Gardelegen l Gleich mehrere schwere Schläge musste zum Wochenbeginn eine Lehrkraft der Gardelegener Grundschule „Otto Reutter“ verkraften. Am Montag erfuhr sie, dass ihr Corona-Test positiv ausgefallen ist. Infolgedessen veranlasste das Kreis-Gesundheitsamt die Schließung der beiden Grundschulen, denn auch an der Goethe-Schule war die Betroffene als Gastlehrerin im Einsatz.

Testergebnis nur der erste Schock

Für die Lehrkraft war die Information, dass sie erkrankt ist, erst einmal ein Schock – und zwar nur der erste von mehreren. Sie berichtet: „Ich hatte keine Ahnung, dass ich positiv sein könnte. Ich bin völlig symptomfrei, gehöre aber einer Risikogruppe an. Allein schon deshalb bin ich wirklich immer besonders vorsichtig. Die Leute in Gardelegen kennen mich, sie wissen, dass ich immer eine Maske trage, auch wenn ich mit den Kindern durch die Stadt gehe.“

Dass die Erkrankung überhaupt ans Licht kam, ist dem „Rahmenplan für die Hygienemaßnahmen, den Infektions- und Arbeitsschutz an Schulen im Land Sachsen-Anhalt während der Corona-Pandemie“ zu verdanken. In dessen Rahmen gab es präventive, verdachtsunabhängige Tests, die auch schon an der Berufsbildenden Schule in Salzwedel einen Fall aufgedeckt hatten.

„Um einen Querschnitt zu erhalten, haben wir von jeder Schulform fünf Schulen getestet, dabei versucht, aus jedem Landkreis zwei möglichst unterschiedliche auszuwählen“, erklärt Tobias Kühne, Pressesprecher des Landesschulamtes.

Testteilnahme war freiwillig

Insgesamt viermal soll das Personal getestet werden – übrigens auf freiwilliger Basis. Die Lehrerin hätte also nicht teilnehmen müssen, handelte aber verantwortungsbewusst. „Es war schon der zweite Test bei mir, der erste war negativ, am Dienstag wäre der dritte dran gewesen“, berichtet die Lehrkraft, die aus gutem Grund namentlich nicht erwähnt werden möchte.

Nach dem Bekanntwerden der Tatsache, dass eine Lehrerin erkrankt ist, gab es nämlich schnell Mutmaßungen, um wen es sich dabei handeln könnte. „Es hat eine regelrechte Hetze begonnen, im Internet und am Telefon. Dabei steckt sich doch niemand bewusst an. Ich bin wirklich extrem vorsichtig und verstehe nicht, warum man als Infizierte von einigen Eltern so angegriffen wird. Dafür, dass die Auswertung der Tests eine Woche dauert, können doch die, die getestet werden, nichts. Hätte ich irgendwelche Symptome gehabt, wäre ich doch nicht zur Arbeit gegangen. In anderen Berufsgruppen gibt es auch positive Fälle, aber wir Lehrer werden dann so an den Pranger gestellt“, ist die Pädagogin geschockt von den persönlichen Angriffen, auch wenn sie klarstellt, dass sie natürlich Verständnis für die schwierige Situation der Eltern hat.

Tobias Kühne dazu: „Wir merken, dass die Schulen unter großer Beobachtung stehen. Gerade weil so viele Menschen dort unter einem Dach zusammenkommen, gibt es sehr ausgefeilte Regeln. Wir sind da schon sehr hinterher.“ Doch warum werden dann in Corona-Zeiten Lehrer an mehreren Schulen eingesetzt? Eine Frage, die sich nicht nur die Eltern der Schüler an der Goethe-Schule stellen, an der die positiv Getestete als Gastlehrerin tätig war. Kühne: „Wir versuchen, den Einsatz von Austauschlehrern weitestgehend einzuschränken, um im Falle eines positiven Tests Auswirkungen auf mehrere Schulen zu vermeiden. Gleichzeitig ist es für manche Lehrer aber schwer, die Unterrichtsverpflichtung von 27 Stunden an nur einer Schule zu erfüllen.“ Auch der Lehrermangel spielt in solche Entscheidungen hinein.

Keine Massentests vorgesehen

Fakt ist für die Betroffenen in Gardelegen: Alle Schüler der Goethe- und der Reutter-Grundschule müssen in Quarantäne, Geschwisterkinder dürfen andere Schulen aber weiter besuchen. Getestet werden die Schüler nicht. Birgit Eurich, Pressesprecherin des Altmarkkreises Salzwedel, begründet: „Für asymptomatische Kontaktpersonen sind entsprechend den SARS-CoV-2-Testkriterien für Schulen während der COVID-19-Pandemie keine Massentestungen vorgesehen. In Kalbe wurde eine andere Entscheidung getroffen. Grund hierfür war, dass zeitgleich mehrere Personen des Pflegeheimes in Kalbe positiv auf das COVID-19-Virus getestet wurden. Eine Entwicklung eines weiteren Hotspots sollte vermieden werden. Quarantäne wird nur für Kontaktpersonen 1. Grades angeordnet. Geschwisterkinder gehören nicht dazu.“