Finanzen

Baukosten schießen in die Höhe

Die Genthiner Uhlandschule wird behindertengerecht. Allerdings müssen höhere Kosten eingeplant werden.

Genthin l Noch liegt kein Haushaltsentwurf der Stadt Genthin vor, und es gab auch noch keine Beratung zu den städtischen Finanzen des Jahres 2021. Dennoch muss sich der Bau- und Vergabeausschuss bereits im Januar mit Mehrausgaben auseinandersetzen.

Konkret geht es um den Umbau der Grundschule Ludwig-Uhland unter inklusiven Gesichtspunkten. 480.000 Euro sind im vergangenen Jahr in einer ersten Kostenschätzung gemeinsam mit einem Planungsbüro errechnet worden. Das sind bereits 25.000 Euro mehr, als die Stadt im vergangenen Sommer in einer Pressemitteilung veröffentlicht hat.

Im Zuge der weiteren Entwurfsplanung ist nunmehr deutlich geworden, dass man mit Kosten in Höhe von rund 880.000 Euro rechnen müsse. Diese Zahl nennt die Stadtverwaltung in einer Beschlussvorlage für den Fachausschuss. Dieser muss nun entscheiden, ob im kommenden Haushalt die gesamte Summe eingestellt werden soll, um die Arbeiten sozusagen in einem Rutsch umzusetzen, oder aber ob mehrere Bauabschnitte gebildet werden sollen (siehe Kasten „Variantenvergleich“).

Bei letzterer Variante würde zunächst eine Prioritätenliste von einzelnen Baumaßnahmen abgearbeitet, die 480.000 Euro umfassen. Die Liste ist gemeinsam mit Uhland-Schulleiterin Angelika Wiegmann aufgestellt worden und dadurch in einer Reihenfolge, die auch von den Lehrkräften der Grundschule mitgetragen würde. Seit langem werden die Baumaßnahmen geplant und auch vom Land befürwortet.

Aus dem Programm „Richtlinie Schulinfrastruktur“ sollen mehr als 342.500 Euro Fördermittel beigesteuert werden. Und auch die Stadt ist von der Maßnahme überzeugt: „Mit diesem Projekt wird dem Ansinnen auf Verwirklichung von Chancengleichheit von Schülerinnen und Schülern mit Behinderungen Rechnung getragen und auch die Lern- und Aufenthaltsbedingungen verbessert“, hieß es im vergangenen Jahr.

Doch nun muss man sich erneut mit einer Baukostensteigerung auseinandersetzen. Damit hat die Stadt Genthin bereits leidvolle Erfahrungen gemacht. 2016 waren für die Wasserturmsanierung etwas mehr als eine Million Euro veranschlagt worden, zu 100 Prozent gefördert durch Bund und Land. Doch schon bei der Vorbereitung begann das Dilemma: Eine Ausschreibung blieb erfolglos, zwei Interessenten meldeten sich nach Kontaktaufnahme durch die Stadt, wollten aber deutlich mehr Geld. So landete die Stadt bei 2,1 Millionen Euro und kämpft nun um die 100-prozentige Förderung.

Aber nicht nur die Genthiner kämpfen mit den Baukosten. Deutschlandweit ergeht es anderen Kommunen nicht besser. In der Stadt Bottrop (Nordrhein-Westfalen) sind nach zwei vergeblichen Ausschreibungen die Kosten für den Neubau der Dreifachturnhalle am dortigen Gymnasium von sieben auf zehn Millionen Euro gestiegen.

Das Rathaus in Weilheim (Bayern) wird derzeit saniert. Im Jahr 2011 war im dortigen Bauausschuss mit 3,3 Millionen Euro kalkuliert worden, wenn das Gebäude 2023 fertig sein wird, schlagen wohl mehr als elf Millionen zu Buche (inklusive eines Dachgeschoss-ausbaus, der zunächst nicht geplant war). Als in Solingen (Nordrhein-Westfalen) 2017 eine neue Feuer- und Rettungswache geplant wurde, rechnete man mit 14 Millionen Euro Baukosten. Mittlerweile wird mehr als das doppelte veranschlagt.

Grund für die Situation, ist ein allgemeiner Bau-Boom, der zu massiver Auslastung der Baufirmen führt. „Die Auftragsbücher sind voll, Firmen suchen sich da die lukrativsten Aufträge aus“, hatte Giso Töpfer, Geschäftsführer beim Baugewerbeverband Sachsen-Anhalt im vergangenen Jahr gegenüber der Volksstimme verdeutlicht.

Öffentliche Aufträge sind nicht sonderlich beliebt, denn: „Bei Privaten sind die Margen oft höher, und gibt es nicht einen so horrenden Formularwust.“