Wintercampus

Tinte, die bei Frost auf Stoffen zerfließt

16 Künstler beteiligen sich derzeit am Wintercampus der Künstlerstadt Kalbe in Vienau. Die Stipendiaten sind international.

Vienau l Eduard Tadevossian möchte einfach nur fotografieren. Der Armenier ist einer von insgesamt 16 Künstlern, die sich derzeit am Wintercampus der Künstlerstadt Kalbe in Vienau beteiligen. Seit einer Woche ist er bereits in der Altmark zu Gast. Insgesamt wird er vier Wochen bleiben. „Ich komme zu euch nach Hause, auf die Arbeit. Ich möchte von euch alltägliche Bilder machen. Ich möchte eine Dokumentation der Menschen aus Vienau und Umgebung im Alltag schaffen“, berichtet Tadevossian in akkuratem Englisch. Den Werdegang dieser fotografischen Dokumentation können sich Interessenten an den folgenden drei Sonnabenden jeweils ab 14 Uhr im Haus von Ingeborg von Kalben in Vienau ansehen. Die Stipendiaten sind dort untergebracht und laden zum Atelierrundgang ein.

Wer sich von Eduard Tadevossian in alltäglichen Situationen fotografieren lassen möchte, melde sich telefonisch im Büro der Künstlerstadt unter 039080/ 29 59 oder unter info@kuenstlerstadt-kalbe.de.

Was Tadevossian mit dem Fotoapparat schafft, möchte Harutyan Avakian mit seinen Zeichnungen erreichen. Er möchte während seines Aufenthaltes in der Altmark eine zeichnerische Dokumentation des Lebens der Menschen der Region gestalten. Auch Avakian kommt aus Armenien, aus der Millionenstadt Eriwan. Der Künstler möchte aufzeigen, was die Menschen in der ländlich geprägten Altmark im Gegensatz zu den Menschen der Metropole Eriwan ausmache.

Dass überhaupt armenische Künstler beim Wintercampus begrüßt werden können, sei einer Kooperation des Kultusministerium Sachsen-Anhalts mit Armenien zu verdanken. „Armenien ist Partnerregion Sachsen-Anhalts. Und im Rahmen dieser Partnerschaft ist ein Austausch der Künstler möglich“, erklärt Corinna Köbele, Vorsitzende des Vereines Künstlerstadt Kalbe. Ansonsten sei es sehr schwierig für armenische Künstler, Kontakt zu internationalen Künstlern zu bekommen, wie Köbele erklärt. Zudem hoffe die Künstlerstadt auf Fördermittel des Landes für Fahrtkosten der Künstler. „Wir haben Anfragen aus Brasilien, Panama, Bangladesch oder Nigeria. Sie alle wollen nach Kalbe kommen. Den Künstlern ist aber oft die Anfahrt zu uns nicht möglich“, schildert die Vorsitzende.

Neben den armenischen Teilnehmern gehören auch Künstler aus Südkorea, Chile, der Ukraine, England, Österreich und Deutschland zu den diesjährigen Stipendiaten. Während ihres mehrwöchigen Schaffensprozesses beim Wintercampus inspirieren sie sich oft gegenseitig. Es entstehen Bilder, Installationen, Musikprojekte und eine Videoperformance.

Maria Constanza Carvajae aus Chile setzt sich zum Beispiel mit dem Thema Stille auseinander. Vorhänge seien für sie ein Symbol, Orte der Stille einzugrenzen oder auszugrenzen. Mit Stoffen gestaltet sie ihren künstlerischen Ausdruck.

Ebenfalls mit Stoffen arbeitet Hyunsung Park. Die Südkoreanerin lässt Tinte über Stoffe fließen. Und das unter freiem Himmel. Bei den frostigen Temperaturen derzeit sorge dies für bizarre Muster. Ihren Schaffensprozess nimmt sie mit der Kamera auf, lässt eine Videoperformance entstehen.

Stipendiaten sind bereits im dritten Jahr in Vienau zu Gast. „Wir erfahren hier viel Unterstützung. Die Vienauer nehmen uns gut auf“, sagt Köbele. Jeder Künstler hat einen Paten aus der Region an seiner Seite, der ihn unterstützt, Fahrdienste leistet. So entstehe der Kontakt zwischen Stipendiaten und Einwohnern.