Gardelegen l Sie sind 21 und 20 Jahre jung und sind gerade dabei, sich ihren beruflichen Wunschtraum zu erfüllen. Beide wollen Lehrer werden, und beide wollen nach ihrem Studium wieder zurück in ihre Heimatstadt Gardelegen, um hier als Lehrer zu arbeiten. Umso größer war die Freude, dass sie sich diesen Wunsch mit einem Stipendium der Stadt mit hoher Wahrscheinlichkeit auch erfüllen können. Tabea Kreutz und Florian Scheinert sind die zwei neuen Gardelehrer der zweiten Runde des gleichnamigen Modellprojektes der Stadt und des Kultusministeriums. 

Insgesamt neun Bewerber hatte es für das Stipendium gegeben, davon waren fünf aus der Region Gardelegen. Ein Aspekt, der bei der Entscheidung im Hauptausschuss eine wesentliche Rolle gespielt habe, sei das ehrenamtliche Engagement gewesen. „Und es sind Kinder dieser Stadt, die wieder zurückkommen wollen“, betonte Gardelegens Bürgermeisterin Mandy Schumacher.

Über den Tellerrand hinausschauen

Eigentlich sei der Lehrermangel an Sachsen-Anhalts Schulen nicht das Problem der Kommunen. „Wir müssen aber über den Tellerrand hinausschauen“, betonte Sandra Hietel, Vorsitzende des Sozialausschusses, die das Projekt mit betreut.

Sehr interessiert am Gardelehrer-Projekt zeigte sich auch Eva Feußner, Staatssekretärin im Kultusministerium. In dieser Form sei das kommunale Engagement gegen den Lehrermangel einzigartig. Sie sei landauf, landab fleißig dabei, für die Gardelegener Kampagne zu werben. Bedauerlicherweise gebe es bisher keine Nachahmer. Es freue sie, dass es mit den Bewerbern Interessenten gibt, die sich für den ländlichen Raum entscheiden, denn sonst wollten alle nur immer in die Stadt. Das sei unverständlich, denn in ländlichen Regionen zu arbeiten und zu wohnen, habe durchaus viele Vorteile. „Der Gardelehrer ist ein Erfolgsprojekt. Die Stadt Gardelegen hat sich auf diesem Gebiet zu einer Mustergemeinde entwickelt“, betonte Feußner.

Unterstützung bei Wohnungssuche

Ideengeber für das Gardelehrer-Projekt war Stadtrat Dirk Kuke (Freie Liste). Der Stadtrat folgte dem Gedanken, Lehrer für die Region Gardelegen zu gewinnen und hatte im vorigen Jahr ein entsprechendes Konzept entwickelt. Die Stadt unterstützt Lehramtsstudenten mit einem monatlichen Stipendium von 300 Euro für die Dauer der Regelstudienzeit.

Außerdem gibt es Unterstützung etwa bei der Suche nach Wohnraum, Bauland oder Kinderbetreuungsplätzen. Im Gegenzug dazu verpflichten sich die Studenten, sich auf freie Lehrerstellen in der Einheitsgemeinde Gardelegen zu bewerben.

Lehrkräfte wechseln in Ruhestand

„Die Gardelehrer wissen natürlich auch, dass sie hier nicht arbeiten müssen, wenn es keine Stellen gibt. Das ist dann eben so ein bisschen unser Risiko“, räumte Schumacher ein. Aber mit Blick auf die Altersstrukturen in den Schulen dürfte das Risiko doch recht gering sein. Denn in den nächsten Jahren werden zahlreiche Lehrkräfte in den Ruhestand wechseln. Das bestätigte dann auch Eva Feußner.

Seit dem Wintersemester 2018/2019 profitieren bereits drei Lehramtsstudenten von diesem Stipendium: Pascal Mattheis aus Jävenitz, Milena Schulze und Isabelle Radtke aus Gardelegen. Letztere war bei der Begrüßung der zwei neuen Gardelehrer mit dabei – mit ihrem 15 Wochen alten Töchterchen Clara Kiel.

21 Bewerber

In der ersten Runde waren es insgesamt 21 Bewerber, die mit einem Stipendium der Stadt studieren wollten. Die Stadt halte aber auch Verbindung zu abgelehnten Bewerbern, betonte Schumacher. Die Hilfsangebote gebe es weiterhin und auch nette Gesten, wie Glückwünsche zum Geburtstag.