Gardelegen l Die Vorgängerkirche wurde Ende des 12. bis Anfang des 13. Jahrhunderts errichtet. Um 1300 folgte der gotische Aufbau des Chores. Um 1500 soll der Kirchturm errichtet worden sein. Eine alte Dame ist sie also schon, die Nikolaikirche am Holzmarkt, eine alte Dame, die aber immer schmucker, hübscher und moderner wird. Und das in einer ganz besonderen Verbindung der historischen Bauweise mit moderner Architektur.

Und im Mittelpunkt steht dieses Mal der 54 Meter hohe Turm der Kirche im offenen Mittelschiff. Dieser Turm wird mit einer Empore ausgestattet. Es handelt sich um eine mobile Bühne aus einer Stahlkonstruktion, die in einer Höhe von 3,80 Meter vor dem Turm installiert wird, und zwar in etwa an der Stelle, wo früher die Orgel war. Die Bühnenempore wird etwa 80 Quadratmeter groß sein, informierte Klaus Bernstein vom Kultur- und Denkmalpflegeverein als Träger der ehemaligen Kirche. Denn die wird seit vielen Jahren schrittweise zu einem Kulturzentrum der Stadt entwickelt, zu einem Zentrum mit einer ganz besonderen Atmosphäre.

Kultur obendrauf und untendrunter

Und etwas Besonderes ist auch das Bauprojekt, das mit dem Einbau der Glasfensterfront begonnen hatte. Geöffnet wurde damit der romanische Triumphbogen als Verbindung zwischen dem überdachten, geschlossenen Kirchenschiff zum Teil der Kirchenruine. Damit ist nicht nur die Nikolaikirche lichtüberflutet und hell. Möglich ist so auch ein Blick vom Inneren der Kirche zum offenen Kirchenschiff.

Mit dem Bau der Bühnenempore wird das Projekt nun fortgesetzt. Zuvor jedoch waren Sicherungsarbeiten am Turm selbst erforderlich, die nun fast abgeschlossen sind, wie Architekt Lutz Schwarzbrunn gestern mitteilte. Unter anderem wurde alter Putz am Turm entfernt und erneuert. Löcher im Mauerwerk mussten geschlossen werden. Allerdings darf die Empore nicht direkt am Turm befestigt werden. Es wird also zwischen Bühne und Turm einen Abstand geben. Die Empore steht dann auf verzinkten Stahlstützen, erläuterte Bernstein.

Sicherungsarbeiten fast abgeschlossen

Die Sicherungsarbeiten sind weitestgehend abgeschlossen. Am Mittwoch werden Mitarbeiter der Gardelegener Steinmetzfirma Seidler noch ein Sandsteinmal umsetzen. Am Donnerstag wird das Gerüst abgebaut. Danach beginnen archäologische Untersuchungen. Baubeginn soll, wenn alles klappt, noch in diesem Jahr sein. Eine Baugenehmigung liege vor, ebenso die denkmalrechtlichen Genehmigungen. Mitte 2020 soll die Einweihung gefeiert werden.

Übrigens kann dann Kultur nicht nur auf der Empore stattfinden, sondern auch darunter, denn der Bereich soll auch noch eine Befestigung erhalten, so Bernstein. Damit jedoch sind die Bauarbeiten in der Kirche noch längst nicht abgeschlossen. Geplant sind noch Sicherungsarbeiten an den Säulen im offenen Kirchenschiff. Und die Gruft der Familie von Alvensleben soll neue Fenster erhalten. Der Verein hofft, dass es gelingen wird, auch dafür Fördermittel zu akquirieren. Für das Projekt Glasfront und Empore werden insgesamt etwa 250.000 Euro investiert.

Engagement des Vereines

Bei einem Bombenangriff am 15. März 1945 wurde die Nikolaikirche, bis dahin eine dreischiffige Backsteinhallenkirche mit einem Kreuzrippengewölbe, teilweise zerstört. Ein Wiederaufbau erfolgte zu DDR-Zeiten nicht. Im Laufe der Jahre wurden die Schäden immer größer. Zu Pfingsten 1977 wurde dort der letzte Gottesdienst gefeiert.

Nach der Wende begannen die ersten Sanierungsarbeiten, vor allem finanziert durch Spenden. 1991 konnte dank einer großzügigen Spende eines ehemaligen Gardelegener Bürgers die Turmspitze komplett erneuert werden. 1993 wurde der Kultur- und Denkmalpflegeverein gegründet, der sich seitdem auch in der weiteren Sanierung des Kirchengemäuers engagiert. Zugleich ist die Nikolaikirche, die auch für private Feierlichkeiten genutzt werden kann, Sitz des Vereines.