Gardelegen l Ein weißes Auto rast mit quietschenden Reifen aus dem Hopfentunnel kommend um die Kurve in die Bahnhofstraße. Dahinter folgt ein Polizeiwagen. Der Fahrer des Fluchtautos schafft die Kurve nicht. Das Auto knallt gegen den Bordstein. Ein Reifen platzt. Die Fahrt ist zu Ende. Eine Tür geht auf. Ein Mann steigt aus und rennt über den Platz in Richtung Tunnel.

Großaufgebot baut sich auf

Der Weg für die anderen vier Insassen ist versperrt. Das Polizeifahrzeug steht quer vor dem Fluchtauto mit Berliner Kennzeichen. Die Männer müssen aussteigen und werden von den Beamten in Empfang genommen. Eine erste Leibesvisitation erfolgt direkt auf der Straße. Hemd hoch, die Polizisten tasten die Männer ab.

Das Auto wird durchsucht. Unterdessen kommen weitere Polizeifahrzeuge. Ein Großaufgebot, schildern Augenzeugen. Ein Fahrzeug kommt aus Richtung Hopfentunnel und bringt den flüchtigen Mann zum Ort des Geschehens zurück. Auch er wird abgetastet.

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„Alle wirkten hypernervös und aufgeregt. Die hatten bestimmt ein superschlechtes Gewissen“, vermutet eine Frau im Volksstimme-Gespräch, die die Szenerie von Anfang an beobachtet hat. Eine Polizistin legt den vier anderen jungen Männern Handschellen an. Sie müssen in einen Mannschaftswagen einsteigen und werden zum Revierkommissariat gebracht. Der zunächst geflohene Mann wird extra in einem Polizeiwagen weggefahren – ebenfalls in Handschellen.

Ein Polizist bleibt zurück. Er holt diverse Sachen aus dem Fluchtauto, montiert die Kennzeichen ab und verschließt den Pkw. Der bleibt vor dem dortigen Dönerladen stehen – zumindest zunächst.

Filmreife Szenen, nachdem „bekannt geworden war“, wie es dazu im Polizeibericht heißt, dass fünf Täter mehrere Schuhe aus einem Schuhgeschäft im Hanse-Center gestohlen haben sollen.

Nach Angaben einer Verkäuferin habe einer der fünf Männer sich beraten lassen. Währenddessen hätten die anderen Täter die Sicherungen von sechs Paar Schuhen entfernt. Danach hätten sie das Geschäft verlassen und seien in einem Pkw samt Diebesgut im Wert von etwa 300 Euro davon gefahren. Weit kamen sie, wie eingangs geschildert, nicht.

Ein schneller Fahndungserfolg, zeigt sich Polizeisprecherin Dana Banschus auf Volksstimme-Anfrage erfreut. Ob ein Zusammenhang mit dem Überfall auf den ABC-Schuhladen am Klammstieg am 3. Juli besteht, werde geprüft, ergänzte ein Polizeisprecher.

Zwei Männer hatten das Geschäft überfallen, die Mitarbeiter mit einem Messer bedroht und die Herausgabe von Bargeld verlangt. Sie erbeuteten eine Summe im unteren vierstelligen Bereich. Nach dem Überfall ergriffen die Männer die Flucht. Die Polizei leitete sofort eine Fahndung ein. Ein Fährtenhund kam zu Einsatz. Über zwei Stunden kreiste ein Polizeihubschrauber über der Stadt. Zahlreiche Polizeiwagen waren im Stadtgebiet unterwegs. Einen Erfolg brachte die Fahndung am Freitag nicht.

Bandendiebstahl kommt in Frage

Bei den gestern festgenommenen Tätern handelt es sich um Männer zwischen 20 und 32 Jahren mit Wohnsitz in Nordrhein-Westfalen und Berlin. Sie wurden im Revierkommissariat in Gardelegen vernommen. Einer der Täter wurde noch in der Nacht aus dem polizeilichen Gewahrsam entlassen. Gestern Nachmittag wurden die anderen vier Männer dem Haftrichter vorgeführt. Im Fluchtfahrzeug wurde neben den gestohlenen Schuhen noch etwa 100 Zigarettenschachteln gefunden. Das Fahrzeug war weder zugelassen noch versichert.

Ob ein Diebstahl von sechs Paar Schuhen eine Festnahme in Handschellen rechtfertige, bestätigte der Polizeisprecher gestern Nachmittag auf Volksstimme-Anfrage. Bei fünf Personen könne man von einem bandenmäßigen Diebstahl ausgehen. Geprüft würden indes noch weitere Sachverhalte. Die Verhandlungen dauern an.