Unternehmen dieses Landes“, betonte Macht.

Auch für Stadtrat Peter Kapahnke (fraktionslos) ist die Sachlage bedenklich. „Einen Zuschuss in der Höhe halte ich für fraglich. Insgesamt ist das eine gute Sache, aber der Eigenanteil wird vom Steuerzahler bezahlt – dem kann ich nicht zustimmen“, stellte Kapahnke klar. SPD-Stadtrat Jörg Marten hielt dann ein Plädoyer für das Vorhaben. Denn immerhin habe der Kultur- und Denkmalpflegeverein immens viel geleistet beim Erhalt der Kirche.

Ruine ist stummer Zeuge

„Das ist auch gut so, denn wir reden hier von einem stadtbildprägenden, zentralen Gebäude, das aufgebessert werden und allen Leuten zugute kommen soll“, so Marten. Die Kirche sei zudem seit zig Jahren nicht mehr als Kirche gewidmet. Der Grund und Boden gehöre zwar der Kirche, das Gebäude werde aber vom Verein genutzt. „Wir haben hier keinen Antrag von der Kirche, sondern vom Verein“, betonte Marten. Die Stadt investiere Jahr für Jahr viel Geld in private Gebäude. „Ich kann nicht verstehen, dass jetzt gesagt wird, weil es die Kirche ist, wollen wir nicht investieren“, kritisierte Marten.

Stadträtin Hannelore von Baehr (Gemischte Fraktion) folgte ihrem Vorredner. Es handele sich um ein geschichtsträchtiges Gebäude mit Blick auf den Bombenangriff vom 16. März 1945, als die Nikolaikirche zerstört wurde. Heute, nach 70 Jahren, ist die Ruine ein stummer Zeuge dieser Ereignisse. „Es sollte uns recht und billig sein, in dieses Gebäude zu investieren. Ich möchte Sie bitten, diskutieren Sie das nicht kaputt. Wir geben viel Geld aus, wo man sich manchmal fragen muss, ob das sinnvoll ist“, so von Baehr.

Fördermittel liegen vor

„Vom Prinzip her will ich auf der gleichen Argumentationsbasis bleiben wie Herr Marten“, stieg dann Stadträtin Regina Lessing, Vorsitzende der Gemischten Fraktion, in die Diskussion ein. Sie lobte das große Engagement des Kultur- und Denkmalpflegevereines. Allerdings müssten im Vorfeld alle rechtlichen Fragen geklärt werden. „Denn ganz ohne rechtliche Basis in einen luftleeren Raum zu investieren, so mutig ist nicht mal unsere Verwaltung“, meinte Lessing.

Abgestimmt wurde dann über einen Antrag aus dem Finanzausschuss, im Rahmen der Baumaßnahmen für eine Verbesserung der Akustik im geschlossenen Teil der Kirche zu sorgen. Das wurde mit Stimmenmehrheit bestätigt. Dann folgte die Abstimmung über die Vorlage zur Nikolaikirche mit bereits erwähntem Ergebnis. In diesem Jahr stehen für die Nikolaikirche 128.000 Euro zur Verfügung, 2019 noch einmal gut 121.000 Euro, informierte Stadt-Bauamtsleiter Engelhard Behrends. Der Fördermittelbescheid liege bereits rechtskräftig vor.