Genthin l Bnan Abunab ist eine zugewandte, weltoffene Frau, die keine Kontaktängste kennt. Ihre großen braunen Augen haben sich etwas von der Neugier eines Kindes bewahrt. Vielleicht ein untrügerisches Zeichen dafür, dass die Muslima mit wachem Verstand durchs Leben geht. Seit etwa 14 Tagen agiert sie hauptsächlich in Genthin als sogenannte Intergrationslotsin über das Bundesprogramm „Demokratie leben“. Sie steht aber auch den Einheitsgemeinden Jerichow und Elbe/Parey zur Verfügung. Vorerst bis Ende Dezember ist die Finanzierung der Stelle gesichert, dann wird man offiziellerseits weitersehen.

Keine Berührungsängste

Bnan Abunab bringt aus ihrer Vita nicht nur die sprachlichen Voraussetzungen mit, um in Genthin zwischen der deutschen und der arabischen Kultur zu vermitteln. Die Englisch-Lehrerin folgte vor drei Jahren ihrem Mann Mohammad Zayed nach Deutschland, der bereits langjährig beruflich in Düsseldorf zu tun hatte. Durch einen Wohnortwechsel des Ehepaares nach Jerichow, Mohammad Zayed bekam einen Job bei einer Gleisbaufirma, kamen die Muslime dann in die Region Genthin. Damals waren sie noch Paradiesvögel.

Das mehrsprachige Paar ist längst dafür bekannt, dass es offen lebt und viele herzliche Kontakte knüpft. Berührungsängste mit Einheimischen gibt es nicht. Als die Flüchtlingswelle auch die Region Genthin erfasste, suchten die Muslime das Genthiner Rathaus auf und boten ihre ehrenamtliche Hilfe an. Dem ehrenamtlichem Engagement fühlt sich die Arabarin ohnehin eng verbunden. Ihr Vater, erzählt sie, arbeitet als Lehrer bei einer islamischen Wohltätigkeitsorganisation in Jordanien, sie selbst steht einer arabischen Schule für traumatisierte Flüchtlingskinder in Stendal vor.

Vermittlerin zwischen den Kulturen

Bei ihrer Vorsprache im Rathaus hätten die Araber zum Ausdruck gebracht, dass das Erlernen der deutschen Sprache das größte Problem für die Flüchtlinge sei, resümiert heute Bürgermeister Thomas Barz das Gespräch mit dem Ehepaar aus Jordanien. Es gab letztlich die Initialzündung, eine Stelle als Integratioslotsin mit Bnan Abunab, die übrigens im Februar ein Masterstudiengang Englische Literatur in Potsdam abschließen wird, zu besetzen.

„Deutschkenntnisse brauchen die ankommenden Flüchtlinge unbedingt“, davon ist die 32-jährige Araberin fest überzeugt. Sie müssten sich Wissen über das Land Deutschland und seine Gesellschaft mit vielen Informationen aneignen. Durch ihr Leben in Deutschland kann Bnan Abunab einschätzen, welche erste sprachlichen Klippen die Flüchtlinge zu nehmen haben. Diese Erfahrung fließt auch ein in den Deutsch-Unterricht, den sie donnerstags erteilt. Alltagsdeutsch steht hier an erster Stelle.

Dabei geht es auch praktisch zur Sache. Eine Exkursion zum Bahnhof, um Fahrkarten erwerben zu können, oder zum Supermarkt, um deutsche Gewohnheiten des Einkaufes kennenzulernen, das gehörte bisher dazu. „Alles lief schon sehr gut und wir sind dabei auf sehr nette Menschen getroffen“, weiß Bnan Abunab zu berichten.