Gardelegen/Zichtau l 60.000 Kinder leben deutschlandweit in Kinderheimen. Eine Zahl, die Heike Krieg betroffen macht. Sie selbst hat einen erwachsenen Sohn und lebt in einer Patchworkfamilie. Sie hat früher in einer Kita gearbeitet. „Kinder und soziale Projekte, da springe ich sofort auf“, erzählt die 51-Jährige im Volksstimme-Gespräch. Und sie springt offenbar nicht nur auf, sondern packt dann auch tatkräftig zu. Denn sie hat in privater Regie ein ganz besonderes Projekt auf die Beine gestellt, das in diesem Jahr zum nunmehr sechsten Mal stattfinden wird und das im Laufe der Jahre immer mehr gewachsen ist. Unter dem Motto „Lieber gemeinsam als einsam“ bewirtet und beschenkt sie am Heiligen Abend Kinder aus Kinderheimen. Richtig mit Weihnachtsmann und Weihnachtselfe – „wie zu Hause eben“, sagt Heike Krieg mit einem strahlenden Lächeln. Die Geschenke werden gesponsert. Sie hat bereits einen Helferstamm, der sie unterstützt. Aber weitere Helfer sind natürlich immer willkommen.

Doch der Reihe nach. „Ich hatte in meinem Leben auch nicht immer nur rosige Zeiten“, räumt die 51-Jährige ein. Sie sei immer ein optimistischer Mensch gewesen, aber 2010 habe sie sich eine berufliche und private Auszeit nehmen müssen. „Und dabei habe ich erlebt, wie schnell etwas zu Ende gehen kann“, erinnert sich Heike Krieg. Eines Tages bekam sie ein Buch von Sabine Asgadom in die Hände. „Greif nach  den Sternen“, „eine Geschichte, die man unbedingt lesen sollte“, betont Krieg. In diesem Buch gehe es darum, das man Zeichen setzen sollte im Leben. „Und dieses Projekt ist mein Zeichen im Leben.“ Und die Zahl der Kinder, die in Kinderheimen leben müssen, habe sie schockiert. „Sicher werden die Kinder auch gut versorgt. Sie sollen aber auch außerhalb der Heime erfahren, dass es Menschen gibt, denen sie vertrauen können, die sich für sie einsetzen“, sagt Krieg. Und deshalb sollten es für ihr Lebensprojekt Kinder aus Kinderheimen sein, Tiere aus Tierheimen und seit zwei Jahren auch einsame Senioren.

Wichtelsponsoren gesucht

2014 fand das erste Weihnachtsprojekt statt, damals mit zehn Kindern aus dem Kinderheim Jerchel. In ihrem damaligen „Café glücklich“ in Klötze hatte sie Waffeln gebacken und Spaghetti gekocht. Im zweiten Jahr waren es dann schon die Kinderheime in Abbendorf und Jerchel sowie das Tierheim Ahlum, die am Heiligen Abend beschert wurden. Das Projekt entwickelte sich immer weiter. 2017 fand das Weihnachtsessen erstmals auf Gut Zichtau statt, denn ihre neue berufliche Herausforderung im Gutscafé hatte sie mittlerweile nach Zichtau verschlagen. Kinderheime aus Letzlingen, Jerchel, Winterfeld und das Tierheim Ahlum gehörten zu den Gästen. Im vorigen Jahr kam das Apenburger Kinderheim dazu.

Am Heiligen Abend dieses Jahres werden die Heime aus Jerchel, Letzlingen, Apenburg, Winterfeld, Recklingen, Abbendorf, das Tierheim Gardelegen und einige Senioren im Kornspeicher auf Gut Zichtau Weihnachten feiern. Etwa 60 Mädchen und Jungen erwartet Heike Krieg. Im Rahmen eines Martinsfestes werden die Kinder ihre Wunschzettel abgeben. Das Gardelegener Tierheim hat für zehn Vierbeiner Wünsche offen, wie Futter, Kratzbäume für Katzen und Ähnliches. Die Kinder erhalten Geschenke im Wert von bis zu 50 Euro, für die Tiere sind es 30 Euro.

Kartoffelsalat und Würstchen

In der Orangerie des Gutes wird ein Wunschzetteltannenbaum stehen. Ab dem ersten Advent können die Wünsche dann quasi vom Baum gepflückt werden. Das übernehmen sogenannte Wichtelsponsoren, die dann die Geschenke kaufen und verpacken. Und da es in diesem Jahr viele Heimkinder sind, hofft Heike Krieg auf viele neue Wichtelsponsoren, die sich dieser Aktion anschließen wollen. Das Gutscafé in der Orangerie wird dazu auch an allen Adventssonntagen geöffnet sein. In dieser Zeit können die Geschenke abgegeben werden. Das ist nach vorheriger Absprache auch an anderen Tagen möglich. Am 24. Dezember wird dann gefeiert. Es gibt, wie in vielen Familien üblich, Kartoffelsalat mit Würstchen, heiße Schokolade und andere Getränke. Und dazu wird auch der Weihnachtsmann mit seiner Elfe erwartet. „Viele Menschen sagen mir oft, Heike, bei solch einer Aktion hast du doch gar nichts von Weihnachten. Doch, sage ich dann, das ist für mich Weihnachten, wenn die Kinder die Geschenke auspacken“, betont Heike Krieg. Das besondere Engagement von Heike Krieg hat jetzt auch die Stiftung Zukunft Altmark gewürdigt. Sie erhielt für das Weihnachtsprojekt einen Zuschuss von 1000 Euro und Unterstützung vom Gutsteam.