Drömling l Harald Reich ist Bewohner des schönen und weitläufigen Drömlings. Sein Wohnhaus steht in Krügerhorst. Die nächste bewohnte Kolonie ist gut vier Kilometer entfernt. Natur pur zwischen den vielen Gräben, ein weites und flaches Land. Etwa 420 Quadratkilometer groß ist die Fläche des Naturparkes mit wenigen Gehöften.

Für Menschen ohne Ortskenntnis kein leichtes Unterfangen, sich dort zurecht zu finden. Besonders auch für Rettungskräfte. Harald Reich hat mit dieser Problematik schon seine Erfahrung gemacht. „Ich bin mal umgefallen zu Hause. Meine Frau hat den Rettungsdienst gerufen. Der Krankentransportfahrer kam aus Jävenitz. Der wusste ein bisschen Bescheid“, erzählt der 70-Jährige. Der Notarzt aber, ein Mann aus Berlin, habe nicht nach Krügerhorst gefunden. Erst in Mieste wären Arzt und Patient zusammengetroffen. Wertvolle Zeit, die im Ernstfall über Leben und Tod entscheidet, wäre verloren gegangen.

Vorteile der Tafeln

Ein anderes Beispiel: Harald Reich fand im Drömling eine Granate aus dem Zweiten Weltkrieg. Er rief die Polizei. Auch die Beamten fanden nicht zum Fundort.

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Ein weiteres Beispiel: Die Ehefrau eines Bewohners aus der Kolonie Werder war schwanger. Die Wehen setzten ein. Der Krankenwagen wurde gerufen. „Gefunden hat der Fahrer die Kolonie nicht“, erzählt Harald Reich. Der Ehemann habe seine Frau dann kurzerhand selbst ins Krankenhaus gefahren.

Die Kolonie-Bewohner setzten sich mit der Stadt in Verbindung. Und die fand nun Mittel und Wege, um Rettungskräften im Naturpark Drömling die Arbeit zu erleichtern und damit für mehr Sicherheit bei Bewohnern und Touristen zu sorgen. Analog der Rettungskette Forst wurden sieben Standorte ausgesucht, die als Rettungspunkte mit einer Beschilderung versehen sind. Und darauf steht jeweils SAW G (für Gardelegen) und eine vierstellige Ziffer, die die genauen Koordinaten im Drömling anzeigen. Zwei dieser Stationen sind sogar als Hubschrauberlandeplätze ausgewiesen. Weitere Rettungspunkte sollen folgen, informiert Birgit Matthies vom Gardeleger Ordnungsamt beim Aufstellen der Schilder am Mittwochnachmittag.

Koordinaten wurden ermittelt

„Wir hatten uns nach Bekanntwerden der Problematik mit dem Landeszentrum Wald in Verbindung gesetzt, denn die Rettungskette Forst funktioniert sehr gut. Wir dachten uns, das könnte auch was für den Drömling sein“, erzählt Matthies. Gemeinsam mit weiteren beteiligten Partnern wurden die Standorte ausgesucht und die genauen Koordinaten ermittelt. Das sei gar nicht so einfach gewesen, betont Matthies.

Die Koordinaten seien dann in die Datenbanken der Rettungskette Forst und der Rettungsleitstelle Stendal eingegeben worden. „Jeder, der jetzt den Notruf wählt, muss nur noch die jeweiligen Koordinaten angeben“, so Birgit Matthies.

Die Stadt Gardelegen habe mit diesem Verfahren im weitläufigen Gelände eine Art Vorreiterrolle eingenommen. Mittlerweile würden sich auch andere Kommunen dafür interessieren. Der finanzielle Aufwand habe sich auch in Grenzen gehalten. „Das waren nur die Schilder und unsere Arbeitskraft“, erzählt Matthies.

Die Kolonisten freuen sich über die schnelle Umsetzung ihrer Forderungen. Was nun noch fehlt, sind Schilder mit den Straßennamen im Naturpark Drömling. „Die sollen aber auch noch in diesem Jahr aufgestellt werden“, sagt Harald Reich.