Himmelreich/Kämeritz l Es ist Hochsommer. Eine Frau ist mit Freunden während eines Urlaubs im Drömling mit dem Fahrrad unterwegs. In der Kolonie Himmelreich angekommen wird ihr schwarz vor Augen, und sie stürzt mit dem Kopf voran auf die Straße und bleibt regungslos liegen. Ihre Freunde wissen, dass jetzt jede Minute zählen kann. Doch wie beschreiben sie – auf einfachste und schnellste Weise – wo sie genau sind?

Eine Frage, die sich in der Kolonie Himmelreich seit Dienstag erübrigt. Dort, wie auch in der Kolonie Kämeritz, wurden nämlich sogenannte Rettungspunkte von Mitarbeitern der Stadt installiert.

Es war im Jahr 2017, als erstmals in der Einheitsgemeinde Gardelegen über die Thematik nachgedacht wurde – aus verschiedenen Gründen. So fand Harald Reich, der den Stein damals mit ins Rollen brachte, eine Granate und alarmierte die Polizei. Die suchte jedoch vergeblich den Fundort. Ein weiteres Beispiel: Die Ehefrau eines Bewohners aus der Kolonie Werder war schwanger. Die Wehen setzten ein. Der Krankenwagen wurde gerufen. Gefunden hat der Fahrer die Kolonie nicht.

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Neun Rettungspunkte im Raum Gardelegen

Wie auch? Etwa 420 Quadratkilometer groß ist die Fläche des Naturparkes mit wenigen Gehöften. Für Menschen ohne Ortskenntnis kein leichtes Unterfangen, sich dort zurechtzufinden. Besonders auch für Rettungskräfte. Aus diesem Grund überlegten sich Mitarbeiter der Stadt, unter anderem Birgit Matthies sowie die Bewohner der Kolonie, dass Rettungspunkte installieren werden sollten, die an die Rettungskette Forst angelehnt sind.

So wurden damals sieben Standorte ausgesucht, die als Rettungspunkte mit einer Beschilderung versehen sind. Und darauf steht jeweils SAW G (für Gardelegen) und eine vierstellige Ziffer, die die genauen Koordinaten im Drömling anzeigen. Zwei dieser Stationen sind sogar als Hubschrauberlandeplätze ausgewiesen.

Sollten also Menschen, wie im Fall der besagten Frau, die gestürzt ist, ihren Standpunkt durchgeben wollen, so müssen sie in der Kolonie Himmelreich dann nur noch sagen, dass sie am Rettungspunkt SAW G-0356 sind.

Hilfreich, findet auch Sven Tiedge, Anwohner der Kolonie Himmelreich. So hätte ein Krankenwagen vor einigen Monaten mal nicht zu seinen Nachbarn gefunden. Grund dafür war, dass die Sanitäter in der Himmelreichstraße in Mieste landeten und so rund zehn Minuten ins Land strichen. „Ich finde es gut, dass wir jetzt über einen Rettungspunkt verfügen“, sagt Tiedge, der das Gespräch mit Birgit Matthies, Mitarbeiterin der Stadt, suchte und dafür sorgte, dass Himmelreich jetzt besser von Helfern gefunden wird.

Die Funktionsweise dieses Rettungspunktes erklärt hat Daniel Langer, Mitarbeiter des Bauamtes. Aufgestellt haben das Schild hingegen Rene Teschner, Mitarbeiter des Ordnungsamtes sowie Markus Bünsch, der für den Grünen Bereich der Stadt arbeitet.

Auch die Mitarbeiter der Johanniter sind froh darüber, dass auch Himmelreich sowie Kämeritz jetzt über die genannten Rettungspunkte verfügen. „So ist es für meine Kollegen und mich bedeutend einfacher, den Unfallort schneller im Drömling zu finden“, so Rettungswachenleiter Ralf Bonatz. Abgeschlossen ist das Thema Rettungspunkt noch lange nicht. „Da wo der Bedarf laut der Anwohner vorhanden ist, werden wir prüfen, ob ein Rettungspunkt gesetzt wird“, sagt Daniel Langer.