Genthin l Obwohl sie zur Abschaffung der D-Mark noch nicht einmal geboren waren, kannten sich die Drittklässler bestens aus mit Scheinen und Pfennigen, die in der Vitrine des Genthiner Kreismuseums ausliegen. Kurz vor Beginn der Weihnachtsferien machten die Grundschüler aus der Stadtmitte noch einen lehrreichen Ausflug in die Vergangenheit der Genthiner Stadtgeschichte. Dabei stand die Ausstellung um Handel und Gewerbe Genthins im 20. Jahrhundert im Mittelpunkt. Museumsleiterin Antonia Beran erklärte während des Rundganges die Gebäude entlang der Brandenburger Straße, die als Fotokopien wie an einer Wäscheleine im Ausstellungsraum angebracht sind. „Da arbeitet meine Mutter“, erkannte Jenny Kühne die Aufnahme des heutigen Sparkassengebäudes wieder. Elias Mosler interessierte sich eher für die vielen alten Fotokameras, die in der großen Glasvitrine neben Schmuckstücken und Uhren vergangener Tage untergebracht sind. „Funktionieren die alle noch?“ fragte er in Richtung Antonia Beran. „Einige vielleicht noch, aber ich denke die Chancen stehen eher nicht so gut“ antwortete sie.

Großen Spaß hatten die Grundschüler der 3b beim Ausprobieren der alten Registrierkasse. Klassenlehrerin Marion Henkner gab jedem einen Geldbetrag an, der dann richtig in der Anzeige erscheinen musste. Kontrolliert haben dies die Mitschüler, die sich auf der anderen Seite des imaginären Kassentresens postiert hatten. Eine besondere Summe durfte Liam Bruno Göhl eingeben. „Du probierst mal 66, 66 Mark. Danach kannst du dann einen Schnaps an die Erwachsenen ausgeben“, scherzte Lehrerin Henkner. Ohne einen Hänger des Kassenmodells aus den 1930er Jahren, konnten alle Schüler ihre persönliche Zahlenkombination eintippen. „Sie stammt aus einem Geschäft im Magdeburger Stadtteil Sudenburg. Ich habe sie von meiner Oma bekommen“, verriet die Museumsleiterin über die Herkunft.

Ein Weißkohlkopf in der Waagschale

„Das ist die Adler-Apotheke“, erkannten die Kinder ein weiteres Gebäude in der Schau. Dann fiel ihnen auf, dass Apotheken oft mit Tiernamen bezeichnet sind. So auch die Einhorn-Apotheke in Genthin oder die Löwen-Apotheke in Burg. Es sind entweder Heilige oder besondere Tiere, die oft zur Namensnennung von Apotheken dienen, merkte Beran an. Letztes Anschauungsobjekt des Rundganges war eine alte Schalenwaage, bei der die Museumsleiterin in eine der Schalen bereits einen Weißkohlkopf gelegt hatte, um mit den Grundschülern das Gewicht zu ermitteln. Einer nach dem anderen durfte eines der Gewichten, die zwischen einigen Gramm und 500 Gramm variieren, in die leere Waagschale werfen. Gar nicht so einfach, ein genaues Ergebnis zu bekommen, stellten die kleinen Kaufmannslehrlinge bei der Übung fest. Die Verkäuferinnen mussten also früher viel Fingerspitzengefühl beweisen, um den richtigen Betrag für die Ware zu ermitteln. Am Ende landeten die Schüler bei eine Kohlgewicht von 900 Gramm. Anschließend ging es gemeinschaftlich in den Veranstaltungsraum, um das beim Rundgang erworbene Wissen der Drittklässler in einem Fragebogen zu testen.

Bilder

Ein Besuch der Ausstellung rund um Handel und Gewerbe in Genthin im Kreismuseum ist noch bis zum 31. Januar möglich. Die Schau entstand in Zusammenarbeit mit dem Förderverein Genthiner Stadtgeschichte und zeigt neben der Veränderung zentraler Straßenzüge auch Gast- und Vergnügungsstätten des einstigen Genthins.