Paplitz/Gladau/Tucheim l Den Hoffnungen auf eine Bauhof-Außenstelle möglichst mit ortsgebundenen Gemeindearbeitern erteilten Bürgermeister Matthias Günther (parteilos) und Sachgebietsleiter Peter Knobel bei den Ortschaftsratssitzungen in Paplitz, Dretzel und Tucheim in dieser Woche eine Absage.

Zerknirschte Reaktion

Während die Paplitzer und Tucheimer Ortschaftsräte darauf mit zurückhaltende Skepsis reagierten, kam aus Gladau deutliche Kritik. „Wir haben uns mehr erhofft. Das ist auch nicht das, was uns in Aussicht gestellt wurde“, zeigte sich Ortsbürgermeister Klaus Voth zerknirscht, nachdem er bei den Ortschaftsratssitzungen der vergangenen Monate immer wieder in Sachen Dezentralisierung des Bauhofes nachgebohrt hatte. „Die Sahne ist das nicht“, kommentierte Voth die nun von der Verwaltung getroffene Entscheidung.

Mehrere Optionen geprüft

Bürgermeister Günther hatte noch vor vier Wochen in Gladau davon gesprochen, dass die Verwaltung mehrere Optionen für einen zweiten Standort prüfe. Darüber hinaus hatte er im Wahlkampf in den Fienerdörfern Erwartungen auf eine Außenstelle beziehungsweise einen ortsgebundenen Gemeindearbeiter geweckt, die er nun nicht erfüllt. Sachgebietsleiter Peter Knobel erklärte in Tucheim, dass an der Dezentralisierung sowohl aus praktischen als auch aus wirtschaftlichen Erwägungen nicht festgehalten werden könne. Dafür müsste die Stadt in die Tucheimer Immobilie, wo derzeit lediglich Technik abgestellt ist, für die Mitarbeiter sanitäre Anlagen und Aufenthaltsräume einbauen, wie sie im Arbeitsstättengesetz gefordert werden.

Zahlen oder nachvollziehbare Wirtschaftlichkeitsberechnungen, von denen der Bürgermeister noch vor wenigen Wochen gesprochen hatte, wurden bei den Ortschaftsratssitzungen nicht vorgelegt.

Feste Bauhof-Trupps

Sowohl gegenüber den Ortschaften als auch auf Volksstimme-Anfrage sagte der Bürgermeister, dass sich die Stadt dafür entschieden habe, in den Fienerdörfern kleine und zugleich feste Bauhof-Trupps zu bilden, die mit zwei bis drei Mitarbeitern aus diesen Orten besetzt sind. Damit wolle man sich vom Rotationsprinzip (ständiger Mitarbeiterwechsel) trennen. Die Zwischenlagerung einer Grundausstattung von Technik und Material in Tucheim bleibe bestehen. Günther sagte vor den Paplitzer Ortschaftsräten: „Mit einem zweiten Stützpunkt des Bauhofes wird es organisatorisch nicht besser laufen.“

Bedenken der Ortschaftsräte, dass die Arbeitszeit der Bauhofmitarbeiter durch tägliche An- und Abfahrten zum zentralen Bauhof in Genthin „auf der Straße bleibt“, versuchte Peter Knobel in Dretzel und Tucheim entgegenzutreten. Gänzlich ausräumen konnte er sie jedoch nicht. Die veranschlagten Fahrtzeiten von Genthin in einen Fienerort würden seinen Aussagen in Tucheim zufolge eine dreiviertel Stunde ausmachen. Er gab dabei zu bedenken, dass die Bauhof-Mitarbeiter nach ihrer Anreise aus Genthin im Verlauf des Tages ohnehin von Ort zu Ort pendelten. In Dretzel verwies Knobel darauf, dass in Genthin bereitstehende aufgerüstete Fahrzeuge für eine Zeiteinsparung sorgen würden.

Stadt offen für Ideen

Skeptisch hinterfragte Paplitz‘ Ortsbürgermeister Stefan Ohle, ob die Bauhof-Entscheidung in „Stein gemeißelt“ sei. Günther antwortete daraufhin, dass sie die Vorgehensweise für die nahe Zukunft bleibe, die Stadt zeige sich dabei offen für Ideen. Bei den Ortschaftsratssitzungen in Paplitz und Tucheim orientierte der Bürgermeister auf eine stärkere Nutzung des „Sag’s uns einfach”-Melders, der auf der städtischen Internetseite zu finden ist.

Der Ortschaftsrat Parchen ist noch nicht über die neue Bauhof-Regelung informiert worden, er kommt erst in der nächsten Woche zu einer Beratung zusammen. Ortsbürgermeister Hubert Schwandt gilt als ein Verfechter eines zweiten Bauhof-Standortes.