Gardelegen l Mitte April wird der Einsatzdienst in Gardelegen mit einem besonderen Unfallbeteiligten konfrontiert: Ein 76-Jähriger, der unter einer Krankheit leidet, verursacht einen kleinen Unfall und wirkt bei der Befragung völlig desorientiert. Der Schaden? Zum Glück nur Blech. Ein 82-jähriger Gardeleger hat Anfang April weniger Glück: In Wolfsburg kann er die Situation auf einer vielbefahrenen Straße nicht einschätzen, rammt einen 27-Jährigen in seinem Pkw. Beide werden schwer verletzt. Die Fakten sind eindeutig: Laut Statistischem Bundesamt tragen 75 Prozent aller über 75-Jährigen die Hauptschuld an einem Unfall, an dem sie beteiligt waren. Doch ab wann kann man nicht mehr fahren?

Für den Gardeleger Manfred Schmidt ist das eindeutig: "Man merkt es auf jeden Fall selbst“, sagt der 82-Jährige. Sein Schlüsselerlebnis liegt schon einige Jahre zurück: er am Steuer seines Autos, neben ihm seine Frau, hinten weitere Passagiere. „Ich fuhr auf der Autobahn mitten im Gewitter.“ Stimmengewirr, Blitze, Regen. Als er zu Hause aussteigt, steht für ihn fest: Ich fahre nicht mehr! Zu groß sei die Unsicherheit gewesen.

Auf freiwilliger Basis überprüfen

Er könne verstehen, wenn jemand gerne Auto fahre, so Schmidt. Und seit dem mehrere Generationen in einem Haus selten geworden seien, „brauchen viele das Auto mehr denn je.“ Dennoch mahnt er seine Altersgenossen, ehrlich zu sich selbst zu sein: „Wer einen Unfall verursacht, wird sich sein Leben lang Vorwürfe machen.“

Und deshalb plädiert er auch für eine Kontrolle. Der Gesetzgeber, so Schmidt, sollte „auf freiwilliger Basis“ ruhig alle älteren Fahrer, „so ab 70 alle zwei Jahre“ zur Überprüfung der Fahreignung einladen. „So wie beim Gesundheitscheck.“ Dort würde sicher vielen klar, dass sie am Steuer selbst eine Gefahr sein könnten.

Angehörige sollten mitdenken

Bislang gibt es eine solche freiwillige Kontrolle in Deutschland nicht. Und viele ältere Fahrer halten das auch nicht für notwendig. Laut ADAC versichern 90 Prozent aller Senioren auf Nachfrage, dass sie keinen Fahreignungscheck brauchen.

Deshalb sollten Angehörige für ihre Eltern oder Großeltern mitdenken, empfiehlt sowohl Manfred Schmidt als auch ganz offiziell die zuständige Behörde. Wer Bedenken habe, sollte dies der Fahrerlaubnisbehörde nämlich auch mitteilen, betont Pressesprecherin Birgit Eurich vom Altmarkkreis Salzwedel. Ärztliche Befunde und Medikamentenpläne wären dabei dienlich (siehe Infokasten).