Genthin l In jeder noch so kleinen Ecke der Beratungsstelle an der Poststraße scheint das Leben zu pulsieren. Während eine Runde junger Muttis mit ihren Babys locker und zwanglos das Beieinandersein auf einer großen Spielmatte genießt, herrscht ein Kommen und Gehen in dem Büro von Sozialwissenschaftlerin Corinna Uthe und der Sozialpädagogin und Sozialarbeiterin Anne Grundmann.

Spezieller Rhythmus

Hier geht es alles andere als beschaulich zu. Corinna Uhte hat sich an diesen „speziellen Genthiner Rhythmus“ als Neue längst gewöhnt. „Ich habe hier eine schöne Arbeit gefunden. Ich arbeite gern in der Beratung“, sagt die 39-jährige Magdeburgerin, die zuvor unter anderem im Burger Cornelius-Werk und in der ambulanten Betreuung für psychisch kranke Menschen tätig war. „Es ist gut, in die großen Fußstapfen einer Palmira Repsyte Scharf treten zu können“, lächelt die junge Frau zurückhaltend. Über ihre frühere Kollegin Anne Grundmann fand sie den Weg nach Genthin.

Mit den beiden jungen Frauen ist die Einrichtung der Diakonie in der glücklichen Situation, auch in einer ländlichen Region wie Genthin mit gut ausgebildeten Fachkräften ein komplexes Beratungsangebot abzusichern, denn beide Frauen verfügen über eine umfangreiche Zusatzqualifikation in Beratung und Therapie. Eine lange To-do Liste erfüllt ihr Tagewerk: Sie bringen in ihre Arbeit die Kompetenz für den sensiblen Bereich der Schwangerschaftskonfliktberatung ein, sie leisten Beratung zum Mutterschutz, zur Elternzeit, zum Eltern- und Kindergeld, zur Unterhaltsfragen und Mutter-Kind-Kuren, wobei sie mit dem Müttergenesungswerk zusammenarbeiten. Sie vermitteln finanzielle Hilfen für Schwangere oder Familien und stehen Ratsuchenden bei Behördengängen und beim Ausfüllen von Formularen zur Seiten. Zudem händigen sie den „anderen Mutterpass“ aus.

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Die beiden Mitarbeiterinnen sind darüber hinaus auch Ansprechpartnerinnen für Sexualpädagogik in Schulen. „Wir beraten allumfassend zu Themen rund um Schwangerschaft, Geburt und das erste Lebensjahr“, sagt Anne Grundmann, Leiterin der Beratungsstelle.

700 Beratungen im Jahr

Die Schwangerschaftsberatungsstelle der Diakonie, daran lassen die beiden spezialisierten Beraterinnen keinerlei Zweifel, stehe auf einem soliden Fundament. Sie sei sehr gut frequentiert, dafür seien die gut 700 Beratungen, die jährlich durchgeführt werden, ein aussagekräftiger Beleg. Als neue Kollegin hat Corinna Uthe einen unverbrauchten Blick dafür, was die Genthiner Beratungsstelle von vergleichbaren Einrichtungen unterscheidet.

So bleiben für sie die Babybegrüßungspakete, die das Haus in Zusammenarbeit mit der Stadt Genthin und etlichen Unternehmen und Institutionen an neue Erdenbürger ausgibt, so etwas wie ein Alleinstellungsmerkmal. Das Begrüßungspaket sei mit sehr viel Liebe zusammengestellt und erfreue sich einer sehr großen Nachfrage, sagt Corinna Uthe. Es enthält Lätzchen, Gutscheine, ein Körnerkissen und andere nützliche Dinge. Etwa 100 Pakete würden jährlich an das „Baby gebracht“. Jeder, der in der Stadt Genthin mit den dazugehörigen Ortsteilen gemeldet ist, und Nachwuchs bekommen hat, kann das Begrüßungspaket der Stadt abholen.

Dass das Begrüßungspaket in der Beratungsstelle ausgegeben werde, sei, da sind sich die Beraterinnen einig, eine „wirklich gute Sache“. So würden „sich wunderbare Anknüpfungspunkte“ ergeben, um mit den jungen Muttis ins Gespräch zu kommen.

Vermutlich mehr als andere Beratungsstellen sind Anne Grundmann und Corinna Uthe gefordert, um der in der Region Genthin angespannten Hebammen-Situation etwas entgegenzuwirken. So bietet die Einrichtung die Vorbereitung auf die Geburt mit Geburtshypnose an. Das könnten Hebammen für die Region nicht leisten. „Mit nur wenigen Hebammen ist die Region Genthin nicht besonders ausgestattet“, erklärt Anne Grundmann den Hintergrund dieses Angebotes.

Treff für Flüchtlingsfrauen

Obwohl die Zahl der Flüchtlinge in Genthin rückläufig ist, hält die Beratungsstelle vorerst noch an einem kleinen Treff der Flüchtlingsfrauen fest. „Wir haben diese Treffs in unseren Arbeitsplan aufgenommen, weil der Austausch und die Begegnung für die Flüchtlingsfrauen sehr wichtig sind. Die Frauen brauchen, so der Ansatz der Beraterinnen, wie andere auch in dieser Lebens- und Familienplanungsphase Beratung und Unterstützung, ganz besonders beim Ausfüllen von amtlichen und zum Teil sehr anspruchsvollen Formularen.