Wiesenweihe

Seltene Greifvögel brüten in Trüstedt bei Gardelegen

Die Wiesenweihe, ein seltener Greifvogel, der in Deutschland die Sommermonate verbringt, fühlt sich im Altmarkkreis Salzwedel wohl.

Von Stefanie Brandt
Der diesjährige Nachwuchs der Wiesenweihe in Trüstedt.
Der diesjährige Nachwuchs der Wiesenweihe in Trüstedt. René Fonger

Trüstedt - Trüstedt ist ein Ballungsgebiet. Glauben Sie nicht? Dann fragen Sie mal einen Ornithologen. Für Vogelkundler gibt es im Bereich Trüstedt-Hemstedt nämlich etwas ganz Besonderes zu entdecken. Zwei bis drei Paare der Wiesenweihe nisten hier teilweise pro Jahr – und aufgrund der Seltenheit dieser Vögel ist das eine große Anzahl.

In jedem Jahr wird die Altmark von Gästen aus dem fernen Süden besucht. Aus der Sahelzone, südlich der Sahara reisen im Frühjahr die Wiesenweihen an. Mit 45-50 Paaren gehören die mittelgroßen, schlanken Greifvögel zu den sehr seltenen Brutvogelarten in Sachsen-Anhalt (Quelle: Berichte des Landesamtes für Umweltschutz Sachsen-Anhalt Heft 1/2019). Im Altmarkkreis Salzwedel hat sich der Bestand mit inzwischen 20 bis 25 Brutpaaren in den letzten Jahren aber gut entwickelt.

Schutzprogramm soll Jungvögel retten

Dabei hilft ein Schutzprojekt, das mittlerweile in den Händen des BUND liegt. „Dieses Schutzprogramm ist nötig, weil der Vogel zwar Wiesenweihe heißt, aber auf Getreideflächen nistet“, weiß René Fonger, der den Schutz seit Jahren koordiniert. Da die ursprünglichen Lebensräume der Wiesenweihe, Moore und Feuchtwiesen, kaum noch zu finden sind, haben sich die Vögel umorientiert. Immer wieder fiel der Nachwuchs in der Vergangenheit deshalb Erntemaßnahmen zum Opfer. Um dies zu verhindern, werden die Nester in Agrarflächen kartiert. „Ich bin überall unterwegs und suche nach den Tieren“, berichtet der Wiesenweihe-Beauftragte. Dafür schaut er zunächst am Himmel nach den Altvögeln und findet dadurch auch die am Boden gut versteckten Nester. Nach inzwischen 15 Jahren im Dienste der Wiesenweihe kennt er die beliebten Nistplätze der Vögel, die diese immer wieder aufsuchen.

„Sie leben auch mal in lockeren Kolonien, das ist eine Besonderheit bei Greifvögeln“, weiß Fonger. Teils würden die Vögel schauen, wo bereits andere Paare nisten und sich dann im kommenden Jahr auch dort ansiedeln. „Bei Trüstedt und Hemstedt gab es in den letzten Jahren fast immer ein Paar, manchmal sogar zwei oder drei.“

Gute Zusammenarbeit mit Landwirten

Auch in diesem Jahr wird bei Trüstedt wieder gebrütet. Fonger erfährt davon durch eigene Beobachtungen, aber auch durch Hinweise von Hobby-Ornithologen oder Landwirten. „Es gibt Betriebe, die haben in jedem Jahr Paare. Die wissen dann schon Bescheid. Die Zusammenarbeit ist unkompliziert und klappt wunderbar“, freut sich der Vogelfreund.

Mitte Mai beginnen die Weihen zu brüten, ab Mitte Juni schlüpfen dann die Küken, die aber erst Mitte Juli flügge werden. Hier liegt das Problem, denn zu diesem Zeitpunkt wird schon geerntet – für die Jungvögel eine tödliche Gefahr, wenn das Nest nicht zuvor gefunden wurde. Bei bekannten Nestern wird um diese herum gemäht. Fonger schützt die Vögel teils auch durch einen Meter hohe Zäune vor Fuchs und Co. „Das hat sich sehr bewährt. Der Zaunbau ist das einzige Mal, dass ich an das Nest herangehe, sonst lasse ich die Vögel in Ruhe. Die Erfolgsquote bei der Aufzucht hat sich durch diese Maßnahmen sehr gesteigert“, berichtet er.

Wenig Nahrung in diesem Jahr

In diesem Jahr werden es die Tiere aber schwer haben, ihren kompletten Nachwuchs durchzubringen. Das Nahrungsangebot ist vermutlich zu gering. Die Wiesenweihe lebt vor allem von Feldmäusen, deren Bestand hat sich über den Winter aber stark reduziert. „In guten Jahren gibt es vier, fünf Jungvögel, jetzt ist man froh, wenn es zwei schaffen“, erwartet Fonger kein gutes Jahr.