Sanierung

Sanierung des KZ-Gräberfeldes in Mieste wird erneut verschoben

Erneute Verschiebung: Dabei sollte das KZ-Gräberfeld auf dem Miester Friedhof bereits 2020 saniert werden. Doch die Denkmalschutzbehörde legte ihr Veto ein.

Von Elke Weisbach 06.08.2021, 05:00
Bereits 2020 sollte die KZ-Gedenkstätte auf dem Miester Friedhof saniert werden, doch der Denkmalschutz legte zu den Plänen des Gardelegener Gedenkstättenvereines und des Ortschaftsrates Mieste sein Veto ein. Noch konnte keine Lösung gefunden werden, so dass sich die Umsetzung des Vorhabens ins kommende Jahr verschiebt. Doch die Sanierung  ist notwendig. Der Beton der Gedenkdreiecke bröckelt. Die rote Farbe, mit der sie bemalt wurden, blättert stellenweise großflächig ab. Moose und Flechten machen sich breit.
Bereits 2020 sollte die KZ-Gedenkstätte auf dem Miester Friedhof saniert werden, doch der Denkmalschutz legte zu den Plänen des Gardelegener Gedenkstättenvereines und des Ortschaftsrates Mieste sein Veto ein. Noch konnte keine Lösung gefunden werden, so dass sich die Umsetzung des Vorhabens ins kommende Jahr verschiebt. Doch die Sanierung ist notwendig. Der Beton der Gedenkdreiecke bröckelt. Die rote Farbe, mit der sie bemalt wurden, blättert stellenweise großflächig ab. Moose und Flechten machen sich breit. Foto: Elke Weisbach

Mieste - „Wir stehen weiterhin in der Warteschleife“, berichtete Miestes Ortsbürgermeister Andy Neubauer während der jüngsten Ortschaftsratssitzung zum Stand der geplanten Sanierung des KZ-Gräberfeldes auf dem Friedhof des Drömlingsdorfes. Diese werden aufs nächste Jahr verschoben, informierte er die Anwesenden.

Dabei wollte der Gardelegener Gedenkstättenverein das Vorhaben sogar schon im vergangenen Jahr realisieren, aber daraus wurde nichts. Dabei scheiterte die Umsetzung nicht am Geld – die beantragten Fördermittel in Höhe von 57 300 Euro wurden vom Land genehmigt – sondern an einem Veto der Denkmalschutzbehörde gegen die geplante Gestaltung.

Wege sollen verschwinden

Im Zuge der Sanierung soll der Urzustand hergestellt werden. Das heißt, es würde wieder ein großes und in sich geschlossenes Gräberfeld entstehen. Der Mittelweg und der Weg an der Mauer sollen verschwinden. Diese wurden im Zuge einer Neugestaltung der Anlage zu DDR-Zeiten angelegt.

Dadurch konnten auch nur 76 Gräber, versehen mit einem Betondreieck, sichtbar gemacht werden. Es sind aber 86 Opfer dort bestattet, wie aus sicherer Quelle bekannt ist. Durch das geschlossene Gräberfeld ist dann auch wieder Platz für 86 Granitsteine, die somit an alle dort zur letzten Ruhe gebetteten Toten erinnern würden.

Denkmalschutz wünscht sich Begrünung

Die Fläche – und das ist der Knackpunkt, mit dem der Denkmalschutz hadert – soll mit groben Steinen aufgefüllt werden. Der Denkmalschutz möchte eine Begrünung. Dabei sollen die Steine, wie Neubauer erläuterte, die Verbindung zum Bahnhof und dem Schotter zwischen den Gleisen darstellen. Denn dort seien die Häftlinge mit den Zügen im April 1945 angekommen, bevor sie auf den Todesmarsch nach Gardelegen geschickt worden seien. „Das hat nichts mit den Schottergärten heutzutage vor den Häusern zu tun“, machte Neubauer deutlich.

„Es geht um den Wiedererkennungswert“, erklärte auch Konrad Fuchs als Vorsitzender des Gedenkstättenvereines, „das muss man doch begreifen. Die sind dort auf den Schottergleisen mit Viehwaggons angekommen und haben ihr Leben gelassen.“ Was ihn ärgere ist, dass keine Begründung vonseiten des Denkmalschutzes vorliege, weil noch geprüft werde. Aber, so Fuchs, „es ist ja nicht das erste Mal, dass wir geduldig warten müssen“. Doch könne man selbst nicht viel ändern. „Wir brauchen das Okay vom Denkmalschutz“, sagte er. Vielleicht könne ein Vor-Ort-Termin mit allen Beteiligten das Vorhaben voranbringen.

Wie weiter verfahren werden soll, wird aus diesem Grund auch noch einmal Thema bei der nächsten Zusammenkunft des Gedenkstättenvereines am Mittwoch, 25. August, ab 16 Uhr im Gardelegener Rosencenter sein, erklärte Fuchs.

Eiche und Hecke mussten weichen

Auch wenn das Gräberfeld in diesem Jahr noch nicht in Angriff genommen werden kann, so wurde ringsum schon einiges getan. Wie Ortsbürgermeister Andy Neubauer berichtete, wurde bereits die alte Hecke weggenommen. Sie war schon sehr hoch und an zahlreichen Stellen ziemlich kahl. Es soll aber eine neue Hecke zur Einfriedung des Bereiches gepflanzt werden. Dafür werde im Vorfeld noch der Boden ausgetauscht. Auch die Zwillingseiche in dem Bereich, die laut Ortsbürgermeister „vorne hui und hinten pfui“ gewesen sei, sei bereits entfernt worden.

Insgesamt gibt es in 18 Ortsteilen der Einheitsgemeinde Gardelegen Ehrenfriedhöfe für die Opfer der Todesmärsche im April 1945. Viele von diesen Ehrenfriedhöfen sind in die Jahre gekommen. Und der Gardelegener Förderverein Gedenkstätte Isenschnibbe hat es sich auf die Fahnen geschrieben, diese mit Unterstützung durch die Stadt zu sanieren. In Berge, Estedt, Jävenitz, Breitenfeld, Wernitz und Solpke sind diese Vorhaben bereits umgesetzt worden – jeweils mit einer 100-prozentigen Förderung vom Land Sachsen-Anhalt. Mieste muss noch warten. Für die Ehrenfriedhöfe in Wannefeld und Ackendorf wurden in diesem Jahr laut Konrad Fuchs Fördermittelanträge gestellt.