Zichtau l Die Hamburgerin Tine Wittler ist auch 20 Jahre nach ihrem Bühnen-Debüt ein wahrer Publikums-Magnet. Das zeigte sich am Freitagabend im Rinderstall auf Gut Zichtau. Binnen weniger Wochen waren die Karten für die Lesung der 48-Jährigen, deren TV-Sendung „Einsatz in vier Wänden“ vor einigen Jahren den Deutschen Fernsehpreis abgeräumt hat, restlos ausverkauft. Die Frohnatur, die mittlerweile im wendländischen Jabel wohnt und sich dort mit „Wittlerins Wohnzimmer“ ihren persönlichen Rückzugsort geschaffen hat, kommt bei ihren Fans halt immer noch sehr gut an.

„Szenisches Spektakel“ angekündigt

Das könnte unter anderem daran liegen, dass sie von ihrer Natürlichkeit und der positiven Nähe zu ihren Fans nie etwas verloren hat. So war es auch am Freitag nicht verwunderlich, dass sie mit kräftigem Applaus von den Zuhörern empfangen wurde. Im Gepäck hatte die Roman- und Sachbuchautorin ihren Bestseller „Die Prinzessin und der Horst“. Ein „Szenisches Spektakel“ zwischen Lesung und Schauspiel, wie die Veranstaltung angekündigt worden war, blieb am Ende jedoch aus.

Doch zunächst einen Schritt zurück: In Wittlers Buch aus dem Jahr 2002 geht es um die Titelheldin Mona Rittner. Eine blonde und üppige Alltagsprinzessin, die ihr Leben zwischen der chaotischen Talkshowredaktion sowie feucht-fröhlichen Abenden in Kneipen verbringt. Den größten Teil der Freizeit nimmt Freundin Eske ein. Die wiederum wird während der Lesung als eine sehr lebhafte Persönlichkeit mit strahlenden Augen vorgestellt, deren dringender Kinderwunsch Mona ins Internet treibt. Ihren stressigen Lebensalltag lassen die beiden Frauen oft bei viel Nikotin und Alkohol im Familieneck ausklingen. Männer gibt es im Leben der beiden einige.

Bilder

Schneller Wechsel der Charaktere

Die direkte und draufgängerische Art der beiden Hauptrollen kam während der Lesung zumindest ab und an bei den Zuhörern an. Während einige keine Mine verzogen, zeigten andere Gäste mit einem kurzen Auflachen, dass sie amüsiert über das Vorgetragene sind.

In „Die Prinzessin und der Horst“ wirken die zahlreichen Dialoge sehr stimmig und fügen sich auch ganz natürlich ineinaner – sofern man das Buch selbst vor der Nase hat. Tine Wittler spielte und las jedoch alle Figuren selbst und machte mit dem Drücken einer Rezeptionsklingel deutlich, dass jetzt ein anderer Charakter zu Wort kommt.

Durch die schnellen Wechsel verloren die Figuren und Vorkommnisse an Tiefe – und mancher Zuhörer denn auch den Faden. Fraglich ist zudem, ob ein Besteller, der sich in Buchform super lesen lässt, in das Format eines solchen Vortrags passt. Der Aha-Effekt blieb am Ende bei einem Teil des Publikums aus. Und einige hatten sogar schon während der Pause den Veranstaltungsort verlassen.