Gardelegen l Sie haben harte Jobs. Viele von ihnen arbeiten in Schichten. Die Branche selbst ist krisenanfällig. Die Haut bei vielen Mitarbeitern ist dünn. Gerade erst ist eine Zeit der Kurzarbeit überwunden, da sorgen kurzfristige und unerwartete Personalentscheidungen bei der Boryszew Kunststofftechnik Deutschland (BKD) in Gardelegen für Misstrauen innerhalb der Belegschaft: „Gestern wurde einer der beiden Geschäftsführer schon wieder gekündigt“, heißt es in einem Brief an die Volksstimme Anfang September. Jacek Zacharski war, zusammen mit seinem Geschäftsführerkollegen Wojciech Gasior, erst Mitte April eingesetzt worden, nach ebenfalls nur eineinhalb Jahren Amtszeit von Vorgängerin Jagoda Damrath. Und auch das kam überraschend für die Arbeiter und Angestellten. Nun sei Zacharski schon wieder weg. „So läuft das hier“, heißt es in dem Schreiben an die Redaktion weiter. „Kein halbes Jahr hat er geschafft. Jetzt brauchen wir nur noch zu warten, bis der zweite auch geht.“

Zudem hat es offensichtlich auch unterhalb der Führungsebene spontane Aktionen gegeben: „Letzte Woche haben die wieder zwei Leute zur Wache abgeführt“, berichtet ein Mitarbeiter der Volksstimme. „Einer war unser Sicherheitsbeauftragter und noch ein Kollege.“ Wie „Schwerverbrecher“ seien die beiden behandelt worden. Und niemand aus der Belegschaft könne sich einen Reim darauf machen. Seither seien viele verunsichert, wie diese Zeichen zu deuten seien und wie es weitergeht mit dem größten Arbeitgeber der Region, sagen Angestellte der BKD im Volksstimme-Gespräch.

Wechsel war geplant

Aleksander Czajka, Vorstandsvorsitzender von Boryszew Automotive Plastic in Warschau, erklärt die jüngsten Personalien auf Nachfrage der Volksstimme. „Was den letzten Wechsel in der Geschäftsführung anbelangt, erfolgte er ganz nach unserem Plan“, versichert Czajka. Jacek Zacharski sei ohnehin nur kurzfristig für einige Monate beschäftigt worden, um „ein paar längst geplante Prozesse in der Firma durchzuführen.“ Er habe diese Aufgabe erfolgreich erfüllt und damit die Zusammenarbeit mit der BKD GmbH beendet.

Dieser Plan war aber offenbar der Belegschaft gegenüber so nicht kommuniziert worden. Von der Entlassung des Chefs hätten die Arbeitnehmer lediglich durch Mundpropaganda erfahren, versichert eine Mitarbeiterin. Das sei ein Schock gewesen. Auch für ihn sei die Entlassung von Geschäftsführer Jacek Zacharski sehr plötzlich gekommen, bestätigt Betriebsratschef Michael Hörauf gestern auf Nachfrage. Allerdings habe er gewusst, „dass die neuen Geschäftsführer nur vorübergehend bleiben sollen.“ Für wie lange, sei nicht klar gewesen. Die Entlassung des Sicherheitsbeauftragten sei indes tatsächlich für alle überraschend passiert. Mittlerweile sei aber, den Vorschriften entsprechend, der Betriebsrat zur Angelegenheit angehört worden, betont Hörauf.

Derzeit Vollbeschäftigung

Vorstandschef Aleksander Czajka versucht, auch diese Entscheidung des Unternehmens zu erklären. Nach umfassender Analyse der Arbeitsleistung eines der BKD-Mitarbeiter sei man gezwungen gewesen, ihn fristlos zu entlassen. „Das Ausmaß der Verstöße gegen die Vorschriften und die Abweichung von den richtigen Regeln für die Erfüllung der Aufgaben, die dem von diesem Mitarbeiter besetzten Posten übertragen wurden, rechtfertigten unserer Meinung nach völlig solche Schritte.“ Sowohl auf zentraler Ebene als auch bei allen Tochtergesellschaften würden die arbeitsrechtlichen Vorschriften, die in den jeweiligen Ländern gelten, aber unbedingt eingehalten. „Wir halten uns immer an die höchsten Standards und respektieren die Rechte unserer Mitarbeiter“, betont Czajka gegenüber der Volksstimme, „bis zur endgültigen Klärung wurde der Mitarbeiter gebeten, das Werk zu verlassen, und er war damit einverstanden.“ Trotz mehrfacher Versuche, Kontakt zu dem entlassenen BKD-Sicherheitschef aufzunehmen, wollte sich der Betroffene nicht äußern. Nach Informationen der Volksstimme läuft derzeit ein Arbeitsrechtsverfahren

Betriebratschef Michael Hörauf bemüht sich unterdessen darum, ein wenig Ruhe in die Angelegenheit zu bringen und verweist auf die aktuell sehr stabile Auftragslage. Nach nur einem Monat Kurzarbeit und trotz längerer Kurzarbeit beim Hauptauftraggeber herrsche bei BKD wieder Vollbeschäftigung, erinnert er. Seit September laufe alles normal. „Wir können zwar nicht in die Zukunft schauen“, so Hörauf. Derzeit sei das Gardeleger Unternehmen aber gut aufgestellt.