Jeggeleben/Stendal l Abgeschieden an der Verbindungsstraße zwischen Jeggeleben und Sallenthin liegt das Grundstück, auf dem die Drogen in einer Gewächshausanlage mit vier Aufzuchtzelten prächtig gediehen. Mit 30 Beamten rückten die Ermittler am Dienstagmorgen am ehemaligen Jeggelebener Bahnhofsgelände an - jemand hatte den Drogenfahndern einen Tipp gegeben. Der Ortsteil der Einheitsgemeinde Kalbe liegt mitten in der Altmark - und von hier aus betrieb die 57 Jahre alte Grundstücksbesitzerin offenbar einen lukrativen Drogenhandel.

„Wir stehen mit den Ermittlungen noch am Anfang. Aber so einen Fund machen wir wirklich nicht alle Tage“, so Polizeisprecherin Beatrix Mertens. Koordiniert werden die Ermittlungen in dem für Betäubungsmitteldelikte zuständigen Fachkommissariat der Polizeiinspektion Stendal.

Gewächshäuser standen länger

Entdeckt wurden fast 1000 Cannabispflanzen. „350 Pflanzen in unterschiedlichen Wachstumsstadien, vom Setzling bis zu Pflanzen in einer Größe von 1,80 Meter“, so Mertens. „Darüber hinaus wurden über 600 bereits getrocknete Cannabispflanzen, blaue Säcke und Kartons mit getrockneten Pflanzenteilen sowie Equipment zum Anbau der Pflanzen gefunden.“ Der Schwarzmarkt-Verkaufswert der in Jeggeleben entdeckten Menge an Cannabis könnte bei insgesamt mehr als 200.000 Euro liegen.

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Ortsbürgermeister Ulf-Henrik Lühmann, sonst eigentlich jemand, den so schnell nichts umzuhauen scheint, zeigte sich gestern im Gespräch mit der Volksstimme erstaunt über das Ausmaß. Zugleich erklärte er aber: „Ich habe mich bereits im vergangenen Jahr über die Gewächshäuser, die dort standen, gewundert und mich gefragt, was dort in dieser Größenordnung wohl angebaut wird. So etwas kennt man ja sonst nur von Gärtnereibetrieben.“

Bei dem ehemaligen Jeggelebener Bahnhof handelt es sich um ein Mehrfamilienhaus. Es ist nach Angaben von Dorfbewohnern in den vergangenen Jahren auch stets von mehreren Mietparteien genutzt worden.

Obwohl die Cannabis-Pflanzen bis zum Eintreffen der Ermittler am Dienstag offensichtlich in Reih und Glied gestanden hatten, macht das Grundstück selbst im hinteren Bereich einen eher unaufgeräumten Eindruck. Und das nicht nur, weil die folienbehangenen Drogenzelte beim Polizeieinsatz zerstört worden sind. Hier und da ist Kinderspielzeug zu sehen.

Allerdings, auch das machte Jeggelebens Ortsbürgermeister gegenüber der Volksstimme deutlich, habe es vonseiten der Grundstücksbewohner in der Vergangenheit kaum Kontakt zur restlichen Bevölkerung des 100-Seelen-Dorfes gegeben. Es handele sich um Zugezogene. Der alte Bahnhof liegt zudem mehrere Hundert Meter vom Jeggelebener Ortseingang entfernt und somit recht weit ab vom Schuss. Es sei laut Lühmann lediglich wahrnehmbar gewesen, dass davor immer mal wieder die Autos und die Kennzeichen gewechselt hätten.

Nicht der erste Fund in Kalbe

Die Polizei hat in den vergangenen Jahren immer wieder Drogenplantagen in der Altmark entdeckt, auch direkt in Kalbe. Dort waren in der ehemaligen Lebensmittelkaufhalle mitten in der Stadt in der Zeit zwischen Ende 2016 und Anfang 2018 mehrere Tausend Cannabispflanzen gezüchtet worden. Dafür hatten die inzwischen vom Landgericht Stendal verurteilten Täter auch illegal Energie aus dem Stromnetz abgezapft, und zwar in Größenordnungen.

Der aktuelle Fall in der Einheitsgemeinde Kalbe gehört aber dennoch zu den größeren Erfolgen der Ermittlungsbehörden in der Altmark. Im Februar waren auch in einer Wohnung mitten in Salzwedel Betäubungsmittel im Wert von rund 150.000 Euro entdeckt worden. Vor vier Jahren hatten die Fahnder zudem im Keller eines Gebäudes auf dem ehemaligen Bahnhofsgelände in Fischbeck eine Indoor-Cannabisanlage mit knapp 2000 Pflanzen gefunden. Vor einem Jahr wurde die Polizei auf einem Bauernhof in Arendsee fündig: 80 Cannabispflanzen in diversen Größen konnten dort damals sichergestellt werden.