Gardelegen l Klar trennen sie ihren Müll. Da haben sie das gleiche System, wie viele Familien. Wenn die 13 Kinder und Jugendlichen der Gardeleger LOK (Lösungsorientierte Kurzzeittherapie) gemeinsam mit ihren Erziehern frühstücken, wandert das Marmeladenglas selbstverständlich nicht in den selben Behälter wie der Jogurtbecher. Das also klappt schon mal.

Warum aber muss Müll überhaupt getrennt werden? Erzieherin Sarah Ganzer will ihren Schützlingen die Sache mal ein bisschen näher bringen. Und gestern geht es damit los. Zunächst mal will sie allerdings wissen, wer schon was weiß, zum Thema Müll. Und wie sich herausstellt, wissen die Kids eine Menge. Matthew hat zum Beispiel schon mal gehört, dass sich der Plastikmüll irgendwann in den Fischen festsetzt, „und wir essen den dann!“ Luca weiß, dass die Fabriken daran schuld sind, weil die so viel Kunststoff herstellen, und Malte kann übersetzen, was die drei großen R‘s der Umweltschützer bedeuten: „Reduce, reuse und recyceln, das heißt reduzieren, wiederverwenden und wiederverwerten.“ Ganz schön schlau, sind sie also schon, die LOK-Kinder. Doch nur wer den Feind kennt, kann ihn bekämpfen. Und so machen sie sich in vier Gruppen auf den Weg. Ihre Ziele: Der Wall, die Innenstadt, die Böschung an einer nahen Bundesstraße und ein Supermarkt. Die ersten drei Gruppen sammeln alles ein, was nach Müll aussieht. Die letzte Gruppe kauft ein. „Und zwar möglichst plastikarm“, mit Dosen für Käse und Wurst an der Theke und mit Netzen für Obst und Gemüse.

Plastikmüll landet im Meer

Das Ergebnis nach knapp einer Stunde, macht schließlich alle Kinder und auch die Erzieher ziemlich nachdenklich. Denn über 1000 Teile Müll sind zusammengekommen – mit Gummihandschuhen und Greifstab gesammelt –, vom Staubsauger bis zur Zigarettenkippe, von der – mit Teichwasser saubergespülten – Bierflasche bis hin zu richtig ekligen Sachen wie Hundekottüten und Windeln. All das wird gestern dann noch auf dem Hof der LOK sortiert und getrennt.

Dass das meiste davon tatsächlich aus Kunststoff ist, macht die jungen Müll-Aktivisten übrigens besonders ärgerlich. In einem Film, den sie kurz vor ihrer Sammelaktion gemeinsam angeschaut haben, haben sie ja gesehen, wo Plastik bleibt: im Meer. Und sie haben eine Rechenaufgabe gelöst, die ihnen Sarah Ganzer gestellt hat: Nur 32 Jahre wird es nämlich noch dauern, bis mehr Kunststoff als Fische im Ozean schwimmen. „Wenn wir alle unsere Einstellungen zum Müll nicht ändern, dann wird das nicht schön, wenn ihr mit euren Kindern oder Enkeln ans Meer fahrt“, warnt Sarah Ganzer ihre Aktivistengruppe.

Besuch auf Deponie

Aber das, und was sie selbst erlebten, hat bei ihnen wohl nachhaltig Eindruck hinterlassen: Ein Mal im Monat wollen sie nun rund um ihre LOK an der Sandstraße Müll sammeln gehen - und ihn dann trennen. Und demnächst wollen sie sich auch mal auf der Deponie umschauen.

Und so schnell werden die 13 selbst ganz sicher keinen Müll mehr in die Umwelt werfen.