Volksstimme: Herr Bartsch, was bedeutet ihnen der Wald?

Dirk Bartsch: (lacht) Der Wald ist mir sehr wichtig. Ich genieße vor allem im Frühjahr das Grün der Birken und der Lärchen. Das könnte man so nicht malen. Wenn ich hier aus dem Fenster schaue und sehe wie alles aufbricht und sprießt, fühle ich mich lebendig. In meinem Traumberuf habe ich das Glück, ständig im Wald sein zu dürfen.

Wie geht es allgemein dem deutschen Wald?

Im Bereich unseres Forstamtes zwischen Genthin und Havelberg ganz gut, denke ich. Nur Forstschädlinge wie beispielsweise der Eichenprozessionsspinner oder die Forleule, müssen gezielt überwacht werden.

Welche Maßnahmen der Vorsorge trifft das Forstamt?

Vor Monaten haben wir mit der Winterbodensuche begonnen. Danach können wir bestimmen, ob wir mit kritischen Zahlen bei Schädlingen zu rechnen haben. In diesem Jahr befinden wir uns bislang im grünen Bereich. Da wir aber nicht wissen, wie etwa die Witterung wird, kann man das nie mit Bestimmtheit prognostizieren. Wenn wir hellsehen könnten, wären wir glücklicher.

Müssen sie in schlimmen Fällen Schädlingsbekämpfungsmittel einsetzen?

Das Ausbringen von Pflanzenschutzmittel ist immer das letzte Mittel. Normalerweise regelt die Natur solche Dinge alleine. Durch gezielte Beobachtungen und waldbauliches Handeln, kann man vieles abwenden.

Wie sollte ein gesunder Wald denn idealerweise beschaffen sein?

Dort wo es waldbaulich möglich ist, sollte man auf Monokulturen verzichten. Bezüglich Standort und Anspruch des Baumes muss ein gesundes Verhältnis vorherrschen. Ein Wald sollte eine gesunde Artenvielfalt sowie verschiedene Altersklassen aufweisen.

Und welche Bäume sind in ihrem Forstamt verbreitet?

Bei uns sind es in erster Linie die Gemeine Kiefer aber auch andere Laub-u. Nadelbaumarten wie etwa Eichen, Birken, Lärchen oder Douglasien.

Und wie sieht es bei uns mit dem Baum des Jahres, der Winterlinde, aus?

Na ja, die ist hier eher seltener. Die Linde braucht einen anspruchsvolleren Boden. Böden, wie sie beispielsweise in der Börde vorkommen, sind perfekt geeignet für die Linde. In unserem Revier sind die Böden eher sandig. Linden gibt es natürlich trotzdem, dort wo es der Standort erlaubt.

Schätzen Menschen heutzutage den Wald noch als Naherholungsgebiet?

Mehr denn je, denke ich. Freizeitaktivitäten im Wald nehmen sogar zu. Mountainbiken, Joggen, der klassische Spaziergang mit dem Hund – der Wald ist attraktiv. Er hat ja klassischerweise eine Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktion. Schwer zu verstehen, dass der Wald noch immer als Müllkippe genutzt wird.

Was genau meinen Sie damit?

Die illegale Müllverkippung ist ein Problem. Tiere verletzen sich an Blechbüchsen. Sondermüll wie Ölbehälter oder Batterien werden im Wald abgeladen. Der Wald ist ein Wasserspeicher, wenn Schadstoffe in diesen Kreislauf gelangen und ihn verseuchen, kann das fatale Folgen für das gesamte Ökosystem haben.

Was können Sie dagegen unternehmen?

Wenn wir etwas finden, verständigen wir als erstes die Behörden, welche für die Entsorgung zuständig sind. Weiterhin versuchen wir gezielt durch die Öffentlichkeitsarbeit, alle Bürger für dieses Thema zu sensibilisieren. Außerdem investieren viele Jäger, ehrenamtliche Bürger, Waldbesitzer sowie Naturfreunde ihre Freizeit, um den Wald zu säubern. Letztlich trägt der Steuerzahler die Kosten. Wer Müll in den Wald wirft, der schneidet sich ins eigene Fleisch. Man sollte zudem nie vergessen, dass der Wald für uns lebensnotwendig ist. Der Wald ist und bleibt eines unserer kostbarsten Güter.