Anlieger der Gardeleger Feldstraße nahmen den Ausbau in die Hand / Stadt unterstützte

Selbst ist der Hausbesitzer

Von Gesine Biermann

Selbst ist der Mann - in diesem Fall der Hausbesitzer. Die Anlieger der Gardeleger Feldstraße hatten die Holperei über Betonplatten satt und kümmerten sich einfach in Eigenregie um den Ausbau ihrer Straße. Am Freitag wurde sie feierlich übergeben.

Gardelegen l Er hat schon viele Bänder gehalten und Reden natürlich auch. Dass eine seiner letzten Amtshandlungen als Bürgermeister allerdings die Einweihung einer Straße sei, die von deren Anwohnern allein ausgebaut worden sei, hätte er nie geglaubt, scherzte Gardelegens Bürgermeister Konrad Fuchs am Freitagabend gut gelaunt. Er war nämlich eingeladen, an der feierlichen Freigabe der Feldstraße mitzuwirken. Gemeinsam mit Rudi Weber als dem ältesten der Anwohner und dem kleinen Alexander Jakobs half Fuchs beim symbolischen Scherenschnitt mit, aber nicht ohne vorher alle Initiatoren für ihr so außergewöhnliches Engagement zu loben: "Es ist einfach klasse, was hier passiert ist. Hut ab, dass Ihr das hingekriegt habt!"

Die Vorgeschichte fasste schließlich Anwohner und Organisator Volkmar Jakobs noch einmal für alle Anwesenden zusammen. Alles begann 2011 mit dem Angebot einer Baufirma für den Ausbau der Feldstraße. Das kurze Straßenstück, eine Sackgasse seitlich des Holzweges, wird einseitig von schmucken Einfamilienhäusern flankiert. Um zu ihren Grundstücken zu kommen, mussten deren Besitzer seit vielen Jahren aber über einen Weg aus Betonspurbahnen fahren - Holpern inklusive.

Schon aus diesem Grund sei dieses Ausbauangebot auf offene Ohren gestoßen. "Wir sind also damit zur Stadt gegangen", erzählte Jakobs. Doch leider wurde dort die Vorfreude erst einmal gedämpft: "Ich musste ihnen sagen, dass ich den Wunsch gut verstehen kann, doch - so schlecht die Straße auch ist - sie hatte derzeit keine Priorität!", erinnerte sich Fuchs.

Anwohner blieben einfach hartnäckig

Dass die kleine Feldstraße dann doch noch ausgebaut wurde, hatte schließlich einen Grund: Die Anwohner blieben "hartnäckig", so Fuchs schmunzelnd. Denn sie kündigten auch an, die Kosten selbst übernehmen zu wollen. Im Falle einer Anliegerstraße wären die ja ohnehin zu 90 Prozent umgelegt worden, so Fuchs. Eine solche Herangehensweise habe er aber dennoch noch nie erlebt.

Und so wurde schließlich das Bauamt eingeschaltet. "Wir mussten zum Beispiel prüfen, ob die Maßnahme möglicherweise förderschädlich ist", die Breite musste festgelegt, die Frage einer möglichen Wendeschleife und die der Entwässerung geklärt werden, erläuterte der Stadtchef. Doch im Frühjahr 2014 gibt es schließlich grünes Licht von der Stadt. "Im November ging es los, die Platten kamen endlich raus", und schon im selben Monat sei die Maßnahme dann beendet gewesen, freute sich Volkmar Jakobs, der gemeinsam mit Anwohner Rudi Klinger die Verhandlungen mit der Stadt geführt und sich engagiert für den Ausbau stark gemacht hatte. Dafür gab es für ihn und Klinger am Freitag schließlich noch ein süßes Dankeschön, das Nachbar Florian Kauer im Namen aller überreichte.

Auf alle Feldstraßenanwohner wartete danach noch ein gemütlicher Grillabend, bei dem die neue Straße außerhalb aller Symbolik dann noch zünftig gefeiert wurde. Teilen wird hier offenbar auch nach der gemeinschaftlichen Bauaktion großgeschrieben.

Insgesamt habe die Maßnahme übrigens 27000 Euro gekostet, erklärte Konrad Fuchs. "Vielleicht war es ja gut, dass Ihr als Anlieger das Angebot selbst hereingeholt habt", mutmaßte er zwinkernd angesichts der doch recht günstigen Kosten.

Von der Gesamtsumme übernahm dann schließlich zehn Prozent die Stadt, der Rest wurde auf alle Anwohner umgelegt. Und zwar ganz professionell nach der Quadratmeterzahl der Grundstücke, erläuterte Volkmar Jakobs, "genau so, wie die Stadt das auch gemacht hätte".