Genthin l 240 Teilnehmer gingen beim Silvesterlauf in Genthin an den Start. Zwei der Teilnehmer, die im Volkspark ihre Runden drehten, waren die Austauschschüler Marina Leonardi aus Brasilien und Yannie Jong Yeon aus Südkorea.

Sprachkenntnisse verbessern

Die beiden 17-Jährigen leben über das Rotary Schüleraustauschprogramm für ein Jahr in Deutschland und haben die Feiertage und den Jahreswechsel bei ihren Gastfamilien im Jerichower Land verbracht. Damit wollen sie nicht nur Deutschland näher kennenlernen, sondern auch ihre Kenntnisse der deutschen Sprache verbessern. Für Marina ein besonderes Anliegen.

„Meine Großeltern stammen aus Deutschland und ich möchte vielleicht in Deutschland studieren, um Rechtsanwältin für internationale Beziehungen zu werden“, berichtet sie.

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Enge Familienbindung

Eigentlich stammt sie aus Toledo, einer Großstadt im Westen des brasilianischen Bundesstaates Paraná. Dörfer wie in Deutschland kannte Marina gar nicht. Auch sind die Entfernungen nicht so groß. „Die Wege nach Magdeburg oder Brandenburg empfindet sie sogar als kurz, in ihrer Heimat ist man von einer Stadt in die nächste viel länger unterwegs“, berichtet Gastmutter Antje Teske. Ihre Gasttochter ist für ein Jahr ein echtes Familienmitglied.

Genau wie Yannie Jong Yeon in seiner Gastfamilie. „Ich wohne in Brettin, meine Gastfamilie und hat mir am meisten geholfen, die deutsche Kultur zu verstehen.“ Dazu gehört im Winter natürlich die Adventszeit mit all ihren Lichtern, den Bräuchen und natürlich den Weihnachtsmärkten, von denen beide Gastschüler begeistert waren. „In Brasilien gibt es keine Weihnachtmärkte, nur Oktoberfeste“, berichtet Marina.

Vorurteile widerlegt

Lustig sei, dass sie vor ihrer Reise nach Deutschland gedacht habe, das Deutsche Lederhose und Dirndl tragen. Das erwies sich als Trugschluss, auch für Yanni gab es „Aha“-Erlebnisse, weil sein Gastland nicht aus Muskelmenschen besteht: „Vor der Ankunft in Deutschland dachte ich, die Deutschen sind alle stark und kräftig, tatsächlich sind sie sehr nett und weich.“

Auch sei ihm immer geholfen worden, wenn er Fragen hatte. Besonders fasziniert war Yanni vom Feuerwerk über seinem Gastort: „Darüber habe ich mich sehr gefreut.“ Auch hat er eine Geschichte zum Brauchtum in seinem Land parat: „In Korea gibt es eine Legende, dass man nicht älter wird, wenn man Reiskuchen und Suppe isst, also teilen wir mit allen in der Familie Reiskuchen.“ Älter werde man aber dennoch, es sei halt nur ein Brauch.

Bis zum Sommer in Deutschland

Noch bis zum Sommer sind Marina und Yanni in Deutschland, wenngleich zwischendurch auch eine Reise durch europäische Hauptstädte ansteht, bei der sie die obligatorischen Anstecker für ihre Rotary-Jacken sammeln. Die beiden Gastschüler gehen bis dahin in das Genthiner Bismarck-Gymnasium und sind von ihren Mitschülern gut aufgenommen worden.

Für Marina war es erst etwas komisch: „In meiner Heimat stehe ich vor dem Abschluss, in Genthin gehe ich in die zehnte Klasse.“ Dennoch hat sie sich mit ihren Schulkameraden angefreundet. Für einen guten Zusammenhalt sorgte auch das Weihnachtskonzert des Gymnasiums, bei dem beide im Programm teilnahmen.

Zuhörern im Gedächtnis

Marina als Sängerin, obwohl sie eigentlich Geige spielt. „Die habe ich aber leider nicht dabei.“ Yanni war ebenfalls Teil des großen Ensembles. Weil Chorleiterin Anke Held beide vorstellte, blieben sie zahlreichen Genthiner Zuhörern im Gedächtnis und werden vielleicht hier und da noch einmal zu sehen sein.

Der Rotary-Club begleitet den Aufenthalt und der für den Schüleraustausch verantwortliche Stefan Karnop sagt: „Die Planungen für die kommenden Jahre laufen bereits. Jugendliche, die im Schuljahr 2019/20 das 10. Schuljahr abgeschlossen haben, können ihr Interesse bereits jetzt bekunden.“ Möglich sei dies unter: karnop@web.de.