Kakerbeck l „Gehe nicht mit Fremden mit!“ Ein Satz, der Kinder schützen soll – und der doch falsch ist. Das wurde den Eltern, die am Montag an einem Informationsabend in der Kita „Zwergenland“ in Kakerbeck teilnahmen, vom pensionierten Hauptkommissar Steffen Claus aufgezeigt. Der machte seinen rund 40 erwachsenen Zuhörern nämlich deutlich, dass sich die meisten Übergriffe auf Kinder im familiären Umfeld, im Bekannten- und Freundeskreis ereignen, dass also ein Nichtfremder oft der Täter ist.

Claus, mittlerweile 67 Jahre alt, hat vor elf Jahren die „Agentur Schutzengel“ ins Leben gerufen, einen Verein, der sich der Präventionsarbeit widmet. Die findet vorrangig in Grundschulen und Kindereinrichtungen statt. Und dort spricht er eben nicht nur Mädchen und Jungen, sondern auch vor deren Eltern. Denn die nehmen eine entscheidende Rolle dabei ein, bei ihren Sprösslingen Ängste abzubauen und Selbstbewusstsein aufzubauen, sie also nicht in die Opferrolle zu buchsieren.

„Täter sind immer Feiglinge“, weiß Steffen Claus. „Sie suchen sich die schwächsten Glieder der Gesellschaft aus.“ Umso mehr komme es darauf an, dass Kinder wüssten, wie sie sich in Gefahrensituationen zu verhalten hätten. „Der Mund ist dabei die wirksamste Waffe.“ Soll heißen: Kinder dürfen sich nicht scheuen, laut um Hilfe zu rufen. Und es schade auch nichts, im Gegenteil, diese laute Rufen mit ihnen zu üben. Aber auch das Weglaufen und sogar das Schwindeln sind in Gefahr erlaubt. Das machte Claus am Montagabend erst den Eltern und Dienstagvormittag dann auch den Kindern des „Zwergenlandes“ deutlich. Erst waren dort die Kindergarten-, später die Hortkinder an der Reihe.

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Märchen als kindgerechte Krimis

Das Präventionsprogramm der „Agentur Schutzengel“ eignet sich für Mädchen und Jungen ab einem Alter von vier Jahren. Claus vermittelt ihnen auf spielerische Weise, wie sie sich vor Bösewichten schützen können. Und er bedient sich dabei nicht nur seiner riesigen Handpuppensammlung – er besitzt mittlerweile rund 900 Stück davon –, sondern auch bekannter Märchen.

„Die meisten Märchen der Gebrüder Grimm sind kindgerecht aufbereitete Kriminalgeschichten. Es gibt darin immerhin 132 ungeklärte Todefälle“, so der pensonierte Polizist, der daran erinnert, dass die beiden Brüder zuerst ein Erziehungsbuch für Erwachsene herausgegeben hatten, aus dem sich dann ihre berühmte Märchensammlung entwickelt hatte.

Wichtig ist dem Mann, der in Aschersleben auch das Kriminalpanoptikum betreut, zudem, dass Eltern ihren Kindern keinen Gefallen tun, wenn sie sie aus Furcht vor Übergriffen nicht draußen spielen lassen. „Draußen, das ist Öffentlichkeit. Die meisten Übergriffe aber“, so Claus, „passieren in geschlosssenen Räumen.“