Potzehne l „Der sollte eigentlich mal ein Zuchtbock werden.“ Daniel Herrigt klingt resigniert beim Anblick seines gerissenen Schafes. Der Bock sei eines von zwei Tieren, die jetzt tot sind, schildert Herrigt – das zweite schliffen die Raubtiere fort, er habe es 1,5 Kilometer entfernt gefunden.

Herrigts Grundstück mit einem Teich liegt nur etwa 100 Meter vor dem Eingang des Gardelegener Ortsteils Potzehne. Als er am Abend des 28. September nach seinen Schafen sah, sei noch alles in Ordnung gewesen, erzählt er. Am nächsten Morgen habe ihm dann jemand aus dem Dorf den Schaden gemeldet.

Unterm Zaun hindurch

Über Nacht – so vermutet Herrigt – kamen mindestens zwei Wölfe auf das Gelände. Sie hatten wohl zunächst an verschiedenen Stellen versucht, durch den Zaun zu gelangen, worauf auch Buddelspuren hinweisen. An einer Ecke Richtung Straße krochen sie schließlich unter dem Zaun durch.

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Das Ergebnis: Tierüberreste am Teichufer in der Mitte des Geländes, ein Kadaver, der in Richtung Zaun gezogen worden war, und einer weit darüber hinaus. Die vier übriggebliebenen Schafe – laut Herrigt sonst sehr zutrauliche Tiere – sind völlig verschreckt und zurückhaltend.

Den finanziellen Schaden schätzt Herrigt auf 400 bis 450 Euro, als Hobbyzüchter erwartet er keine Entschädigung. Zunächst war er auch nicht sicher, ob der Vorfall überhaupt als Wolfsriss anerkannt wird. Denn bei allen Spuren an den Schafen fehlte ausgerechnet der typische Kehlbiss.

 Dennoch teilen Mitarbeiter des Wolfskompetenzzentrums Iden seinen Verdacht auf zwei Wölfe – auch wegen der Fährten in der Nähe. Eine genaue Untersuchung steht aber noch aus. Unterdessen überlegt der 36-jährige Landwirt, seine Schafzucht nach vier Jahren aufzugeben. „Das mach‘ ich nicht mehr mit“, kündigt er frustriert an.

Der jüngste vermutete Wolfsriss in Gardelegen liegt mittlerweile zwei Monate zurück: Damals wurde ein zerfressenes Reh im Weteritzer Park gefunden.

Laut Umweltministerium sind in den vergangenen beiden Jahren 104 Wölfe, aufgeteilt auf 15 Rudel und zwei Paare, in Sachsen-Anhalt registriert worden. Dazu kommen 30 weitere, die zwar auch hier gesichtet wurden, aber hauptsächlich in benachbarten Bundesländern beheimatet sind. Die Bilanz für 2019 und 2020 soll Ende des Jahres vorliegen.