Gardelegen l Eigentlich waren auf dem Flugplatz zwei einzelne Trainingslager geplant. Einer der Besucher-Clubs musste seinen Ausflug nach Gardelegen allerdings wegen der Corona-Krise verschieben, weshalb das Zweifach-Treffen in der Woche des 22. Juni zu einem Dreifachen hochgestuft wurde: Der Fliegerclub aus dem ostfriesischen Wittmund war schon häufiger hier – der aus dem holländischen Noordkop zum ersten Mal.

Dafür haben die Holländer schon einige andere Flugplätze in Deutschland und Frankreich besucht, aus dem selben Grund, aus dem die Wittmunder viel unterwegs sind: Die Wetterbedingungen in der Heimat eignen sich nämlich nicht sehr fürs Fliegen. Dafür gilt die Thermik in Gardelegen als besonders gut, was den Segelfliegern guten Auftrieb schenkt. Wenn hier gerade kein Treffen stattfindet, ist die Gegend daher laut Werner Beyer vom Gardelegener Fliegerclub ein beliebter Wendepunkt in Wettbewerben.

Dem Wetter ausgeliefert

Solche Lager seien auch der Segel-Ausbildung sehr zuträglich, erzählt Beyer: „Dann kommen die schneller weiter“ – schneller, als wenn sie täglich wieder vom Flugplatz aus heimfahren. Die Ausbildung hatten die Gäste aber diesmal schon alle hinter sich, auch der 17-jährige Lorenz Schulze-Varnholt von der Wittmunder Fluggruppe. Mit 13 Jahren hat er angefangen – „das früheste, was man machen kann“ – und nutzte die Zeit vor seiner Zeugnisausgabe am Freitag zum Fliegen.

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Richtung und Dauer der Strecken war täglich anders und vom Wetter abhängig. Während der stundenlangen Flüge blieben die Piloten über Funkanlagen in Kontakt. Dafür wurde noch Technik genutzt, fliegen können die Segler – sofern sie keinen eigenen Propeller haben – allein durch Auftrieb. Bevor der richtig genutzt werden kann, ist Nachhilfe von verschiedenen Fahrzeugen nötig.

Nach Gardelegen kamen die Flieger in Einzelteilen und auf Anhängern – Aus- und Abbau dauert laut Beyer je zwischen zehn und fünfzehn Minuten. Zwischen Clubhaus und Startbahn wurden sie von Traktoren oder Autos gezogen. Auch für den Start ist Hilfe nötig, diesmal von einem anderen Flugzeug: Ein Schlepper – von Beyer gefahren und geflogen – zog sie einzeln in die Luft. Ist das alles durch, legten die Flieger aber je nach Wetterlage auch gerne um die 500 Kilometer zurück und landeten erst nach etwa acht Stunden wieder.

Genau könne nie eingeschätzt werden, wie lange eine Tour dauert – manchmal sei auch eine vorzeitige Landung möglich, und die Flieger müssten abgeholt werden. „Man stellt sich irgend eine Aufgabe, die man fliegt“ erklärte dazu Arnd Dreyerling, ebenfalls aus Wittmund. Die täglichen Leistungen werden online festgehalten und können die Wertung bei Wettbewerben verbessern.

Mittlerweile sind die letzten Gäste des Treffens abgefahren, die nächste große Veranstaltung ist bereits geplant: das Flugplatzfest – ob es wirklich stattfindet, könne aber aufgrund der Corona-Pandemie noch nicht garantiert werden. Sobald Näheres bekannt ist, sollen entsprechende Informationen auf der Webseite des Fliegerklubs veröffentlicht werden.