Genthin l Noch so neu, dass sie noch nicht einmal mit einer Diebstahlsicherung versehen werden konnten, liegen die 15 nagelneuen Tablets im Veranstaltungsraum der Genthiner Bibliothek aus. Die ersten, die sie in Betrieb nehmen dürfen, sind die Flüchtlingskinder, die dienstags zum Deutschunterricht oder der Bastelstunde vorbeikommen. Routiniert schieben sie bereits Bilder und Buchstaben auf dem Bildschirm per Finger hin und her. Einer großen Einführung bedarf es nicht. Zu lesen gibt es das „Willkommmens-ABC“, bei dem die jungen Tester alltägliche Begriffe der deutschen Sprache im Bild und mit deutscher, als auch englischer Bezeichnung aufrufen können. Dem Antrag für das Projekt des Bibliotheksfördervereins Jerichower Land mit dem Titel „Miteinander leben - ein interaktives Angebot“ wurde im Begleitausschuss für finanzielle Mittel aus dem Bundesprogramm „Demokratie leben!“ zugestimmt. Anschließend flossen rund 3540 Euro vom Bund für die elektronische Neuheit in der Stadt- und Kreisbibliothek. An einem eingerichteten Arbeitsplatz sollen die Geräte zugänglich gemacht werden.

Premiere hatten die neuen tragbaren Computer am Dienstag. Bibliothekarin Cornelia Draeger machte fix alles betriebsbereit, bevor die Flüchtlingskinder und die Ehrenamtler gemeinsam per Fingerwisch durch das Buch „Willkommens-ABC“, das als digitale Datei aufbereitet ist, blättern. „Der Vorteil an diesem Lernspiel ist, das durch die Bilder bereits erkennbar ist, um was es geht. Dann können sich die Kinder die Begriffe besser einprägen“, sagt Draeger. An einem der runden Tische beginnt die 12-jährige Aria mit weiteren Kindern mit der ehrenamtlichen Deutschlehrerin Andrea Kampe, die einzelnen Buchstaben-Kapitel zu durchforsten. „Ampel, Apfel, Arzt“, wiederholt sie fast fehlerfrei. Seit zwei Monaten ist sie mit ihren Eltern und den vier Geschwistern in Genthin. Nun soll sie bald eingeschult werden. Vielleicht ist sie auch deshalb mit Feuereifer dabei und liest ihrer Lehrerin die Worte von den Lippen ab. Ihr Bruder Ari hat es sich derweil auf dem Teppich gemütlich gemacht und probiert sich mit dem Ting-Buch aus. Hier wird mittels eines elektronischen Stiftes beim Drücken auf verschiedene Symbole in deutscher Sprache erklärt, was auf den Abbildungen zu sehen ist. Gerade beschäftigt sich der Neunjährige mit einem Kapitel, in dem Haustiere beim Tierarzt vorstellig werden. Nun muss der junge Syrer erraten, was ihnen fehlt.

Spielerisch lernen

Sprachspiele finden sich zuhauf auf den Tischen im Veranstaltungsraum und können von den Anwesenden beliebig genutzt werden. Im Moment stehen für die Kinder aber die Tablets im Mittelpunkt. Auch Amir widmet sich gemeinsam mit Bibliothekarin Cornelia Draeger dem bereits vorinstallierten „Willkommens-ABC“. Bei Buchstabe F fällt ihm sofort ein Gegenstand ins Auge. Die Frisbeescheibe ist dem 13-Jährigen bekannt. „Ich spiele Frisbee in meiner Freizeit“, sagt der junge Afghane, der in den vergangenen acht Wochen fleißig Deutsch geübt hat. „In Zukunft sollen die Tablets auch interaktiv genutzt werden“, sagt Draeger. Wären zum Tablet-Testtag alle Kinder gleichzeitig online gegangen, hätte es vermutlich einige Verzögerungen gegeben, die das Ausprobieren eingeschränkt hätten. Deshalb zum Kennenlernen vorerst die digitale Buchvariante. Sind die Geräte gesichert und der Internetzugang eingerichtet, sollen die Tablets genutzt werden, um Vorurteile gegenüber anderen Kulturen abzubauen, die Sprachförderung junger Bibliotheksgänger zu unterstützen und eine Plattform bieten, wo die Kinder beim Spielen und Lernen Kontakte knüpfen können. Schon bald sollen die Geräte unter anderem über Kinderrechte informieren.

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