Gardelegen l „Man muss für seine Heimatstadt brennen und sie lieben, dann kommt die Routine eines Stadtführers von ganz alleine.“ Da ist sich Rupert Kaiser sicher. Im Oktober des zurückliegenden Jahres begann er, zunächst neun Männer und Frauen als neue Stadtführer für die Einheitsgemeinde Gardelegen auszubilden. „Mittlerweile sind es nur noch sieben, und eigentlich wären die Teilnehmer bereits im Mai fertig gewesen“, blickte Kaiser, der derzeit mit Monika Gille, Fabian Krüger (beide Tourist-Information), Elisabeth Schönegge (Studentin der Politikwissenschaften) sowie Gardelegens ehemaliger Bürgermeisterin Hannelore von Baehr das Stadtführer-Team bildet, zurück. Die Corona-Pandemie machte dem Ausbildungsplan jedoch einen Strich durch die sprichwörtliche Rechnung.

Trotzdem lernten die zukünftigen sieben Stadtführer einiges über die historischen Gebäude der Hansestadt und ihre unterschiedlichen Baustile. Außerdem wurde ihnen Wissen über die bekanntesten Gardelegener vermitteln. Beigebracht bekommen sie außerdem, wie eine Stadtführung geplant wird, wie man die Teilnehmer einer Stadtführung unterhält, aber auch wie Leerräume gekonnt überbrückt werden. Das sei, wie Rupert Kaiser betonte, nicht immer leicht. „Nehmen wir zum Beispiel die Strecke vom Rathausplatz zum Holzmarkt. Das sind nur wenige Meter. Trotzdem ein relativer Leerlauf.“ Mit einigen Tricks und Feinheiten, die man sich mit der Zeit aneignen könne, schaffen es dann auch die neuen Stadtführer, da ist sich Kaiser sicher, die Gäste während der Führung zu unterhalten. Darüber hinaus sollten die Männer und Frauen ihren eigenen Stil für sich entwickeln, wie sie eine Gruppe von Touristen führen möchten.

Eigene Eindrücke der Hansestadt Gardelegen spielen dabei eine wichtige Rolle und sollte mit in eine Führung eingebracht werden. Schließlich sollen sie auch einmal historische Fakten unterhaltend vermitteln. Deshalb sei es Voraussetzung, dass ein Stadtführer kommunikativ, geschichtsinteressiert, heimatverbunden und vor allem fröhlich ist, erklärte Rupert Kaiser, der nur positiv über die neuen Stadtführer spricht.

„Ich bin mir sicher, dass die Gäste sie lieben werden“, sagte Kaiser. Denn was sich nach viel Arbeit und stupidem Pauken anhört, wurde den Männern und Frauen in lockerer Atmosphäre und mit viel Spaß während der Ausbildung zum ehrenamtlichen Stadtführer vermittelt. Kaiser selbst leitet seit nunmehr zehn Jahren Gäste durch die Hansestadt. Und das meistens als Uralt-Bürgermeister Julius Beck, der 42 Jahre als Oberhaupt in Gardelegen tätig war. Für eine Beispielführung erschien Kaiser daher auch in dieser Woche in seinem Outfit.

„Diesmal geht es vom Salzwedeler Tor über den Wall bis zur Marienkirche“, so Rupert Kaiser. Eine Woche zuvor führte sie der Weg durch die Gardelegener Altstadt – vom Rathaus angefangen. Kaiser ist sich sicher: „Stadtführungen sind Entertainment, die Gäste möchten unterhalten werden und sich gerne an eine Führung zurückerinnern.“