Braugeschichte

Reiner Finke berichtet aus der Geschichte des Garley

Im Mittelalter lebte ganz Gardelegen von der Braukunst, ein Zar verliebte sich in das Getränk und im Bierkrieg rollten deshalb sogar Köpfe.

Von Stefanie Brandt
Reiner Finke gab einen Einblick in die Bier-Geschichte.
Reiner Finke gab einen Einblick in die Bier-Geschichte. Foto: Stefanie Brandt

Gardelegen - Einen interessanten Einblick in die Geschichte des Getränkes, das so eng mit der Hansestadt Gardelegen verbunden ist, dass es sich in Form von Hopfenranken sogar auf dem Wappen wiederfindet, gab im Rahmen der offiziellen Eröffnung der Brauerei der Gardelegener Braugesellschaft am Sonnabend Reiner Finke. 30 Jahre lang arbeitete er als Brauer bei Garley, sah viele Firmennamen und auch Chefs kommen und gehen. „Selbst ein bisschen gerührt“, berichtete er den geladenen Gästen aus früheren Zeiten.

1314 hatte Gardelegen das Malzrecht und damit das Braurecht bekommen. „Die Stadt ist immer mit Bier verwurzelt gewesen“, so Finke. Mitte des 15. Jahrhunderts habe es 176 Brauereien in Gardelegen gegeben, Ende des 16. Jahrhunderts seien es immer noch 138 gewesen.

Steuern auf Bier lösen Krieg aus

„Wir hatten in Gardelegen 1488 sogar mal einen Bierkrieg, da wurden drei Brauer hingerichtet“, führte er fort. Gardelegen hatte sich im Mittelalter zu einem der bedeutendsten Braustandorte in der Altmark entwickelt. Die Brauer waren die mächtigste und reichste Gilde und die Stadt wurde durch die Steuern aus dem Braugewerbe zu einer der bedeutendsten Hansestädte im Norden.

Der damals regierende Kurfürst Johann, wollte von diesem Reichtum etwas abhaben, um sich eigener Geldsorgen zu entledigen. Eine Biersteuer sollte die Probleme lösen. Doch die Bevölkerung, für die der Gerstensaft ein wichtiges Getränk war, wehrte sich gegen die Verteuerung. Der Kurfürst schlug den Aufstand blutig nieder, dabei rollten in Gardelegen die Köpfe dreier Aufrührer. Und am Ende mussten die Gardelegener noch mehr Steuern auf ihr Lieblingsgetränk zahlen.

Zar Peter I. nimmt einen Brauer mit

„Da kann man mal sehen, was in Gardelegen los war“, kommentierte Finke, der dann von einem weiteren geschichtsträchtigen Ereignis berichtete: „Sogar Zar Peter I. kam 1698 nach Gardelegen und hat von dem Bier so geschwärmt, dass er einen Brauer mit nach St. Petersburg genommen hat und da sein eigenes Bier hat brauen lassen.“

1719 seien in Gardelegen 45.400 Fass Bier gebraut worden und 1882 wurden fünf Tonnen Hopfen geerntet. „Rings um Gardelegen herum waren alles Hopfenhänge. Der wurde nicht nur hier regional verarbeitet, der wurde nach Norden, nach Dänemark, Schweden, runter nach Meißen vertrieben. Die ganze Stadt lebte eigentlich vom Bier“, so Finke.

Nur das Garley bleibt

Um 1900 waren nur noch vier Brauereien übrig: Paasche (Weißbier), Pengel (Dampfbier), Bürgerliches Brauhaus und die Brauerei Haase, die dann 1930 als einzige Brauerei erhalten geblieben war. Diese überlebte sogar den Krieg. „Doch 1972 wurde der Betrieb enteignet, dann zum VEB Garley und dann nach der Wende zur Garley GmbH“, erinnert sich Finke.

1996 seien dann die Hösl-Brüder gekommen, die eine Spezialitätenbrauerei aus Garley machten. „1996 habe ich bei ihnen wieder das erste Bier gebraut. Das erste Jahr haben wir schon wieder 20.000 Hektoliter gemacht. So ging es immer weiter.“ Doch 2013 sei die Insolvenz gekommen. Die Personalien Ludwig Hörnlein, „der den Bierwagen mitgenommen und sich das Garley-Schild sichern lassen hat“, und Ulf Steinforth riss er nur kurz an.

„2011 hatte ich den letzten Sud in Gardelegen gebraut“, berichtet Finke, der sich deshalb umso mehr freute, dass er jetzt, zehn Jahre später, sein Wissen um die Garley-Rezepte zum Neustart zusteuern kann. „Toll, dass sich mit Lars Vogel einer gefunden hat, der das noch einmal angestoßen hat. Ich hoffe, das Bier schmeckt und das Essen auch“, schloss er seine Rede am Samstag.

Ganz so wie das alte Garley wird das neue allerdings nicht schmecken, informierte der Brauer. „Wasser ist entscheidend in der Bierproduktion. Garley hatte zwei Tiefbrunnen und hier kommt das Wasser aus der Leitung. Das macht einen Unterschied, aber wir versuchen, das Bier so zu brauen wie bei Garley.“