Wernstedt l Wenn Anni Schulz heute das Wernstedter Dorfgemeinschaftshaus abschließt, dann gibt sie diesen Schlüssel für immer aus der Hand. Es ist der letzte Arbeitstag der Wernstedterin als Bürgermeisterin. 52 Jahre lang hatte sie dieses Amt inne, davon viele Jahrzehnte auch als hauptamtliche Bürgermeisterin, seit der Gebietsreform als Ortsbürgermeisterin. Mehr als ein halbes Jahrhundert seien genug. „Mit 80 Jahren muss auch mal Schluss sein“, begründet sie ihre Entscheidung, nicht erneut zur Wahl angetreten zu sein..

Und auch wenn ihr das die meisten nicht glauben wollen, nach 52 Dienstjahren sagt Schulz: „Ich freue mich jetzt richtig auf meinen Ruhestand.“ Viel Zeit möchte sie mit ihrem Mann verbringen. „Endlich kann ich dann mit ihm etwas unternehmen, ohne dass ich ständig auf den Terminkalender oder die Uhr schauen muss“, sagt sie.

Mit Erreichtem sehr zufrieden

Und auch für die Tochter und Enkeltöchter, obgleich alle erwachsen, hat sie dann mehr Zeit. Sie alle sind nicht in der Altmark zu Hause. „Und wenn sie mal zu Besuch kamen, musste ich oft wieder los, zur Sitzung oder zu anderen Verpflichtungen“, so Anni Schulz. Gemeinsam mit ihrem Mann möchte sie Rad fahren – und weiter jeden Sonntagabend zum Seniorentanz nach Ziemendorf. „Das hält jung, das macht Spaß, und man trifft dort Leute“, sagt sie.

Zufrieden ist Anni Scchulz mit dem Erreichten. Stolz zeigt sie eine zweiseitige Liste. Auf dieser hat sie die 29 großen Maßnahmen aufgeschrieben, die sie im Laufe ihrer Dienstjahre umsetzte. Darunter finden sich die Sanierung von drei großen Straßen, der Bau des Dorfgemeinschaftshauses, die Erweiterung der Friedhofsmauer, die Erschließung des Sportplatzes, der Bau der Trauerhalle oder die Errichtung des Spielplatzes, um nur einiges zu nennen. Seit 2009 ist Wernstedt in der Flurneuordnung. In diesem Zuge wurden sieben Wege ausgebaut.

Mit 80 muss Schluss sein

Ihr Wunsch für Wernstedt ist es, dass „das Erreichte erhalten bleibt, das Feuerwehr und Kindertagesstätte bestehen bleiben“. Das es weiterhin gut um Wernstedt stehen wird, darüber macht sie sich keine Sorgen. „Ich habe eine würdige Nachfolgerin gefunden.“ Nicole Wernecke, bisher Mitglied im Ortschaftsrat, wird Ortsvorsteherin, denn schließlich löst sich der Ortschaftsrat auf. Traurig ist Schulz darüber, dass es ihre Nachfolgerin per Losentscheid nicht in den Kalbenser Stadtrat schaffte. „Es wäre schön gewesen. So kann sie zwar an den Sitzungen teilnehmen, hat aber kein Stimmrecht“. Schulz selbst war fünf Jahre lang Stadtratsmitglied in Kalbe.

In dieser Woche räumte Anni Schulz ihr Büro im Dorfgemeinschaftshaus aus. Heute steht die Übergabe an und der Abschied von den Mitstreitern im Ortschaftsrat. Und wenn sie noch einmal auf die Welt kommen würde?: „Ich würde das wieder machen. Ich würde wieder in die Kommunalpolitik gehen.“