Gardelegen l „Jetzt mähen die das letzte bisschen Grün auch noch ab. Da verbrennt der Rasen doch völlig.“ Dass der Anrufer fassungslos ist, ist selbst am Telefon nicht zu überhören. Als Wobau-Mieter fällt der Mann (Name der Redaktion bekannt) vor einigen Tagen aus allen Wolken, als die Grünarbeiter der Lebenshilfe vor dem Neubau an der Gartenstraße anrücken. Das, so findet der Volksstimme-Leser, sei doch nun wirklich unnötig und koste unnötig Geld.

Eigentlich sei eher das Gegenteil der Fall, widerspricht auf Nachfrage Wobau-Chef Wolfgang Oelze. Denn die Lebenshilfe, die vertraglich die Rasenpflege übernimmt, rechne nach Aufwand ab. „Und in diesem Jahr wurde nicht so viel gemäht.“ Allerdings sei der Anteil der Grünpflege in der Betriebskostenabrechnung ohnehin nur ein sehr kleiner Teil.

Daran, dass der Rasen auch in solchen Trockenphasen wie sie derzeit herrschen gemäht werden muss, lässt Oelze aber keinen Zweifel: „Denn wenn wir nicht mähen, nehmen die Tiefwurzler überhand, und dann haben wir im kommenden Jahr gar keinen Rasen mehr.“ Außerdem solle es ja auch ordentlich aussehen, sagt Oelze. Deshalb müsste eben auch derzeit ab und an mal gemäht werden. „Und der Rasen verbrennt deshalb auch nicht mehr, als er jetzt schon verbrannt ist.“

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Sprengen kommt trotz der derzeitigen Trockenheit aber nicht infrage. Das betont auf Nachfrage auch Dagmar Bauer, die in der Stadtverwaltung die Grünarbeiten koordiniert.

Kein Verständnis für Rasensprenger

Gerade jetzt sollten die Ressourcen geschont werden, betont sie. Leider sähen das nicht alle so. In einer Grundschule in der Einheitsgemeinde sei vor Schulbeginn tatsächlich der Rasensprenger an gewesen. Eine Entscheidung, die sie persönlich nicht nachvollziehen könne, betonte Bauer.

Ausnahmen gibt es allerdings auch im Städtischen: „Die frisch gepflanzten Bäume gießen wir natürlich“, sagt die Fachfrau. „Die würden sonst nicht durchhalten.“ Für solche Zwecke stehen transportable Tanks zur Verfügung. Zudem könnten die städtischen Grünarbeiter auch Schläuche an die Hydranten ankoppeln.

Und auch an manchen speziellen Stellen wird gewässert. So zum Beispiel auf dem Spielplatz der Wander-Grundschule. Da nämlich wurde im Zuge von Sanierungsmaßnahmen Rasen frisch angesät. Und das wäre ohne anschließendes Wässern ja ebenfalls sinnlos.

Apropos Rasen: Nicht nur die Wobau, auch die Stadt mäht nach wie vor, betont Bauer. „Denn die Wildkräuter wachsen auch wenn kein Regen fällt.“ Und auch sonst gebe es bei der Trockenheit genug zu tun: „Unsere Leute langweilen sich garantiert nicht.“ Auch weil schon jetzt Arbeiten anfallen, die sonst eher in den Herbst gehören: „Viele Bäume verlieren jetzt schon ihr Laub. Besonders die Linden sind davon betroffen.“ Und Gardelegen hat schließlich einen ganzen Lindenwall rund um die Stadt.

An manchen Stellen liegt das Laub hier schon 20 Zentimeter hoch. Solche Mengen müssen sogar schon mit Traktoren aufgenommen werden, macht Dagmar Bauer klar.

Herbst ist es pflegetechnisch auch schon auf der Gedenkstätte. Roland Schneidereit, der das Gelände in Ordnung hält, muss ebenfalls schon fleißig Laub harken und ab und an mähen. Aber auch dort bleibt der Wasserhahn aus. Ein Gutes hat die Trockenheit aber vielleicht: „Ich glaube, mittlerweile ist das ganze Moos im Rasen weg“, sagt Schneidereit.