Sallenthin l Spike, ein Staffordshire Terrier, hat Autoaggressionen entwickelt. Der Rüde hat sich selbst so oft und stark in den Schwanz gebissen, dass er sich diesen quasi selbst amputiert hat. Er leckt seine Füße so stark, dass sie bluten. Aber auch Menschen gegenüber verhält er sich aggressiv. Das Tierheim Mainz konnte diesen Hund nicht mehr vermitteln. Es gab ihn in die Obhut von Samira und Judith Vogelsang. Das Paar, seit einem Jahr verheiratet, betrieb in Hildesheim eine Trainingspension für Hunde, welche Verhaltensauffälligkeiten aufweisen. Seit vier Wochen hat diese Pension ihren Sitz in Sallenthin. Genau beschrieben im Gehöft an der Bundesstraße 71 nahe dem Abzweig Sallenthin.

Dass das Paar seine Existenz in der Altmark ausbaut, ist Zufall. Hildesheim ist dichter besiedelt. Bewohner aus der Nachbarschaft sahen nicht unbedingt mit Wohlwollen auf die Pension. „Aggressionen sind in unserer Gesellschaft nicht gern gesehen“, so Samira Vogelsang. Obwohl die Hunde gesichert sind und Maulkorb tragen, gab es keine Akzeptanz bei der Bevölkerung. „Wir waren die mit den aggressiven Hunden, dann auch noch zwei Frauen und eine von denen Dreadlocks“, fasst sie zusammen. Und da die beiden ihre Pension ohnehin erweitern wollten, suchten sie nach entsprechenden Grundstücken mit Alleinlage. „Sobald wir eines gefunden hatten, fragten wir bei den Behörden auch gleich an, ob wir für unsere Pension eine Genehmigung bekommen werden“, fügt die 31-Jährige hinzu.

Alleinlage mit großem Hof

In Sallenthin hat schließlich alles gepasst. Das Grundstück ist groß genug für das Vorhaben des Paares. Seit vier Wochen liegt eine Genehmigung durch die Behörde des Altmarkkreises vor. Derzeit werden acht Hunde auf dem Hof betreut. Im Nebengelass des einstigen landwirtschaftlichen Hofes mit Ziegelei sollen Hundehäuser ausgebaut werden. Ziel ist es, dass zukünftig zehn bis 15 Hunde gleichzeitig Unterkunft finden können. Probleme mit den Leuten aus der Nachbarschaft gebe es keine. „Die Leute hier sind sehr interessiert und aufgeschlossen. Wir haben nur positive Rückmeldungen bekommen“, schildert die Hundetrainerin.

Auf den Hund gekommen ist Samira Vogelsang bereits in ihrer Kindheit. „Ich wollte immer einen Hund haben, durfte aber nie. Meine Mutter dachte, dass ist nur eine Laune.“ So begann sie die Hunde vom Nachbarn auszuführen, sogar drei gleichzeitig. Die Liebe für Hunde blieb. Beruflich orientierte sich Samira Vogelsang aber anderweitig.

Beruf und Herzensangelegenheit

Sie ergriff einen sozialen Beruf, arbeitete als Altenpflegerin und für eine gewisse Zeit sogar in einem Casino. Und schließlich arbeitete sie als Hundetrainerin. „Ich musste mich erst einmal trauen, schließlich ist Hundetrainer in Deutschland kein anerkannter Ausbildungsberuf.“ Erst seit 2016 gibt es eine Zertifizierung. Bis zu diesem Zeitpunkt durfte sich jeder Hundetrainer nennen ohne eine Qualifikation vorlegen zu müssen.

Den Schritt zum Hundetrainer wagte sie vor zehn Jahren aber trotzdem. Zunächst unterstützte sie andere Trainer. Vor drei Jahren erhielt sie diese Zertifizierung und führt seitdem selbstständig ihre eigene Hundeschule. „Es ist berufliche Existenz aber auch Herzenssache.“

Kalle ist nun Familienhund

Dabei hat sich Samira Vogelsang auf problematische Tiere spezialisiert, die nicht gruppenkompatibel sind, Aggressionen und auffälliges Verhalten aufweisen. „Das sind Tiere, mit denen der Halter nicht mehr zurecht kommt. Meine Kunden sind aber nicht nur Privatpersonen, sondern auch Tierheime und Tierschutzvereine. Hunde, die aufgrund ihrer Auffälligkeiten nicht mehr vermittelbar sind oder aus der Vermittlung zurückgegeben worden sind, nehmen wir auf.“ Angeboten werden sowohl einzelne Trainingsstunden, auch mit dem Halter, als auch Aufenthalte über einen längeren Zeitraum. Bei Bedarf werden die Tiere für mehrere Monate in der Trainingspension aufgenommen und trainiert.

Einen solch auffälligen Hund namens Kalle hatte auch Judith Vogelsang. Mit ihm kam sie zum Training zu Samira. Aus beiden wurde ein Paar. Und das nicht nur im Leben. Mit der Trainingspension bauen sich beide eine gemeinsame Existenz auf. Die 33-Jährige befindet sich derzeit ebenfalls in der Trainingsausbildung. Die Theorie absolviert sie in einem Fernstudiengang an der Akademie für Tier- und Naturheilkunde. Die notwendige Praxis erlernt sie in der Trainingspension in Sallenthin. Und Kalle gibt es immer noch. Er ist als Familienhund mit in die Altmark gezogen.