Eichenprozessionsspinner

Waldbesitzer wollen warnen: Eichenprozessionsspinner im Drömling

Aus den Eichenprozessionsspinnerraupen im Drömling sind Schmetterlinge geworden. Das Problem: Die Nester und damit die Brennhaare der Raupen bleiben eine Gefahr.

Von Stefanie Brandt 10.08.2021, 10:00
Dorita König, direkt betroffene Waldbesitzerin und Vorstandsmitglied der Forstbetriebsgemeinschaft, und Friedrich Plock-Girmann, ebenfalls aus dem Vorstand, zeigen eines
 der zehn Schilder, die Waldbesucher vor dem Eichenprozessionsspinner warnen sollen.
Dorita König, direkt betroffene Waldbesitzerin und Vorstandsmitglied der Forstbetriebsgemeinschaft, und Friedrich Plock-Girmann, ebenfalls aus dem Vorstand, zeigen eines der zehn Schilder, die Waldbesucher vor dem Eichenprozessionsspinner warnen sollen. Foto: Stefanie Brandt

Mieste - „Man bekommt einen anderen Blick auf die Dinge, wenn man sie am eigenen Leibe spürt.“ Friedrich Plock-Girmann ist Waldbesitzer und fürchtete beim Thema Eichenprozessionsspinner bisher vor allem um seine Baumbestände, nicht aber um seine Gesundheit – bis er selbst Bekanntschaft mit den Brennhaaren der Raupen machte. Wenn er darüber redet, reibt er sich die Arme in Erinnerung an die Schmerzen.

Ähnlich geht es Dorita König. Die Waldeigentümerin ist wie Plock-Girmann im Vorstand der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Mieste und mag beim Vor-Ort-Termin im Revier Solpke keinesfalls zu dicht an die Bäume herangehen, denn auch sie hat bereits Erfahrung mit den Brennhaaren gesammelt. „Ich selbst habe mich heute vermummt, Stiefel an, Gummihandschuhe in der Tasche und eine Jacke mit“, erklärt sie und ergänzt: „Wer da wirklich Pech hat, der landet ein paar Stunden später in der Notaufnahme.“

Schilder warnen Besucher

Damit dies nicht etwa Erholungsuchenden im Drömling passiert, hat das zuständige Betreuungsforstamt Letzlingen auf Wunsch der Waldbesitzer Warnschilder aufgestellt, eines davon findet sich direkt am Naturlehrpfad, den auch Schulklassen und Familien gern nutzen.

Forstamtsleiter Stefan Quitt: „Die Waldbesitzer kennen die Gefahr im Regelfall. Auch wir betreten die Gebiete nur noch mit viel Unwohlsein.“ Es hätte zwar bisher noch kein hiesiger Waldarbeiter ins Krankenhaus gemusst, aber einige hätten schon gesundheitliche Probleme aufgewiesen. „Waldbesucher können die Gefahr nicht beurteilen, wenn sie auf dem Radweg durch den Drömling fahren oder auf dem Naturlehrpfad gehen. Wir animieren die Leute ja eigentlich auch, sich den Wald genau anzuschauen“, stellt Quitt das Dilemma dar.

Bekämpfung im eingeschränkten Rahmen

Viel mehr Möglichkeiten als zu warnen, haben die Forst-Mitarbeiter nicht. „Wir bekämpfen nur auf Grundlage des Biozid-Rechtes. Und das sehr eingeschränkt, also nur die Waldränder. Nun sind die Tiere aber sehr mobil“, weiß Quitt, dass dies nur der unmittelbaren Gefahrenabwehr für die Spaziergänger und Radfahrer dient, nicht aber die Vermehrung der Tiere bremst.

Und deren Zahl hat sich in den vergangenen Jahren erhöht. „Ich habe den Eindruck, dass es in diesem Jahr einen starken Befall gibt, auch dort, wo es in den vergangenen Jahren wenig Probleme gab“, schildert Quitt.

Schutz des Menschen im Vordergrund

Alle bisher durchgeführten Maßnahmen dienen nur dem Schutz des Menschen, nicht aber dem Schutz des Baumbestandes. Waldbesitzer Plock-Girmann würde sich einen größeren Handlungsspielraum wünschen. „Im Harz hat man gegen den Borkenkäfer nichts gemacht und man sieht, was daraus geworden ist“, malt er sich schlimme Bilder aus, stellt aber gleichzeitig klar: „Wir sind ja nicht gegen die Naturschützer. Wir haben unseren Wald über Jahre gepflegt, sind grün mit unseren Taten, nicht ideologisch.“

Doch ein umfangreicherer Einsatz von Bacillus thuringiensis, dem Mittel, dass die Förster nutzen, stünde im Interessenkonflikt mit den Zielen des Biosphärenreservates, glauben die Waldbesitzer. Auch wenn die Forstmitarbeiter bei einer Zählung von geschädigten Insekten nach einem Einsatz im Vorjahr nur einen sehr geringen Prozentsatz an anderen Faltern als dem Prozessionsspinner vorfanden, die laut Quitt auch nicht auf der Roten Liste stehen.

Biosphärenreservat hofft auf Kohlmeisen

„Dass der Biozideinsatz nicht erlaubt ist, hat nichts mit dem Biosphärenreservat zu tun“, stellt dessen Verwaltungschef Fred Braumann klar. Auch er sehe die Raupen als ein großes Problem, aber aufgrund der Gewässernähe – und die Gräben sind nun mal ein Alleinstellungsmerkmal des Drömlings – sei der flächige Einsatz einfach nicht erlaubt. Froh ist er deshalb, dass ein in diesem Jahr durchgeführtes Forschungsprojekt der Hochschule Anhalt mit aufgehängten Meisenkästen einen „kolossalen Unterschied“ gemacht habe, „auch wenn ich mich selbst frage, wo die ganzen Vögel plötzlich herkamen.“ Die Reservatsverwaltung wolle 2022 auf jeden Fall vermehrt Kästen aufhängen lassen. Bis ein Mittel gefunden ist, das die Spinner endgültig vertreibt, müssen Waldbesucher weiter auf der Hut bleiben und sollten die aufgestellten Schilder im Drömling unbedingt ernstnehmen, denn das windige Wetter ist dafür prädestiniert, die Brennhaare der Raupen durch den Wald fliegen zu lassen.