Kalbe l Tanz, das ist viel mehr, als sich in kontrollierten Abläufen zu einer bestimmten Musik zu bewegen. Das erfuhren auch die Teilnehmer eines Workshops, zu dem der Künstlerstadt-Verein Kalbe am Wochenende in die Grundschulaula eingeladen hatte und an dem sich 20 Mädchen unterschiedlicher Altersgruppen und auch ein Junge beteiligten.

„Und die meisten von ihnen mussten sich hier von dem lösen, was sie gemeinhin unter Tanz verstehen. Denn der beinhaltet nicht nur Streetdance oder klassisches Ballett“, sagte Zoé Alibert, die Leiterin des Workshops, im Nachgang. Sogenannte Moves, also Bewegungsabläufe, weiterzugeben, das sei nicht ihr Ansatz. Und es komme auch nicht auf die Außenwirkung des Tanzenden an, auf die leider die meisten Menschen, gerade Kinder und Jugendliche, sehr fixiert seien.

Nur Sportunterricht allein reicht nicht

Vielmehr gehe es darum, in sich hineinzuhorchen und sich selbst wahrzunehmen. Das, was dabei entdeckt werde, könne dann via Bewegung nach draußen transportiert werden. „Es geht hier nicht um eine bestimmte Form von Tanz, sondern um das freie Bewegen“, erläuterte die Fachfrau, die auch schon im vergangenen Jahr einen solchen Workshop in Kalbe geleitet hatte.

Zoé Alibert ist in Frankreich geboren worden, hat an unterschiedlichen Standorten Tanz und Tanzpädagogik studiert und auch lange Zeit in Hamburg gelebt. Heute ist sie in Berlin zu Hause. Der Kontakt nach Kalbe war entstanden, weil sie sich auf eine entsprechende Ausschreibung des Künstlerstadt-Vereins beworben hatte. Dieser kann für derartige Projekte wie den Tanzworkshop auf eine Förderung der Robert-Bosch-Stiftung zurückgreifen und die Angebote deshalb kostenfrei für die Teilnehmer gestalten.

Und die haben am Wochenende nicht nur etwas über Selbstwahrnehmung und verschiedene Ausdrucksformen, sondern auch über Flexibilität und vor allem Kreativität gelernt. „Denn Tanzen stärkt Kompetenzen verschiedenster Art“, sagte Zoé Alibert. Leider spiele Bewegung im Alltag von Kindern und Jugendlichen nicht mehr die Rolle, die sie eigentlich haben solle. „Ein paar Stunden Sportunterricht in der Woche“, so die Tanzpädagogin, „reichen bei Weitem nicht aus.“