Genthin l Stimmungsvoll endete die Schulzeit für die Genthiner Bismarck-Absolventen. In der St. Trinitatiskirche war ein festliches Ambiente hergerichtet worden, um den mehr als 40 Schülern des Abschlussjahrganges 2019 einen unvergesslichen Abschied zu bereiten. Würdevoll schritten die Absolventen in die Kirche hinein - vorbei an Eltern, Großeltern und Geschwistern.

Reihe von Reden

Immer in dem Wissen, dass dieser Tag des Abschieds auch ein Tag des Aufbruchs ist. Gespickt war die Feier in der Kirche mit einer Reihe von Reden. „Für euch geht eine Ära zu Ende“, stellte dann auch Pfarrerin Beate Eisert fest und erinnerte daran, dass jeder Einzelne mehr sei als Schulnoten und sich keiner einschüchtern oder verschrecken lassen solle. „Findet den Weg, der zu euch passt.

Landrat Steffen Burchhardt hatte drei zentrale Hinweise an die Abiturienten: „Leistet euch eine eigene Meinung“, rief er auf. „Erwartet nicht, dass andere Probleme für euch lösen.“ Laufe etwas nicht, müsse man selbst handeln. Der dritte Rat war, sich nicht auf Statussymbole oder äußere Werte zu verlassen. „Entscheidend ist, was ihr zur Gesellschaft beitragt.“ Burchhardt richtete sich in seinen Worten auch an die Eltern, die mit der Erziehung ihrer Kinder eine „unglaubliche Aufgabe“ übernommen hätten.

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Der Nachwelt etwas hinterlassen

Den Lehrern stellte er ein gutes Zeugnis aus: „Lehrer sein ist nicht wie ein Auto zu reparieren.“ Es sei eine viel umfassendere Betrachtung eines Menschen. Für Bürgermeister Matthias Günther war der Tag, ein Aufbruch zu neuen Ufern. „Macht das Beste aus eurem Leben.“ Schulleiter Volker Schütte, ganz Geschichtsexperte griff in seinen Worten zurück auf das Beispiel des ersten römischen Kaisers Augustus (63 v. Chr.-14 n. Chr.) und mahnte, dass die Absolventen der Nachwelt etwas hinterlassen mögen.

„Kriege sollt ihr nicht führen.“ Aber euch auf den Weg machen als Arzt, Ingenieur, Chemienobelpreisträger, Gymnasiallehrer oder auch Weltenbummler. Für Festredner Christoph Pflaumbaum, einst selbst Schüler des Bismarck-Gymnasiums, war es nicht der Tag für eilfertige Ratschläge eines Älteren an die Jüngeren.

Keine schulmeisterliche belehrung

Er hob in seiner Rede auf eine Kolumne in der Genthiner Volksstimme zum Thema „Nostalgie“ ab und stellte fest, dass weder das verklärende „Früher war alles besser“, noch die ebenso verklärende Form „Euch gehört die Zukunft“, der richtige Weg sei.

Pflaumbaum nahm sich den heute fast vergessenen aber einst bedeutenden deutschen Schriftsteller Wolfgang Hildesheimer (1916-1991) zum Beispiel, der sich in seiner „Rede an die Jugend“ einer schulmeisterlichen Belehrung der jungen Generation verweigert habe und stattdessen ein hinterfragendes reflektierendes Denken empfahl.

Etwas, das Pflaumbaum bereits bei den jungen Leuten entdeckt hatte. Sie beschäftigen sich mit den Weltläufen. Die Frage nach einem prägenden Ereignis ihrer Generation, hätten sie mit „die Anschläge vom 11. September 2001“, beantwortet. Sämtliche aktuellen politischen Ereignisse hätten darauf aufgebaut. Noch etwas beeindruckte Pflaumbaum: „Eure Vorbilder sind nicht etwa Schauspieler oder Popstars, sondern wie ihr verraten habt, eure Eltern.“

Gemeinsam Palme gelöscht

Lustig waren die Erinnerungen an die Schulzeit, die von Nina Schirrmeister und Sebastian Witte zu erfahren waren. „Vor einem Monat sind wir nach einem Entwurf für unsere Rede gefragt worden, da hatten wir noch nicht ein Wort zu Papier gebracht.“

Der Jahrgang sei nicht immer der fleißigste gewesen. Doch immer wieder waren die Schüler auf Zack. Etwa bei der Abschlussfahrt: „Als vor dem Hotel eine Palme in Brand geraten war, haben wir sie gemeinsam gelöscht.“

Schulzeit wie Schiffahrt

Die Schüler verglichen ihre Schulzeit mit einer Schifffahrt. Mancher von ihnen sei vom Kurs abgekommen, mancher schipperte einfach durch und wieder andere hätten sich aus den Wellen gerettet.

Auf der großen Fahrt seien die Lehrer oft die Rettungsanker gewesen und Schulleiter Schütte der Chef der Flotte. Freundliche Worte hatten sie auch für ihre Tutorinnen Sylvia Bielke und Angelika Döbberthin. Die Schüler stellten am Ende fest: „Wir haben das Ufer erreicht, bald legen wir zu neuen Fahrten ab.“

Nach der Zeugnissübergabe, wurde eine Reihe von Schülern für ihr schulisches und gesellschaftliches Engagement geehrt. Es gab hervorragende Leistungen in den Bereichen Chemie, Physik und Deutsch.

Die musikalische Umrahmung übernahm der Schülerchor des Gymnasiums und die Instrumentalgruppe. Traditionell verabschiedete sich auch der Lehrerchor mit einem Lied von den Schülern. Die werden, nach eigenen Angaben, nur auf dem Papier getrennt sein und im Leben in Verbindung bleiben.