Gardelegen l Es war eine große und sehr schwere Kiste, die Helga Nelke, ehrenamtliche Mitarbeiterin des Hospizvereines Salzwedel, in der Gardelegener Begegnungsstätte der Volkssolidarität bei deren Leiterin Brunhild Deutsch ablieferte. Sie wog 20 Kilogramm, denn sie war randvoll gefüllt mit rund 3500 ausrangierten Kugelschreibern.

Brunhild Deutsch freute sich sehr über diese Kugelschreiberspende, die bares Geld wert ist. Denn die Volkssolidarität reicht diese und alle weiteren gesammelten Stifte an Familie Eichner aus dem Vorharz weiter. Die schicken die Kugelschreiber weiter an ein Recyclingunternehmen. Pro Stück erhält die Familie einen Cent. Mit diesem Geld können spezielle Therapien für ihre Tochter Anita finanziert werden, die nur im Adeli Medical Center in Pieštany (Slowakei) angeboten werden, von den Krankenkassen aber nur beim ersten Mal getragen wurden.

Erfolge der intensiven Förderung sichtbar

Anita kam 2008 als Frühchen mit nur 810 Gramm Körpergewicht zur Welt. Bei der Geburt erlitt sie Hirnschädigungen. Sie ist seitdem körperlich und geistig behindert. Als die Eltern von einer speziellen Therapie in der Slowakei erfahren, ergreifen sie die Chance, um ihre Tochter bestmöglich zu fördern. Im September 2017 fuhr Alexandra Eichner mit ihrer Tochter das erste Mal für drei Wochen Therapie am Stück dorthin, und es wurden erste kleine Erfolge sichtbar. Seitdem war Anita schon weitere Male dort: dreimal im Jahr jeweils 14 Tage – sechs Therapietage am Stück mit intensivem Training und sechs Therapeuten. Für daheim gibt es dann jeweils Hausaufgaben und weitere Therapieanwendungen.

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Und der Erfolg dieser intensiven Förderung ist sichtbar. Die kognitiven und motorischen Fähigkeiten konnten enorm verbessert werden, was auch Brunhild Deutsch bestätigte. Zweimal habe die Familie die gesammelten Stifte bisher bei der Volkssolidarität in Gardelegen abgeholt. „Und dabei konnte man sehen, dass die kleine Anita schon große Fortschritte in allem gemacht hat“, so Deutsch.

In zwei Jahren 65 000 Stifte gesammelt

Das sei beispielsweise zu sehen, wenn sie sich mit dem Rollstuhl fortbewegt. Mutter Alexandra Eichner hatte im Mai dieses Jahres, als die Familie schon einmal 16 000 Stifte in Gardelegen abgeholt hatte, berichtet, dass Anita mittlerweile sagen könne, dass sie essen oder trinken möchte. Vor Beginn der Therapie konnte sie fast gar nicht sprechen, nur Mama und Papa sagen.

Seit knapp zwei Jahren unterstützt die Volkssolidarität die Kugelschreibersammel-Aktion der Familie Eichner und hat bisher, wie Deutsch nicht ohne Stolz berichtete, 65 000 Stifte gesammelt, die sie von verschiedenen Einrichtungen wie Horte, Schulen und Firmen, aber auch von Privatpersonen gespendet wurden. Dass sich nun auch der Hospizverein Salzwedel beteiligt, freute Deutsch sehr. Wie Hospiz-Mitarbeiterin Helga Nelke erzählte, sei sie selbst Mitglied der Volkssolidarität und habe so von der Aktion erfahren. Schnell sei man sich einig gewesen, da mitzumachen. Für sie eine Selbstverständlichkeit.

Volkssolidarität unterstützt Aktion weiter

Bis zum 15. Dezember läuft die diesjährige Sammelaktion in der Gardelegener Begegnungsstätte noch. Dann wird Familie Eichner alle Stifte wieder abholen. Auf dieses persönliche Wiedersehen freut sich Brunhild Deutsch schon. Dann ist in diesem Jahr zwar erst einmal Schluss, aber es wird, wie sie sagte, im nächsten Jahr eine neue Sammelaktion geben. „Wir bleiben dran“, machte sie deutlich.