Gardelegen l Die Zahlen sprechen für sich, auch wenn es bundesweit keinen Giftköderstatistik in dem Sinne gibt. Aber Gisela Kürten, Mitglied des Gardelegener Tierschutzvereines, konnte dennoch einige Fakten nennen. So meldet die Tierklinik Magdeburg jährlich 30 bis 40 Giftköder-Anschläge. In Bayern wurden im vorigen Jahr rund 200 Fälle zur Anzeige gebracht. Die Zahlen zeigen: „Es ist eine reale Gefahr.“ Hinzu komme, dass es mit der tierärztlichen Notfallbetreuung „in unserer Region mau aussieht“, so Kürten. Die nächste Tierklinik mit einem 24-Stunden-Notdienst ist in Königslutter beziehungsweise in der Nähe von Braunschweig. Im Falle einer Vergiftung müsse allerdings immer eine Tierklinik aufgesucht werden. Die Therapien, die eingeleitet werden müssen, übersteigen in der Regel die Möglichkeiten einer Haustierarztpraxis, so Kürten.

Wie Hundehalter ihre vierbeinigen Schützlinge vor der Gefahren, einen Giftköder zu fressen, bewahren können, demonstrierte Kürten mit ihrem Hund Pico. Der neunjährige Bardino-Mix lebt seit vier Jahren bei ihr. An ihm zeigte sie die Kommandos, die man einem Hund beibringen kann, damit dieser ein gefundenes „Fresserchen“ nicht einfach aufnimmt, sondern es anzeigt, verweist wie es in der Fachsprache heißt.

Hunde sind Opportunisten

Bevor dieses Training begonnen wird, sollte das Kommando Sitz beziehungsweise Platz schon fest sitzen. Für diejenigen, die ihren Hunden dies noch nicht beigebracht haben, zeigte Gisela Kürten, wie das angegangen werden kann. Sitzt dieses Kommando kann dem Vierbeiner das Anzeigen von gefundenem Fressen beigebracht werden. „Hunde sind Opportunisten. Deshalb muss ihnen statt der gefundenen Nahrung etwas Besseres angeboten werden. Etwas, dass er für jedes andere Fressen verschmäht, „der absolute Jackpot also“. Und das könne dem Tier antrainiert werden.

Zu Beginn dieses Trainings müsse der Hund an die Leine. Ein Stück Brot oder etwas ähnliches wird abgelegt ohne dass der Hund dies mitbekommt. Dann wird das Areal, in dem das Versteckte liegt, mit dem Tier betreten. Entdeckt er den Köder, müsse sofort das Kommando „Sitz“ erfolgen. Klappt das und dieser wird nicht angerührt, gibt es den „Jackpot“ zur Belohnung. Später wird dazu auch die Leine abgelegt. Auch dann sollte der Hund sitzen bleiben und nicht zum abgelegten Köderstück laufen. Als nächsten Schritt sollten Hundebesitzer vor dem Gassigang Fressbares am Wegesrand verstecken. Dann kann anschließend beim Spaziergang unter realen Bedingungen geübt werden.

Immer Schritt für Schritt

Wichtig sei bei diesen Übungen auch, dass sie nicht jedesmal am gleichen Ort erfolgen, denn Hunde verbinden Situationen oft mit Orten. Was immer an ein und der selben Stelle trainiert wurde und dort klappt, könne woanders überhaupt nicht funktionieren, gab Kürten zu bedenken.

Auch sollten die Hundebesitzer nicht zu ungeduldig sein. Die einzelnen Trainingsschritte müssen sitzen. „Man darf nicht zu schnell weitergehen. Immer Schritt für Schritt.“ Und auch wenn es schon gut funktioniert und das Haustier beim Gassigehen auf einen Fund verweist, sollte dies dennoch hin und wieder geübt werden. Mit diesem Training konnte das Mitglied des Tierschutzvereines schon gute Erfahrungen machen. „Das ist keine Hexerei. Das funktioniert wirklich.“

Jeden Giftköder bei Polzei anzeigen

Schließlich machte Gisela Kürten noch deutlich, dass jeder Fund eines Giftköders bei der Polizei zur Anzeige gebracht werden sollte. So könnten eventuelle Muster erkannt und ausgewertet werden. Außerdem können sich Hundebesitzer eine App herunterladen, die anzeigt, wo Giftköder gefunden worden sind.

Rund 25 Hundehalter nutzten am Sonnabend das Trainingsangebot des Tierschutzvereines Gardelegen, unterstützt vom Tierheim Gardelegen, im Rathaussaal. Dort fand die Trainingsstunde unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln statt. Nicht nur Gardelegener kamen zu dieser Veranstaltung. „Es haben sich auch Leute aus dem Umland angemeldet. Sogar aus Stendal, zum Beispiel aus dem Ortsteil Börgitz“, berichtete Kürten. Wer bei der Umsetzung des Trainings Probleme hat, kann er sich bei der Hundeberatung des Tierschutzvereines melden.