Gardelegen l Die Trockenheit im Sommer 2018 ist noch jedem gut in Erinnerung. Wochenlang fiel kein Tropfen Regen vom Himmel. Nicht nur die Land- und Forstwirtschaft sehnte erfrischendes Nass herbei, sondern auch jeder, der abends seine Gieß- und Rieselrunden über Hof und Garten drehte. Haben die mehr als geringen Niederschläge im vergangenen Jahr auch Einfluss auf das Grundwasser? Diese Frage stellte Johannes Förster, Mitglied der Verbandsversammlung des Wasserverbandes Gardelegen. Die Antwort gab es bei der jüngsten Verbandsversammlung vom technischen Leiter Karsten Scholz. Denn die Auswertung über die Wasserförderung und das Grundwassermonitoring 2018 liegt jetzt vor.

Fazit: Trotz der höheren Entnahme 2018 aufgrund der sehr niedrigen Niederschläge wurde die Kapazität, also die erlaubte Entnahmemenge nach dem Wasserrecht, nicht überschritten. „Die Grundwasserförderung erfolgte im Einklang mit dem regionalen Grundwasserhaushalt und der Grundwasserneubildung.“ Es sei keine förderungsbedingte Beeinflussung und Beeinträchtigung der Grundwasserstände in den Einzugsgebieten anhand der Monitoringdaten erkennbar.

Keine Restriktionen für die Verbraucher

Scholz schränkte zwar ein, dass die ungewöhnliche Niederschlagsentwicklung der Jahre 2017 mit viel Niederschlägen und 2018 mit sehr wenig Regen derzeit noch keine Prognose bezüglich der aktuellen Situation zulasse. Aber die Auswertung der Daten zur Entnahmemengen in diesem Jahr bis Ende Mai/Mitte Juni zeigten bereits, dass man deutlich unter der Fördermenge von 2018 im selben Zeitraum liege.

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Im vorigen Jahr habe die Natur ja schon im April und Mai gedurstet. Dennoch gab es bis auf wenige Ausnahmen mit Tagesspitzen hoher Wasserentnahme keine Probleme, die erlaubten Wasserrechte einzuhalten, erklärte der technische Leiter. So habe es auch im hiesigen Bereich den ganzen Sommer über keine Restriktionen für die Verbraucher gegeben, die über das normale Wassersparen hinaus gingen. In diesem Jahr gab es doch schon einige Niederschlagsmengen mehr, so dass die Entnahmekurve auf normalem Niveau liege. „Es wird eine Entspannung geben“, ist sich Scholz sicher. Die Natur reguliere sich in den meisten Fällen selbst.

Der Wasserverband verfügt über vier Wasserwerke. Sie befinden sich in Gardelegen, Solpke und Wiepke, die im Verbund betrieben werden und das geförderte Wasser aufbereiten, und Bismark. Von dort werden sie über ein Netz von 430 Kilometern Versorgungsleitungen und fünf Druckerhöhungsanlagen auf einer Fläche von 841 Quadratkilometern zu den rund 10 500 Hausanschlüssen befördert. Die Förderung erfolge über 24 Tiefbrunnen in 35 bis knapp 50 Metern Tiefe. Die Entnahmemenge ist im Wasserrecht festgelegt.

Zur Datengewinnung dienen die Förderbrunnen und weitere Messstellen im Zustrombereich, wo auch die Probenentnahme für die Qualitätskontrolle erfolgt, und Messstellen im Abstrombereich, um die Auswirkungen der Wasserförderung festzuhalten. Und es zeigte sich in den vergangenen Jahren laut Scholz ein relativ gleichmäßiger Linienverlauf. Zumeist gibt es ein Frühjahrshoch durch die Winterniederschläge, eine Sommersenke und ein Wiederanstieg im Herbst.

Seit 2010 konnte dabei ein kontinuierlicher Grundwasseranstieg registriert werden. Das erhöhte auch die Förderströme im Netz, was vermehrt zu Rohrbrüchen und damit Wasserverlusten führte. 2016 gab es eine Abflachung, da auch in dem Jahr geringe Niederschläge fielen. Dem gegenüber steht 2017 mit einem sehr deutlichen Anstieg aufgrund des sehr feuchten Sommers. Bis zum Frühjahr 2018 kam das zum Tragen. Dann wurde wieder ein deutliches Absinken aufgrund der Trockenheit registriert. Dennoch, machte Scholz deutlich, seien die Grundwasserstände insgesamt immer noch höher als in früheren besonders trockenen Jahren. 2013 war ein solches. Es sei aber so, das eine Erholung der Grundwasserstände immer möglich sei. Sie stünden im Einklang mit der Förderung.

Wasserverbrauch sinkt kontinuierlich

Und dafür hatte der technische Leiter die Zahlen von 2017 und 2018 mitgebracht. Sie zeigen, dass immer weniger Wasser gefördert werde als es laut Wasserrecht möglich wäre. Auch wenn es im vergangenen Jahr doch einige Kubikmeter mehr waren. Das Wasserwerk Gardelegen darf 1,46 Millionen Kubikmeter Wasser fördern. 2017 waren es 908 255 Kubikmeter (62 Prozent), im vergangenen Jahr 1 042 949 Kubikmeter (71 Prozent). Solpke darf 438 000 Kubikmeter fördern. 2017 waren es 410 126 Kubikmeter, im vergangenen Jahr 432 841 Kubikmeter (99 Prozent). Wiepke darf 401 500 Kubikmeter Wasser fördern. 2017 waren es 362 637 Kubikmeter (90 Prozent), im vergangen Jahr 385 576 Kubikmeter (96 Prozent).