Gardelegen l Seine ersten Bewohner sollen Casper Martens und Elisabeth Stampeels gewesen sein. Sie jedenfalls verewigten sich 1597 mittels Inschrift im Fachwerkbalken der Fassade. Heute ist das Förstersche Haus auch wieder ein Zuhause: Hier werden in der LOK, das steht für Lösungsorientierte Kurztherapeutische Hilfe, im Rahmen eines kombinierten stationären und familienbegleitenden Hilfsangebotes Kinder und Jugendliche betreut.

Wie nach vielen Jahren des Leerstandes wieder Leben in die historischen Mauern einzog und somit auch der Erhalt des Denkmales wieder sichergestellt ist, ist allerdings eine lange Geschichte. Fast schon ein Märchen. Nämlich das eines bitterarmen, uralten Häuschens, das keiner wollte. Jahrzehntelang schenkte ihm keiner auch nur einen Blick. Und so fiel das älteste Privathaus der Stadt zu DDR-Zeiten immer mehr in sich zusammen. Auch eine kurzfristig eingezogene Betondecke, die im Haus eigentlich gar nichts zu suchen hatte, konnte das nicht ändern. Es gab kaum noch Hoffnung...

Dann jedoch brach eine neue strahlende Zeit an, nämlich der Kapitalismus. Und der brachte Anfang der 1990er Jahre auch so manchen Geschäftemacher in die kleine, zuvor kaum beachtete Stadt.

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Geschäftsmann geht das Geld aus

Im Falle des Försterschen Hauses hieß der vermeintliche Retter, der aus westlichen Landen eingereist war, Wolfgang Hampel, Chef der multicon in Gardelegen. Der nämlich kaufte ein ums andere Objekt im Städtchen auf – so auch das Förstersche –, versprach Sanierung und Wohlstand – bis dem Geschäftsmann offenbar das Geld ausging. Denn trotz Kaufvertrag floss für das Förstersche Haus nie ein Pfennig in die städtische Kasse.

Und so ließ sich die Stadt einen Kniff einfallen: Sie nutzte das besondere Instrumentarium der Stadtsanierung, beantragte Fördermittel und nahm das Förstersche Haus gleichzeitig in ihr Treuhandvermögen auf. Das wiederum wurde von der Sachsen-Anhaltinischen Landesentwicklungsgesellschaft (Saleg) verwaltet. Das brachte den Vorteil, dass die Sanierung schließlich und endlich Ende der 1990er Jahre über Städtebaumittel – einen Mix aus Eigenmitteln und Fördergeld – sehr aufwändig geschehen konnte. Rund 1,3 Millionen Mark flossen in das Haus – und die Betondecke flog in diesem Rahmen gleich wieder raus.

Wobau kauft das Denkmal

Da der Gesetzgeber aber vorschrieb, dass das sanierte Denkmal anschließend wieder verkauft werden muss, griff die Stadt zu einem Kniff und holte ihre Tochter, die Gardeleger Wobau, ins Boot. 2001 kaufte die das Denkmal schließlich zum Verkehrswert von 323 000 Mark und fand dann endlich auch Mieter für das historische Gebäude.

„Wir waren damals überrascht über die Differenz zwischen Sanierungskosten und dem möglichen Erlös“, erinnert sich Bauamtsleiter Engelhard Behrends, „aber rechtlich gab es keine Beanstandungen, und wir waren froh, hier eine Lösung gefunden zu haben.“

Also Ende gut, alles gut. Wie im richtigen Märchen.

Und das freut die Mitglieder des Gardeleger Kultur- und Denkmalpflegevereines in Gardelegen natürlich besonders.